Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Tragik, Zorn und schwarzer Humor


FilmClicks:
Respektvolle Gegner: Mildred (Frances McDormand) & Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) © 2017 20th CenturyFox
DIE STORY: Vier Golden Globes, sieben Oscar-Nominierungen: Der Thriller „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ kommt mit glänzenden Vorschusslorbeeren zu uns ins Kino. Autor/Regisseur Martin McDonagh erzählt eine im Grunde höchst tragische Geschichte, die aber immer wieder Ausflüge zur Groteske, zur Farce und zu rabenschwarzem Humor unternimmt.
Im Zentrum steht eine Frau namens Mildred (Frances McDormand). Ihr ist das schlimmste passiert, was einer Mutter widerfahren kann. Ihre Teenager-Tochter wurde vergewaltigt und anschließend ermordet.
Wenn der Film beginnt, sind sieben Monate seit der Tat vergangen. Die Polizei hat zwar ermittelt, aber keine Ahnung, wer der Täter sein könnte.  Da wird es der trauernden und resoluten Mildred zu bunt. Sie mietet drei große Plakattafeln am Ortsrand, die sie mit einer Attacke gegen die Cops bekleben lässt: „Sieben Monate und noch immer keine Festnahmen? Wie kann das sein, Chief Willoughby?“  
Die Plakataktion setzt einen Kreisel aus Ereignissen in Gang, der sich bald so rasant dreht, dass viele Protagonisten den Halt verlieren.
 
Rivalen im Oscar-Rennen: Sam Rockwell (l.) und Woody Harrelson © Centfox

DIE STARS:
Frances McDormand gewann 1997 für die Rolle der hochschwangeren Polizistin Marge in der Coen-Brothers-Farce „Fargo“ den Oscar. Für die Mildred in „Three Billboards“, die die ältere Schwester der eigenwilligen Marge sein könnte,  ist sie nun erneut als beste Hauptdarstellerin nominiert.
Woody Harrelson, der den Polizeikommandanten Willoughby verkörpert, ist in der Kategorie des besten Nebendarstellers im Oscar-Rennen dabei. Dort trifft er unter anderem auf Sam Rockwell, der in „Three Billboards“ seinen Untergebenen spielt, den tolpatschigen Cop Dixon.
Autor/Regisseur Martin McDonagh („Brüssel sehen… und sterben?“) ist nicht nur ein Filmemacher von Rang, sondern auch ein erfolgreicher Dramatiker. Der Londoner, der 2006 schon einen Kurzfilm-Oscar gewann, könnte für „Three Billboards“ im Idealfall zwei Academy Awards heimbringen: Bester Film, bestes Drehbuch.

In ihrer Trauer um die ermordete Tochter greift Mildred zu drastischen Maßnahmen © Centfox

DIE KRITIK: Blitzende Dialoge, großartige Schauspieler und dazu eine Story, in der nicht nur debattiert, sondern öfters mal auch kräftig zugeschlagen wird: „Three Billboards In Ebbing, Missouri“ bringt alles mit, was man für einen feurigen Kino-Abend mit tieferer Bedeutung braucht.
„Ich habe einen Film geschrieben, der mit Zorn und Zerstörung beginnt – und der mit Hoffnung und Liebe endet“, sagt Regisseur Martin McDonagh selbst über sein Werk. Diesen Satz kann man, ohne zu viel über den Plot zu verraten, einfach mal stehenlassen. Auch wenn (oder gerade weil) über weite Strecken des Films nicht absehbar ist, wie diese wilde Geschichte zu Hoffnung und Liebe finden soll.
Die Plakate der trauernden Mildred lösen im verschlafenen Provinznest Ebbing helle Aufregung aus: Man habe zwar Mitleid  mit Mildred, aber so ein Affront gehe denn doch zu weit. Der einzige, der voll Gelassenheit auf die Plakate blickt, ist der angesprochene Chief Willoughby selbst.
Frances McDormand agiert atemraubend als emotional gebrochene Mutter, die die Polizei provoziert, damit die endlich den Vergewaltiger und Mörder ihrer Teenager-Tochter findet. Und Woody Harrelson ist zum Niederknien gut als smarter, cooler und zugleich liebevoller Polizeikommandant, der selbst ein tragisches Geheimnis in sich trägt.
Der Vater zweier Töchter hat Verständnis für den Gram der Frau. Aber der Fall sei nun mal eine jener Ermittlungen gewesen, bei denen sich alle Spuren in Luft auflösen. Und weil er glaubt, dass Mildred auch nach den Plakaten keine Ruhe geben wird, wähnt er sich von nun an mit der Frau im Krieg.
Bald fliegen nicht nur die Pointen, sondern auch die Fäuste. Es gibt eine sehr bohrende Szene bei einem Zahnarzt, einen Fenstersturz und eine brennende Polizeistation. Nur der Mörder von Mildreds Tochter scheint weiterhin wie vom Erdboden verschluckt.
Doch geht dem Film es überhaupt darum, den Täter zu entlarven? „Three Billboards“ ist schließlich kein „Tatort“-Krimi. Regisseur Martin McDonagh legt einige Spuren aus, die den Zuschauer bei der Mörderjagd miträtseln lassen. Zugleich lenkt er aber die Aufmerksamkeit des Publikums auf den psychologischen Überbau seiner Story: „Mildred ist eine Heldin und Antiheldin zugleich. Auch der Polizist hat von seinem Standpunkt aus durchaus Recht. Mir geht es beim Schreiben darum, das Humane in allen Figuren zu finden.“
Experiment gelungen, kann man da nur applaudierend sagen. „Three Billboards In Ebbing, Missouri“ ist ein drastischer, rasanter und höchst unterhaltsamer Ausnahme-Film geworden, der sein Publikum trotz aller tragischen Momente beschwingt aus dem Kino entlässt und der obendrein viel Stoff zum Nachdenken bietet.
 
IDEAL FÜR: alle Liebhaber von außergewöhnlich guten Filmen. Also für alle Filmfreunde.






Trailer
LÄNGE: 116 min
PRODUKTION: USA / Großbritannien 2017
KINOSTART Ö: 26.01.2018
REGIE:  Martin McDonagh
GENRE: Drama|Thriller
ALTERSFREIGABE: ab 14


BESETZUNG
Frances McDormand: Mildred Hayes
Woody Harrelson: Chief Willoughby
Sam Rockwell: Officer Jason Dixon
Peter Dinklage: James
Caleb Landry Jones: Red Welby

Interview
„Wie schön - ein Film voller Antihelden“
Erst der Golden Globe, dann die Oscar-Nominierung: Die rolle des rassistischen Polizisten Jason Dixon in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ hat dem Kalifornier Sam Rockwell Glück gebracht. Im FilmClicks-Gespräch erzählt er über „Three Billboards“ und seine Liebe zur Schauspielerei.               Mehr...