Stronger

Ein Terroropfer als unfreiwilliger Held


FilmClicks:
Nach der Bombenexplosion: Der verletzte Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) wird von Helfern umsorgt © Studiocanal
GESAMTEINDRUCK: „Stronger“ ist ein starkes, ermutigendes Biopic über den Amerikaner Jeff Bauman, der beim Terroranschlag in Boston seine Beine verlor – und sich zurück ins Leben kämpfte.

DIE STORY: Boston-Marathon, 15. April 2013: Jeff Bauman, gespielt von Jake Gyllenhaal, steht im Zielraum, um seine On/Off-Freundin Erin (Tatiana Maslany) anzufeuern. Doch dann passiert das, was wenig später um die ganze Welt geht: Mehrere Bomben detonieren mitten in den Zuschauermassen, reißen ihm die Beine weg. Jeff wird zum Helden wider Willen, weil er den Terroranschlag überlebt hat – und einen der Attentäter detailgenau beschreiben kann. Doch während ganz Amerika ihn bejubelt, droht er selbst an seinem Schicksal zu zerbrechen.
 
Reha: Jeff mit Mutter (Miranda Richardson) und Exfreundin (Tatiana Maslany) © Studiocanal

DIE STARS: Jake Gyllenhaal spielte sich als schwuler Cowboy in „Brokeback Mountain“ (an der Seite von Heath Ledger) zum Weltstar. Auf die Oscar-Nominierung folgten zahlreiche Blockbuster-Hits von „Zodiac“ über „Prisoners“ bis „Nightcrawler“. Seine Film-Freundin Tatiana Maslany kennt man vor allem aus dem Drama „Orphan Black“, für das sie eine Golden-Globe-Nominierung einstreifte.
 
Erin und Jeff kommen einander nach dem Anschlag wieder näher © Studiocanal

DIE KRITK:
Eine gewisse Sorge vor Terroranschlägen gehört inzwischen auch in unseren Breiten fast zum Alltag. Ist da nicht gerade das Kino der perfekte Ort, um abzuschalten? Der Einwand ist berechtigt. Trotzdem verpassen all jene, die sich deshalb von „Stronger“ abschrecken lassen, einiges. Denn Regisseur David Gordon Green hat ein absolut sehenswertes Biopic geschaffen, das weit mehr ist als ein klassisches Terrordrama.
Im Mittelpunkt steht Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal), ein unauffälliger Mitt-Zwanziger, der um die Zuneigung seiner Exfreundin Erin (Tatiana Maslany) kämpft. Als sie beim Boston-Marathon läuft, bastelt er ein Schild; hofft, dass sie ihm im Zielraum in die Arme fällt. Doch dann kommt das Attentat – und damit alles anders.
Dem Tod knapp entronnen, wird Jeff über Nacht zum Helden wider Willen. Die Presse verfolgt ihn, er wird als Stargast in Hockeystadien geladen, die Mutter lädt Oprah Winfrey nach Hause ein. All das, während Jeff darum ringt, mit seinem neuen Leben ohne Beine klarzukommen.
Während man vom realen Jeff Bauman vor allem strahlende Heldenbilder kennt, zeigt „Stronger“ den Menschen dahinter: Mühsam kämpft er sich durch die langwierige Reha, schwankt zwischen Jetzt-erst-Recht-Einstellung und Verzweiflung. Wenn er mal gar nicht weiter weiß oder seinen eigenen Anblick mit Prothesen nicht länger ertragen kann, trinkt er mit Freunden einen über den Durst.
Jake Gyllenhaal porträtiert Jeff gefühlvoll, aber ohne Tränendrüsen-Kitsch. Er inszeniert ihn nicht als Helden, sondern als Durchschnittstypen, der das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Erin, von Tatiana Maslany ebenso exzellent gespielt, ist eine taffe Frau, die Jeff trotz Trennung ganz selbstverständlich zur Seite steht, sogar bei ihm einzieht, auch wenn sie anfangs selbst nicht weiß, ob sie das aus schlechtem Gewissen oder aus echter Liebe tut.
Neben der Geschichte um die Hauptdarsteller nimmt „Stronger“ die (nicht nur amerikanische) Heldenkultur unter die Lupe. Was macht es mit einem Nobody, wenn ihn über Nacht Millionen kennen? Jeff jedenfalls findet die plötzliche Aufmerksamkeit vor allem einschüchternd. Und manchmal ist er schlicht genervt. Nur wenn er sieht, dass er anderen mit seiner Anwesenheit etwas Gutes tut (so tröstet er einen Hockeyspieler, der seine Söhne verloren hat), blüht er auf.
„Stronger“ ist ein berührendes Filmdrama, das sich mehr um Menschen, Schicksale und Beziehungen dreht als um den historischen Terroranschlag in Boston an sich. Genau deshalb lohnt sich der Kinobesuch – auch in Zeiten fast täglicher neuer Negativ-News.  
  
IDEAL FÜR: alle, die zwei exzellente Schauspieler in einem berührenden Drama sehen wollen.






Trailer
LÄNGE: 119 min
PRODUKTION: USA 2017
KINOSTART Ö: 20.04.2018
REGIE:  David Gordon Green
GENRE: Biografie|Drama
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Jake Gyllenhaal: Jeff Bauman
Tatiana Maslany: Erin Hurley
Miranda Richardson: Patty Bauman