Who Am I - Kein System ist sicher

Ein Computer-Thriller voller Hochspannung und Tiefgang


FilmClicks:
„Who Am I“: Elyas M'Barek, Wotan Wilke Möring, Antoine Monot Jr. und Tom Schilling als Hacker © Sony
DIE STORY: Benjamin (Tom Schilling) hat im deutschen Computer-Thriller „Who Am I - Kein System ist sicher“ ein Problem, das direkt mit dem Filmtitel zu tun hat. Er fragt sich jeden Tag, wer er ist und was er hier soll. Denn niemand nimmt diesen Niemand wahr. Aber eines Tages zahlt es sich aus, dass er Tag und Nacht vor dem Rechner verbringt. Denn die Clique um den coolen Max (Elyas M`Barek) braucht einen wie ihn. Der Maschinensprache kann.
Die Jungs gründen ein Hacker-Quartett, das sich Clay nennt („Clowns laughing at you“). Schon bald hacken sie Naziparteien ebenso wie große Versicherungen. Als sie allerdings das große Ding landen wollen und sich Zugang beim Bundesnachrichtendienst verschaffen, wird aus der jugendlichen Räuberpistole ein beinharter Krimi.
 
DIE STARS: Viele der derzeit angesagten jungen deutschen Stars sind hier vertreten und machen ihre Sache sehr gut: Tom Schilling und Wotan Wilke Möhring, Elyas M`Barek und Hannah Herzsprung. Das emotionale Zentrum des Films allerdings bildet die dänische Ausnahme-Schauspielerin Trine Dyrholm als Europol-Ermittlerin – ganz stark.
 
DIE KRITIK: Was ist heute in unserer digitalen Umgebung alles möglich? Ist die „Schöne Neue Welt“ schon da oder sind wir längst einen Schritt weiter? In „Who Am I“ wird mehrfach die Frage nach der Sicherheit im Netz gestellt. Je weiter der Film voranschreitet, umso sicherer kann der Zuschauer sein, dass es Sicherheit ganz bestimmt nicht gibt.
Im Kern spielt auch Regisseur Baran bo Odar mit der Sicherheit der Zuschauer. Denn er setzt frecherweise auf zwei Filme, die immer wieder auftauchen, wenn von Lieblingsfilmen die Rede ist: „Fight Club“ und „Die üblichen Verdächtigen“. Vom einen übernimmt er das Konstrukt, vom anderen die Struktur.
Wie schon im Thriller „Die üblichen Verdächtigen“, der Kevin Spacey zum Star machte, wird auch hier die Geschichte in Rückblenden erzählt. Cybercrime-Expertin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) wird zu einem Verhör gerufen. Ein junger Mann (Tom Schilling) hat sich der Polizei gestellt und will sich nur von ihr befragen lassen. Er gibt an, der gesuchte Hacker Who Am I zu sein.
Stück für Stück erzählt er seine Geschichte. Wie er ein Leben als Nobody führte. Wie er versuchte, seiner Flamme Marie (Hannah Herzsprung) die Ergebnisse für eine juristische Prüfung zu besorgen und dabei aufflog. Wie er bei den gerichtlich angeordneten Arbeitsstunden dann Max (Elyas M`Barek) kennenlernte, Zugang zu seiner Clique von Compurer-Nerds bekam. Und so weiter und so fort.
Diese Rückblenden werden immer wieder vom Verhör unterbrochen, in dem Hanne Benjamin erst gar nichts glaubt, ihm dann aber doch mehr und mehr Glauben schenkt. Wie auch der Zuschauer. Was er aber nicht machen sollte.
Immer schön die Augen aufhalten bei dieser elegant gefilmten und sehr spannenden Schnitzeljagd. Und nicht die angesprochenen Klassiker vergessen. Dann kann man den spektakulären Schluss-Twist (der leider für die nicht ganz so Cleveren auf der Leinwand noch mehrmals erläutert wird) bereits vorausahnen.
 
IDEAL FÜR: alle, die „Fight Club“ mochten und schon mal gehört haben, dass „Die üblichen Verdächtigen“ ein toller Film sein soll. Beiden Klassikern erweist dieser Film geschickt seine Hochachtung. Und bleibt dennoch ein eigenständiges Werk.
 






Trailer
LÄNGE: 105 min
PRODUKTION: Deutschland 2014
KINOSTART Ö: 26.09.2014
REGIE:  Baran bo Odar
GENRE: Drama|Thriller
ALTERSFREIGABE: ab 14


BESETZUNG
Tom Schilling: Benjamin
Elyas M'Barek: Max
Wotan Wilke Möhring: Stephan
Antoine Monot Jr.: Paul
Hannah Herzsprung: Marie
Trine Dyrholm: Hanne Lindberg