Heino Ferch über seinen Part im Trickfilm-Abenteuer „Coco“


„,Coco' ist ein ganz besonderer Film geworden“

24.11.2017
Interview:  Gunther Baumann

Heino Ferch: Ab 30. November ist er im Animations-Abenteuer „Coco“ im Kino zu hören © Disney-Pixar

Deutschlands Topstar Heino Ferch kommt in seinem neuen Film „Coco – Lebendiger als das Leben!“ ziemlich klapprig daher. Seine Figur, ein mexikanischer Sangeskünstler mit dem schönen Namen Ernesto de la Cruz, ist nämlich längst dahingeschieden und wandelt nun als Skelett durchs (quietschfidele) Reich der Toten. Ferch spielt den Knochenmann nicht selbst, sondern er leiht ihm seine Stimme: Ernesto de la Cruz ist eine der Zentralfiguren in „Coco“, dem neuen Animations-Abenteuer aus dem Disney-Pixar-Studio (Kinostart: 30. November).  Heino Ferch erzählt im FilmClicks-Interview über seinen knöchernen Helden Ernesto, über seine Rollen und den Reiz von Hollywood.


FilmClicks: Herr Ferch, Sie sind einer der renommiertesten Schauspieler Deutschlands – als Synchronsprecher hört man Sie aber höchst selten.
Heino Ferch: Stimmt. Der Sänger Ernesto de la Cruz in „Coco“ ist erst meine dritte Synchronrolle. Ich synchronisiere mich natürlich selbst, wenn ich auf Englisch spiele oder in Frankreich drehe, was ab und zu einmal vorkommt. Aber an Fremdrollen habe ich nur vor sehr langer Zeit einmal Woody Harrelson synchronisiert, das war 1998 für Volker Schlöndorffs „Palmetto“. Dann kam 2014 die Rolle eines Geheimagenten in „Die Pinguine aus Madagascar“, die auf Englisch von Benedict Cumberbatch gesprochen worden war, und jetzt eben „Coco“. 
 
Haben Sie für „Coco“ sofort zugesagt oder erst einmal überlegt, ob dieser Trickfilm das Richtige für Sie ist?
Es fiel nicht schwer, zuzusagen, denn aus dem Hause Disney-Pixar kommen, wenn es um Animation geht, phantastische Filme. Als ich die Anfrage bekam, erhielt ich ein paar Clips, die es damals schon gab. Zum Teil wurden damals erste Synchronisations-Arbeiten noch auf Basis von Zeichnungen gemacht. Die Pixar-Leute haben ja sehr lange an dem Film gearbeitet. Ich kam erst jetzt im Oktober ins Synchronstudio, da war ich einer der letzten, als der Film im englischen Original schon komplett fertig war. „Coco“ ist, wie immer bei Pixar, eine unglaublich genaue, aufwendige und gut recherchierte Geschichte. Es ist ein tolles Thema und brauchte viel Mut, den Film um den Dia de los muertos, den Tag der Toten, in Mexiko kreisen zu lassen. Da heißt es wie bei den Mexikanern, der Tod gehört zum Leben, und wir feiern ihn wie einen Karneval. Das ist sehr klug und unheimlich emotional – „Coco“ ist ein ganz besonderer Film geworden.

Umringt von Fans: Ernesto de la Cruz (in weiß), die Filmfigur von Heino Ferch © Disney-Pixar

Wie würden Sie Ihre Figur, den ehemaligen Sänger Ernesto de la Cruz, beschreiben?
Ernesto ist der größte Sänger-Star der mexikanischen Geschichte. Er ist jemand, der sein Volk in die Arme nimmt und aus der Seele dieser Menschen singt. Im Film ist er zwar längst tot, aber er feiert im Jenseits seinen Star-Kult weiter und gibt große Konzerte und große Partys. Allerdings ist er auch ein Mensch, der einen schwarzen Fleck in seiner Vergangenheit hat. Ernesto ist das große Vorbild des kleinen Miguel, der uns durch den Film zieht. Dieser Miguel ist einer, der Musik liebt, in einer Familie, die Musik hasst, und er hat einen Satz von Ernesto de la Cruz verinnerlicht: „Ergreife den Augenblick!“ Das ist die Formel für Ernestos Erfolg.
 
Gilt dieses „Ergreife den Augenblick!“ denn auch für Schauspieler, die Karriere machen wollen? 
Das gilt, glaube ich, nicht nur für Schauspieler und Künstler, sondern für alle Berufe, die stark von Außenwirkung abhängig sind. Jeder, der erfolgreich im Beruf ist, hat Momente erlebt, in denen man Glück haben muss und zugleich das Talent, daraus auch etwas zu machen. Es gibt immer wieder Gabelungen im Leben, die einem den Weg nach links oder rechts eröffnen. Da dann zu sagen, der Weg nach links ist vielleicht unbequemer, aber trotzdem vielleicht der richtige – das ist etwas, das zu Talent und Begabung dazugehört.
 
Viele bekannte Schauspieler, die Animationsfilme synchronisieren, begründen dies unter anderem damit, dass sie ihren Kinder eine Freude machen wollen. Gilt das für Sie auch?
Na klar. Natürlich ist das ein Job, der wird bezahlt, und ich habe ihn mit Handkuss angenommen, denn Disney-Pixar ist eine tolle Firma, und ich bin stolz darauf, mit meiner Stimme – die in diesem Fall auch singt! – bei einem großartigen Film wie „Coco“ dabei zu sein. Aber für mich als Vater ist es zugleich wunderschön, zu sehen, wenn die eigenen Kinder stolz darauf sind, den eigenen Papa in einem Film zu sehen oder zu hören.
 
Mit „Coco“ sind Sie jetzt in einer Hollywood-Produktion dabei. Hätten Sie nicht Lust, auch einmal in einem amerikanischen Spielfilm eine große Rolle zu übernehmen?
Natürlich, das fehlt noch in meiner Biografie. Ich bin hier im deutschsprachigen und im europäischen Markt sehr bekannt, doch die Amis nehmen für ihren Markt natürlich hauptsächlich die Leute, die sie bei sich haben. Da muss man sich nichts vormachen. Aber es gibt immer mal wieder auch Kollegen, die mit großen Produktionen nach Amerika kommen – der letzte war Christoph Waltz.
 
Muss man als europäischer Schauspieler also auf ein Engagement in Filmen wie „Inglourious Basterds“ warten, um nach Amerika zu kommen?
Das ist ein Weg. Den gab es zum Beispiel für Maximilian Schell mit „Die zwölf Geschworenen“, für Armin Mueller-Stahl mit „Music Box“ oder für Jürgen Prochnow mit „Das Boot“.  Solche Filme sind Brücken, die deutsche und ganz generell europäische Schauspieler nach Hollywood bringen können.

Traumrolle: Heino Ferch als Wiener Kriminalpsychologe Richard Brock in „Spuren des Bösen“ © ORF

Ihr Terminkalender ist aber auch hier in Europa gut gefüllt – unter anderem mit Arbeiten in Wien, wo Sie immer wieder die Thriller-Reihe „Spuren des Bösen“ drehen.
Und wie gerne ich nach Wien komme!  Der Part des Psychiaters und Kriminalpsychologen Richard Brock spielt eine große Rolle in meinem Leben. Wir haben bis jetzt sieben Filme gedreht. Dass aus dem ersten Film eine Reihe werden könnte, war angedacht, aber damals haben wir uns alle erst einmal kennengelernt. Doch es war von Beginn an eine wundervolle Arbeit mit Regisseur Andreas Prochaska und mit Drehbuchautor Martin Ambrosch, der mir eine tolle Rolle geschrieben hat. Wir machen seither einen Film pro Jahr, und es ist jedes Mal ein großes Vergnügen. Mit Andreas Prochaska habe ich mittlerweile mehr als 150 Drehtage verbracht und wir verstehen uns wahnsinnig gut. Im Juni 2018 werden wir uns alle zum achten Mal begegnen. ORF und ZDF haben sehr großes Vertrauen zu uns; die Serie ist sehr etabliert und hat sehr viele Zuschauer. Die Frankfurter Allgemeine schrieb einmal sehr schön, „Heino Ferch ist als Richard Brock der amtierende Statthalter in Wien, der Hauptstadt der Psychoanalyse“.
 
Ihr Spektrum als Schauspieler reicht vom Familienfilm über Thriller bis hin zu den Porträts großer, oft harter Macho-Typen…
Ich versuche, bei meinen Rollen so vielseitig wie möglich zu sein. Eine weitere Rolle, die mich in letzter Zeit getroffen hat, ist die des Detektivs Allmen in den Krimis von Martin Suter.  Das ist ein Mann aus Zürich mit Popper-Matte, der gegen das übliche Leben lebt, der sich in die Pleite hineingewirtschaftet hat und dem Geld nichts bedeutet. Das zu drehen, hat Riesenspaß gemacht. Wir haben bisher zwei Filme fertig; nächstes Jahr dürfen wir den dritten machen. Für beide Produktionen, für „Spuren des Bösen“ und für „Allmen“, habe ich dieses Jahr den Bambi als bester Schauspieler gewonnen, was mich natürlich sehr freut.

Szenenbild aus „Coco“: Im Totenreich geht's sehr lebendig zu © Disney

Noch einmal zurück zu Pixar und „Coco“: Sind Sie selbst ein Fan von Animationsfilmen?
Fan wäre übertrieben, aber ich habe sehr viel gesehen.  Mit Kindern schaut man sich natürlich öfters Animationsfilme an, weil man gezielt am Wochenende am Nachmittag guckt, was für die entsprechende Altersgruppe angeboten wird.  Ich kenne die meisten Pixar-Filme und habe sie mit großem Vergnügen gesehen.



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