Nora von Waldstätten über Cannes, Kristen Stewart, Olivier Assayas und ihren Film „Personal Shopper“


„Den Roten Teppich muss man genießen“

20.05.2016
Interview:  Peter Beddies

Nora von Waldstätten: Mitglied in der Film-Familie von Regie-Star Olivier Assayas © Katharina Sartena

Nora von Waldstätten, Wienerin mit Wohnsitz Berlin, spielt schon zum dritten Mal unter der Regie von Olivier Assayas. Nach der TV-Mini-Serie „Carlos“ und dem Arthaus-Meisterwerk „Die Wolken von Sils Maria“ hat sie nun (an der Seite von Kristen Stewart) eine kleine Rolle im Geisterdrama „Personal Shopper“. Bei der Weltpremiere in Cannes hat FilmClicks mit ihr gesprochen.


FilmClicks: Eine musikalische Frage vorweg: Mitten in Ihrem neuen Film „Personal Shopper“, der in Paris spielt, hört man plötzlich das „Hobellied“ von Ferdinand Raimund – eine berühmte österreichische Weise darüber, dass vor dem Tod alle gleich sind. Haben Sie, als Wienerin, Regisseur Olivier Assayas den Tipp für das Lied gegeben?
Nora von Waldstätten: Ich wünschte, es wäre meine Idee gewesen (lacht). Leider war es das nicht. Auf solche Ideen kommt Olivier allein. Aber ich muss ihn mal darauf ansprechen, wie er auf das Lied gekommen ist.

Den leicht gruseligen Film „Personal Shopper“ kann man auf vielen Ebenen deuten. Im Grunde ist es ein Film über einen Menschen auf der Suche nach dem, was im Jenseits und nach dem Tod warten könnte. Haben kreative Menschen eher einen Zugang zu solchen Themen?
Ich glaube, dass jeder geeignet ist, sich dem zu öffnen. Zu lauschen. Man muss nur bereit sein. Ich persönlich hoffe, dass da draußen und vielleicht auch danach etwas ist. Aber, was Sie ansprechen, da ist etwas dran. Kreativität ist schon mal etwas Magisches. Dem wohnt so ein gewisser Zauber inne. Manchmal habe ich schon bei Dreharbeiten das Gefühl, bei Olivier war das jedes Mal der Fall, dass da ein gewisser Geist – ein Esprit – am Set war. Und eine ganz besondere Schwingung.    
 
Sie haben jetzt zum dritten Mal mit dem französischen Regie-Star Olivier Assayas gearbeitet. Was hat der Mann, das andere nicht haben?
Es ist dieses Vertrauen, das er seinen Schauspielern schenkt. Es gibt keine Proben. Es wird gleich gedreht. Obwohl er ja als einer von Wenigen noch auf Film dreht und nicht auf Video. Olivier mag es auch, immer wieder mit denselben Leuten zu arbeiten. So dass da ein Familien-Gefühl entsteht.
 
Da bekommt man ein Drehbuch von einem Regisseur, den man schon kennt. Und beim Lesen stellt man fest: Oh, das ist aber eine sehr kleine Rolle, die ich da spielen soll. Lässt einen das zögern?
Nein, auf keinen Fall. Olivier hatte mich gleich gefragt, ob ich in „Personal Shopper“ eine Gastrolle übernehmen würde. Ohne das Drehbuch zu lesen, habe ich ja gesagt. Diese Kyra ist zwar den ganzen Film über irgendwie präsent. Es wird viel über sie gesprochen. Aber es gibt nur eine große Szene zwischen ihr und Kristen Stewart.

„Kristen ist wahnsinnig herzlich“: Nora von Waldstätten mit Kristen Stewart © Sartena

Wie war das Arbeiten mit dem Hollywood-Star Kristen Stewart?  
Kristen ist sehr cool. Aber auch ein Teamplayer. Sie entwickelt Dinge gemeinsam. Ist am Gegenüber interessiert. Sie ist wahnsinnig herzlich. Auch außerhalb des Drehens gab es schöne Gespräche. Sie wollte von mir wissen, wie das deutsche Theater ist und ich habe sie gefragt, wie es sich anfühlt, mit Woody Allen zu drehen.
 
Wie bereitet man sich auf so eine kleine Rolle vor?
Naja, Kyra taucht ja während des Films auch auf Fotos auf. Die mussten alle gemacht werden. Ich war also bei etlichen Shootings, habe kurz Karl Lagerfeld getroffen.
 
Wie tritt man einem Lagerfeld gegenüber? Mit der bangen Frage, „bin ich auch gut gekleidet“?
Ich kannte ihn ja schon. Bei der Premiere des Films „Carlos“ hatte er ein großes Abendessen gegeben. Großartiger Typ! Und was die Kleidung angeht: Ich kam gerade von einem Foto-Shooting. War von Kopf bis Fuß in Chanel gekleidet. Das konnte nur gut gehen (lacht).
 
Kristen Stewart spielt im neuen Film den Personal Shopper Ihrer Figur Kyra. Hätten Sie privat auch gern so eine Assistentin?
Nee (lacht). Das wäre absurd. Ich mache ja auch mein eigenes Styling. Ich finde, das ist so nah an mir, das möchte ich selber machen. Das Prinzip hinter den Personal Shoppern verstehe ich. Es gibt da jemanden, der mir hilft, Zeit zu sparen, indem er für mich Klamotten einkaufen geht. Aber für mich wäre das nichts.
 
Ist das Ihre Art Luxus, sich selbst entscheiden zu können?
Ja, ein Stück weit schon. Also, Trends interessieren mich nicht. Ob die Schuhe der Saison nun spitz oder rund sind, das ist mir ziemlich egal. Was ich aber wahnsinnig spannend finde, das ist Mode als Ausdruck. Oder als Anlass, einem Moment Respekt zu zollen. Wenn ich auf einen Roten Teppich gehe, weil es da um meinen neuen Film geht, mache ich mir schon so meine Gedanken, was ich tragen werde.
 
Genießen Sie den Roten Teppich in Cannes?
Ich finde, man muss das genießen. Es ist so eine Freude und Ehre, eingeladen zu sein, dass es Quatsch wäre, sich zu stressen oder so. Auch das Rundherum in Cannes ist wunderbar. Das Meer, das tolle Essen, die ganze Stadt im Filmfieber, das unglaubliche Licht, wenn Fotos gemacht werden. Das muss man einfach genießen.
 
Wenn Sie auf dem Roten Teppich sind, präsentieren Sie natürlich den Film und sich selbst. Aber auf einer tieferen Ebene dann auch Ihr Geburtsland oder eher das Land, in dem Sie jetzt leben, also Deutschland?
Ich bin Österreicherin, ganz klare Sache! Ich bin Wienerin! Habe mich auch sehr gefreut, dass Peter Simonischek, mit dem ich auch schon gearbeitet habe, der meinen Vater gespielt hat, hier beim Festival in Cannes war und so gefeiert wurde für „Toni Erdmann“.



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