Crossing Europe 2017

„Eine filmische Liebeserklärung an Europa“

17.04.2017
von  Gunther Baumann
Einer der fünf Eröffnungfilme von Crossing Europe 2017: „El Bar“ von Alex de la Iglesias © Crossing Europe
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Es ist angerichtet. „Handverlesene aktuelle Filme“ aus Europa, und davon gleich 160 an der Zahl, stehen auf dem Spielplan des Festivals Crossing Europe, das vom 25. bis 30. April zum 14. Mal in Linz stattfindet. Festival-Chefin Christine Dollhofer nennt das Programm „eine filmische Liebeserklärung an Europa.“  Die Auswahl der 160 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus 43 Ländern basiert einerseits auf Highlights der internationalen Festivals, ist andererseits aber auch sehr exklusiv. Crossing Europe zeigt insgesamt 107 Premieren, davon 24 Welt- und 74 Österreich-Premieren. Ein wichtiges Anliegen ist dem Festival übrigens ein „ausgewogenes Gender Programming“: 80 Filme, also exakt die Hälfte des Hauptprogramms, wurden von Frauen (mit-)inszeniert.
Sie präsentiert „handverlesene Filme“ aus Europa: Festival-Chefin Christine Dollhofer © a kep

Eröffnung.
Wie bei Crossing Europe üblich, gibt’s zum Start nicht nur einen Eröffnungsfilm, sondern gleich fünf. Das Publikum hat am 25. April die Wahl zwischen dem französischen Politdrama „Chez Nous“ (Regie: Lucas Belvaux), der Ukraine-Doku „Close Relations“ (Vitaly Mansky), den Dramen „The Sun, The Sun Blinded Me“ (Polen) und „Clair Obscur“ (Türkei) sowie der schwarzen Komödie „El Bar“ von Alex de la Iglesias (Spanien).

Österreich-Highlight im Panorama: „Die Migrantigen“ von Arman T. Riahi © Crossing Europe

Panorama. Die Schwergewichte im Spielfilm- und Doku-Angebot laufen wie gewohnt in der Panorama-Sektion von Crossing Europe. 21 Spielfilme gehen an den Start, darunter der österreichische Beitrag „Die Migrantigen“ von Arman T. Riahi  oder die deutsche Produktion „Der traumhafte Weg“, verfilmt von Angela Schanelec im puritanischen Stil der Berliner Schule. Der Spanier Alberto Rodriguez, der zuletzt mit dem Thriller „Marshland“ einen Arthaus-Hit landete, zeigt „El Hombre De Las Mil Caras“. Przemyslaw Wojciesczek (Prädikat: Regie-Enfant terrible) liefert mit „Knives Out“ eine drastische Bestandsaufnahme der polnischen Gesellschaft.
 
In der Doku-Sektion des Panoramas sind zehn Langfilme zu sehen. Das Themen-Spektrum reicht von Kultur (Peter Braatz zeigt in „Blue Velvet Revisited“ Material, das er am Set von David Lynchs „Blue Velvet“ aufnahm) über menschliche Zuneigung („Loving Pia“ aus Dänemark) bis hin zur Umwelt („Voices From Chernobyl“).

Panorama-Doku: „Blue Velvet Revisited“ von Peter Braatz © Crossing Europe

Die Spielfilm- und Dokumentar-Wettbewerbe von Crossing Europe sind, auch dies ist eine Tradition des Festivals, den Newcomern vorbehalten. Wer wissen will, ob RegisseurInnen wie Hope Dickson Leach (Großbritannien; „The Levelling“), Ralitza Petrova (Bulgarien, „Godless“) oder Julian Radlmaier (Deutschland, „Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes“) das Zeug dazu haben, führende Gestalter des europäischen Films zu werden, liegt hier genau richtig (der Radlmaier-Film läuft übrigens am 28. April ganz regulär in Österreichs Kinos an).
 
Die zehn Filme des Dokumentar-Wettbewerbs befassen sich vorwiegend mit harten Themen wie Diktatur und Krieg, Flucht und Vertreibung. Hier treten junge FilmemacherInnen wie Robert Kirchhoff (Slowakei; „A Hole In The Head“), Petra Lataster-Czisch (Holland, „Miss Kiet’s Children“) oder Fernando León de Aranoa (Spanien, „Politics, Instruction Manual“) an.

Werden mit einem Tribute geehrt: Wilhelm & Anka Sasnal © Crossing Europe

Tribute. Der Crossing-Europe-Tribute ist dieses Jahr dem polnischen Künstlerpaar Anka & Wilhelm Sasnal gewidmet. Die beiden sind mit „The Sun, The Sun Blended Me“ schon bei den Eröffnungsfilmen dabei. Das Festival zeigt zwölf ihrer Filme und kommentiert die Arbeit der beiden so: „Ihren Filmen kann man eine dezidiert politische Haltung attestieren. Thematisch kreisen Anka und Wilhelm Sasnal um die gegenwärtige Verfasstheit der polnischen Gesellschaft, den zunehmenden Fremdenhass, das Verhältnis der polnischen Gesellschaft zur katholischen Kirche und ganz besonders um die jüngere polnische Vergangenheit.“
 
Nachtsicht. Der Wiener Filmjournalist Markus Keuischnigg kuratiert schon zum zehnten Mal die Nachtsicht-Programmschiene, deren fünf Produktionen dem Genre des Fantastischen Films zuzurechnen sind. Es geht also um „Alternativen zu realistischen Zustandsbeschreibungen des Jetzts“, die ziemlich blutig ausfallen können. In „Prevenge“ von Alice Lowe etwa versenken, so der Festival-Text,  „werdende Mütter spitze Klingen in Halsschlagadern“. In „The Misandrists“ von Bruce La Bruce okkupieren „lesbische Terrorzellen, die sich von innen heraus selbst zersetzen“, die Leinwand. Die Vorstellungen finden spätabends  statt.
 
Local Artists. Da Crossing Europe ein Festival des europäischen Films ist, bekommen logischerweise auch Filme aus Österreich ihren Programmplatz. Aus 160 Einreichungen wurden 60 Produktionen ausgewählt, die genremäßig zwischen Experimentalfilm, Dokumentation und Musikvideo beheimatet sind. Herausstechend ist hier die schon bei der Diagonale umjubelte Doku „Free Lunch Society“ von Christian Tod, die sich dem Thema des arbeitslosen Grundeinkommens widmet (ab 5. Mai in Österreichs Kinos).
 
Info. Wichtigste Schauplätze von Crossing Europe sind wieder das Moviemento, das City Kino und der Ursulinensaal. Das Festivalzentrum im OÖ Kulturzentrum (OK Platz 1) hat vom 25. bis 30. April täglich ab 10 Uhr geöffnet. Das Ticket-Vorverkauf läuft (bis 24. April vergünstigte Preise). Informationen erhält man über das Karten- und Infotelefon +43 680 506 1 506 sowie auf der Homepage

www.crossingeurope.at




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