Boyhood

Der schönste Film des Jahres


FilmClicks:
„Boyhood“: Patricia Arquette liest Lorelei Linklater (l.) und Ellar Coltrane eine Geschichte vor © Universal
DIE STORY: Regisseur Richard Linklater erzählt in „Boyhood“ vom anfangs sechsjährigen Mason  (gespielt von der Entdeckung Ellar Coltrane), dessen Welt aufhört zu existieren, als seine Eltern sich trennen. Mason wächst bei seiner Mama (Patricia Arquette) auf, geht mit der Schwester hin und wieder zum Vater (Ethan Hawke). Mehr und mehr aber sind es seine eigenen Probleme, von denen der Film berichtet. Am Ende ist Mason 18 Jahre alt und nach der Schule bereit, sein eigenes Leben zu beginnen.
 
DIE STARS: Patricia Arquette („Lost Highway“) und Ethan Hawke, der seit „Before Sunrise“ immer wieder mit Richard Linklater zusammenarbeitet, agieren solide bis teilweise hinreißend als Eltern, kommen aber letztendlich nicht gegen den Newcomer Ellar Coltrane an. Er spielt Mason mit einer wunderbaren Natürlichkeit. Lorelei Linklater, die Tochter des Regisseurs, ist als Masons Schwester Samantha dabei.
 
DIE KRITIK: Langzeit-Filmprojekte, bei denen ein Regisseur seine Figuren über Jahre begleitet, sind oft nur etwas für Menschen mit Arthaus-Geschmack und richtig viel Geduld. Aber man wird natürlich auch belohnt, wenn man sich mehr als 50 Stunden von Edgar Reitz „Heimat“ anschaut oder „Die Kinder von Golzow“, die längste Doku der Welt.
US-Regisseur Richard Linklater ist auch so ein Long-Distance-Runner. Allerdings schafft er etwas ganz Rares. Er holt die Filme aus dem Bereich des künstlerische Wertvollen (und manchmal leicht Angestaubten) heraus - er macht Kino für die Massen. Das funktioniert aller paar Jahre hervorragend bei der „Before…“-Romanzen-Reihe mit Ethan Hawke und Julie Delpy.

Vater mit Kids:Ethan Hawke (m.), Lorelei Linklater und Ellar Coltrane (re.) © Universal

Mit „Boyhood“ gibt’s nun die Steigerung von gut zu sensationell, denn Linklater ist ein Husarenstück gelungen. Er hat einen Film gedreht, der einen Jungen dabei begleitet, wie der in zwölf Jahren vom kleinen Kind über ein pubertierendes Monster zum jungen Manne reift. Auch das ist nicht neu. Filmemacher haben bei solchen Filmen bisher immer auf verschiedene Darsteller gesetzt. Linklater hingegen hat alles auf die Karte Ellar Coltrane gesetzt und gewonnen. Mit dem Jungen hat er über zwölf Jahre hinweg immer wieder für wenige Tage gedreht und gehofft, dass der Junge nicht nach ein paar Jahren mal die Lust verliert.
Zum Glück für Regisseur und Publikum hat Ellar die lange Strecke durchgestanden und man kann ihm so dabei zuschauen, wie er den Anfang seines Lebens meistert. Der Film braucht keine Bomben und rasenden Autos, um tiefe Wirkung zu entfalten. Hier steht der Alltag im Vordergrund. 160 Minuten packender Alltag, der wie in einem sogartigen Fluss am Betrachter vorbeizieht.
Es ist überaus spannend, zu sehen und manchmal zu raten, in welchem Jahr wir uns befinden. Hin und wieder geben die Frisuren von Ethan Hawke oder die Kleider von Patricia Arquette Aufschluss. Dann ist es wieder die Musik, die man einer Zeit zuordnen kann.
Wenn Mason am Ende gefragt wird, was als Erwachsener aus ihm werden soll, ertappt man sich dabei, dass einen der Eltern-Komplex mit voller Wucht erwischt. Man möchte am liebsten, dass Mason nicht fortgehen möge – nicht von Zuhause, und nicht aus dem Film. Aber Richard Linklater war klug genug, dieses zu 100 Prozent gelungene Experiment zu beenden. „Boyhood“ ist bisher der schönste Film des Jahres.
 
IDEAL FÜR: Alle, die miterleben wollen, wie ungemein spannend Alltag im Kino sein kann. Ein Film zum Anschauen und Bewundern, zum Genießen und Schwärmen






Trailer
Interview
Zwölf Jahre Drehzeit: „Der Film war ein Vertrauensvorschuss in die Zukunft“
Ein Kino-Meisterwerk, das einen Jungen durch zwölf Jahre seiner Jugend begleitet: Regisseur Richard Linklater und sein Hauptdarsteller  Ellar Coltrane über „Boyhood“. Mehr...
LÄNGE: 163 min
PRODUKTION: USA 2014
KINOSTART Ö: 05.06.2014
REGIE:  Richard Linklater
GENRE: Drama|Familie/Kinder
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Ellar Coltrane: Mason
Patricia Arquette: Olivia
Ethan Hawke: Mason Sr.
Lorelei Linklater: Samantha