Hin und weg

Eine Radtour in den Tod


FilmClicks:
„Hin und weg“: Die Freunde bei ihrer Radtour, unterwegs nach Belgien © Filmladen
DIE STORY: „Hin und weg“ ist ein deutsches Roadmovie, das auf ein tragisches Finale zusteuert.
„Belgien? Wieso denn Belgien?“ Die Freunde von Hannes (Florian David Fitz) reagieren nicht gerade erfreut, als sie von dem eher langweiligen Ziel hören, zu dem sie alle gemeinsam mit dem Fahrrad aufbrechen sollen. Die Radtour hat im Kreis der Clique bereits Tradition: Einmal im Jahr machen sich Hannes, seine Frau Kiki (Julia Koschitz), das befreundete Paar Dominik (Johannes Allmayer) und Mareike (Victoria Mayer) sowie der Womanizer Michael (Jürgen Vogel) auf, um in ausgedehnten, mehrtägigen Reiserouten durchs Land zu fahren. Diesmal soll es eben nach Belgien gehen, denn diesmal ist Hannes mit der Entscheidung über das Ziel an der Reihe.
Es wird noch eine Zeit dauern, bis seine Freunde hinter Hannes’ wahre Motivation für die Reise kommen: Für Hannes soll es die letzte Reise sein. Eine Reise ohne Wiederkehr. Hannes leidet nämlich unter ALS, jener Nervenerkrankung, die nach einigen Jahren zu immer stärkerer Bewegungsunfähigkeit führt, und schließlich zum Tod.
In Belgien gibt es liberalere Gesetze, was Sterbehilfe anbelangt, und so hat sich Hannes entschlossen, in Belgien zu sterben, „und zwar bevor ich nur mehr in Windeln liegen kann“. Hannes’ Freunde reagieren zunächst verstört, wollen ihn aber gewähren lassen. Schnell ist man sich einig, dass man Hannes bis zum Schluss beistehen und seine Entscheidung respektieren will.
Tragische Liebe: Der erkrankte Hannes (Florian David Fitz) und seine Frau Kiki (Julia Koschitz) © Filmladen

DIE STARS: Florian David Fitz gehört derzeit zu den beliebtesten deutschsprachigen Schauspielern und macht seine Sache als nachdenklicher Sterbenskranker gut. Beeindruckend auch die Verzweiflung, die seine Filmehefrau, die Österreicherin Julia Koschitz, auf die Leinwand bringt. Und Jürgen Vogel als Weiberheld ist ohnehin in seinem Element.
 
KRITIK: Wie gehst du damit um, wenn du gleich deinen besten Freunden gegenüber stehen wirst und sie keine Ahnung haben, was auf sie zukommt? Weil sie glauben, sie würden mit dir lediglich eine entspannte Radtour ins benachbarte Belgien unternehmen, aber in Wirklichkeit begleiten sie dich zum Sterben? Über eine weite Strecke von „Hin und Weg“ ist es dieses Dilemma des Protagonisten, das ihn zaudern lässt: Nicht sein Entschluss zu Sterben wackelt, sondern es wächst seine Angst davor, das Vorhaben mit den engsten Freunden und seiner Frau zu teilen.
Regisseur Christian Zübert schildert in „Hin und weg“ nicht nur den immer beschwerlicheren Reise-Verlauf seines Protagonisten Hannes, sondern auch, wie das Gespann seiner Freunde unter diesem Verfall zu leiden hat. Dennoch versieht der Regisseur diese traurige Geschichte mit einer stark lebensbejahenden Stimmung, der man als Zuschauer nicht entkommt.
Fernab von der Gelacktheit eines Fernsehspiels konzentriert sich Zübert auf seine Figuren und deren Konstellation untereinander. Am meisten Raum widmet er Hannes und seiner Frau Kiki, die seinen Entschluss, Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu wollen, von Anfang an mitträgt - wenn auch nur unter Tränen.



Zübert spielt hier auch mit der Frage, wie weit selbstbestimmte Entscheidungen über das eigene Weiterleben gehen dürfen, wenn man sich als Teil einer Gruppe in bestehenden zwischenmenschlichen Beziehungen befindet. Hat man so ohne weiteres das Recht, sich aus diesen gewachsenen Strukturen zu verabschieden? Oder gibt es da nicht auch die Pflicht, Mitmensch zu bleiben? Am Leben zu bleiben?
Insgesamt hat Christian Zübert „Hin und weg“ mit viel Leichtigkeit erzählt; dass da die Angst vor dem Tod stets im Hintergrund lauert, ist dem Film nicht anzumerken - erst am Ende, wenn Zübert das Sterben konkretisiert, fließen Tränen. Zuvor aber ist „Hin und weg“ ein Film, der die Freundschaft und das Leben feiert. Stimmung mag da aber trotzdem keine aufkommen. Dafür ist das Thema einfach zu schwer und zu kontrovers diskutiert.

IDEAL FÜR: Kinogänger, die sich gerne auch mal auf ein nicht ganz fröhliches Filmerlebnis einlassen möchten. Hier wird gestorben, davor seien alle gewarnt, die nahe am Wasser gebaut sind.






Trailer
LÄNGE: 95 min
PRODUKTION: Deutschland 2014
KINOSTART Ö: 24.10.2014
REGIE:  Christian Zübert
GENRE: Drama
ALTERSFREIGABE: ab 16


BESETZUNG
Jürgen Vogel: Michael
Florian David Fitz: Hannes
Julia Koschitz: Kiki