Christoph Maria Herbst über „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“


„Als Kind habe ich meine eigenen Schlumpf-Geschichten erzählt“

07.04.2017
Interview:  Peter Beddies

Christoph Maria Herbst im Synchronstudio: „Ich wollte meinen eigenen Gargamel machen“ © Sony

„Jeder will der Böse sein“, sagt Christoph Maria Herbst – und meint damit die Zunft der Schauspieler, die Schurkenrollen oft viel interessanter finden als jene der positiven Helden. In der Animations-Komödie „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ ist der „Stromberg“-Star Herbst nun voll Wonne als Bösewicht zu hören. Er spricht den Zauberer Gargamel,  der wieder mal für heilloses Durcheinander bei den Schlümpfen sorgt. Als Kind, verriet Christoph Maria Herbst beim FilmClicks-Interview in Berlin, habe er selbst furchtbar gern mit den Schlumpf-Figuren gespielt: „Sie sind alterslos geblieben – im Gegensatz zu mir.“


FilmClicks: Haben die Schlümpfe jemals eine Rolle in Ihrem Leben gespielt?
Christoph Maria Herbst: Aber ja doch. Das war schon sehr kindheitsprägend bei mir.
 
Comics und Trickfilme im Fernsehen?
Nein, eben nicht! Da haben die mit diesem absurd hohen Stimmen gesprochen und alle Verben und auch Substantive wurden irgendwie zu schlumpfen: „Schlumpfst Du mir mal bitte den Schlumpf rüber!“ Das hat man dann nur verstanden, wenn man direkt danebenstand.
 
Wo und wie fand dann Ihre Schlumpfwelt statt?
Der kleine Christoph hat sich von Patentanten und zukünftigen Erbtanten immer die Schlumpf-Figuren schenken lassen und sich dann zu Hause selber Geschichten erzählt. Als junger Mann dann habe ich mir einen Setzkasten an die Wand gehängt – die jüngeren Leser dieser Zeilen dürften gerade nicht wissen, wovon der alte Mann mit den wenigen Haaren spricht – und den mit Schlümpfen gefüllt.
 
Gibt es den Setzkasten und Schlümpfe heute noch?
Nein. Irgendwann sind die dann eingestaubt, was ich unwürdig fand. Und dann habe ich sie entstaubt und an all meine Nichten und Neffen verkauft ... ach was rede ich denn da, natürlich verschenkt. 
 
Schöner Freud`scher Versprecher.
Genau! Nein, um es nochmal klar zu sagen. Die Schlümpfe wurden an Menschen verschenkt, bei denen ihnen ein würdevolles Leben sicher war. Und sie sind alterslos geblieben, im Gegensatz zu mir. Ich finde es einfach schön, dass die Schlümpfe jetzt in einer fett aufgeblasenen US-Version ein Denkmal gesetzt kriegen.
 
Das hat schon viel mit Erinnern zu tun, oder?
Auf jeden Fall. Das hat viel mit Sentiment zu tun. Nicht nur der Film, die Schlümpfe insgesamt. Das ist ein Rückbezug auf die eigene Kindheit. Wir können jetzt die Kinder mit unserer eigenen Euphorie anstecken. Und was Hollywood wieder mal schafft, aus einer dünnen Geschichte – wobei die dieses Mal gar nicht so dünn ist – ein monströses 90-minütiges 3D-Feuerwerk abzufackeln. Das finde ich schon genial.
 
Als Kind wollte ja keiner der Zauberer Gargamel sein, der war zu böse. Sie sprechen ihn heute derart großartig, dass das die halbe Miete des Films ist.
(Stille) Solche Momente lasse ich gern etwas nachschwingen und im Raum nachhallen. Nein im Ernst, dieser Gargamel ist natürlich eine Freude für jeden, der dem Affen gern mal Zucker gibt. Das hat Spaß gemacht, weil er auch derjenige im Film ist, der in den größten Amplituden und Extremen auftauchen darf. In den Krimiformaten will ja jeder der Böse sein oder der Mörder – auch wenn ich mir jetzt selber ein Riesen-Ei lege – aber so ist es nun mal einfach. 

Gargamel mit seiner Stimme Christoph Maria Herbst und seiner Katze © Sony

Wieviel Freiheit hatten Sie beim Gestalten?
Erfreulicherweise etwas mehr als gedacht. Mir fiel auf, dass Rainn Wilson, der Gargamel im Original spricht, immer dieselbe Art hatte, schurkisch zu lachen. Das hätte mich gelangweilt, ihm das nachzutun. Ich wollte da meinen eigenen Gargamel machen. Und habe dann in Absprache mit der Synchronregisseurin dieses Lachen immer etwas abgewandelt.
 
Den Film kann man ja auf mehreren Ebenen schauen. Einfach so als Entertainment für die ganze Familie. Oder als Botschaft: „Geh auf das Fremde zu“ oder „Urteile nicht nach dem ersten Anschein“. Mögen Sie das oder soll die Filmwelt lieber klein bleiben?
In Geschichten sucht man immer nach der Message. Da muss alles immer auch einen doppelten Boden oder einen Tiefgang haben. Den mag man finden in diesem Film. Zum Beispiel „Du bist gut so, wie Du bist“. Und ich finde es toll, dass die Schlümpfe sich jetzt emanzipieren und auch die weiblichen Schlümpfe eine Rolle spielen. Aber vor allen anderen Dingen ist es ein glänzend erzählter Film für die ganze Familie.
 
Gleich noch so eine Frage hinterher: Haben Sie Ihren Gargamel an einen der momentan wie Pilze aus dem Boden schießenden Diktatoren angelehnt?
Vielleicht hatte ich sie im Hinterkopf. Und ja, beim Thema Tyrann fallen mir in der Tat ein paar Namen ein. Aber nein, ich werde jetzt keine Vergleiche anstellen. Keiner der lebenden Diktatoren ist wie Gargamel.



Kritik
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