Roland Emmerich über „Independence Day: Wiederkehr“


„So ein spätes Sequel ist superfrech“

10.07.2016
Interview:  Anna Wollner

„Ich verstehe nichts von Technik“: Rolan Emmerich am Set von „Independence Day: Wiederkehr“ © 2016 20th CenturyFox

Der „Master of Disaster“ schlägt wieder zu. Roland Emmerich bringt 20 Jahre nach „Independence Day“ eine Fortsetzung seines legendären Action-Reißers ins Kino (ab 14. Juli). In „Independence Day: Wiederkehr“ wiederholt der Regisseur, Deutschlands erfolgreichster Hollywood-Export, im Grunde die Story des ersten Films: Einmal mehr greifen die Außerirdischen die Erde an. Und einmal mehr scheint die Menschheit keine Chance zu haben, sich gegen die Invasion zu wehren. Im FilmClicks-Interview erzählt Emmerich, warum er sich so lange mit der Fortsetzung Zeit ließ. Er schwärmt von neuen visuellen Möglichkeiten und erklärt, warum sein Top-Star Will Smith diesmal nicht auf der Leinwand dabei ist.


FilmClicks: Herr Emmerich, Sie haben sich für Ihren neuen „Independence Day“-Film 20 Jahre Zeit gelassen. Kommt Ihnen so eine lange Unterbrechung nicht selbst ungewöhnlich vor?
Roland Emmerich: Es ist schon superfrech, nach so langer Zeit ein Sequel zu drehen. Es sind ja auch in unserer Geschichte 20 Jahre vergangen, die Figuren sind 20 Jahre älter geworden, können sich radikal verändert haben. Genauso wie die Welt. Ich hatte dadurch ein gutes Gefühl, nicht zweimal den gleichen Film machen zu müssen. Klar, am Ende gewinnen wir gegen die Aliens, aber der Weg dahin steckt dann doch voller Überraschungen.
 
Wie stehen Sie denn zur Vorliebe der Studios für Fortsetzungen von großen Kinohits?
Den ständigen Drang aus Hollywood, Fortsetzung nach Fortsetzung rauszuhausen, habe ich noch nie verstanden. Für mich war „Independence Day“ ein Stand Alone, ein eigenständiger Film. Doch dann wollte Will Smith unbedingt einen zweiten Film machen. Einen, der am Boden spielt, mit Alien-Nahkämpfen und allem. Aber so ein Film wäre klein und düster geworden. Also das genaue Gegenteil von „Independence Day“. Ich habe mich also immer mit Händen und Füßen gegen eine Fortsetzung gewehrt.

Spektakuläre Bilder aus dem Computer: „Independence Day: Wiederkehr“ © 2016 20th Century Fox

Und was führte dann zu Ihrem Meinungs-Umschwung?
Bei den Dreharbeiten zu „2012“ hielt ich zum ersten Mal eine digitale Kamera in der Hand. Die Ergebnisse haben mir wirklich gut gefallen und da ist bei mir zum ersten Mal der Gedanke gekommen, vielleicht doch mit „Independence Day“ weiterzumachen. Ich habe mich dann auch sofort an den Dreh des ersten Films erinnert. An die Arbeit mit den Modellen und allem. Das klingt zwar romantisch, war aber auch unglaublich frustrierend.
 
Sind Sie denn selbst ein Technikfreak?
Ich verstehe überhaupt nichts von Technik, aber ich bin sehr smart. Bei einem Computer muss man ja nichts verstehen. Man muss ja nur wissen was man will. Es gibt überall auf der Welt Visual-Effects-Firmen, die Experten auf ihrem Gebiet sind. Peter Jacksons Leute in Neuseeland haben meine Alien-Königin gemacht, die Leute von „District 9“ die kleineren Aliens. Eine deutsche Firma war für die Landesequenz des Raumschiffes zuständig. Die können unglaublich gut mit Wasser und Feuer umgehen. So besetzt man die Special Effects in gewisser Weise wie die Schauspieler.
 
Emmerich mit den Stars Liam Hemsworth (neu dabei) und Jeff Goldblum (wieder dabei) © 2016 20th Century Fox

Sie haben einige Hauptdarsteller von „Independence Day“ für die Fortsetzung zurückgeholt; Jeff Goldblum und Bill Pullman zum Beispiel.
Wie groß war die Wiedersehensfreude am Set?
Ich habe das anfangs alles nicht glauben wollen, habe Jeff Goldblum in der ersten Woche ständig gefragt, ob das wirklich wahr sei, dass wir hier gemeinsam stehen. Es war seltsam. Aber auch verdammt cool. Wie ein Klassentreffen nach 20 Jahren. Das kann man auch nie glauben. Jeder sieht ein bisschen anders aus, älter. Aber nach einer Woche war alles so wie zwei Jahrzehnte zuvor..
 
Ihr größter Star des ersten Films ist diesmal aber nicht an Bord. Warum fehlt Will Smith in „Independence Day: Wiederkehr“?
Will Smith wollte unbedingt dabei sein. Ich habe ihm meine ersten Story-Entwürfe vorgestellt und er war begeistert. Dann waren wir aber alle mit anderen Filmen beschäftigt, zwei Jahre gingen ins Land und als wir dann endlich loslegen wollten, war er gerade mit „After Earth“ beschäftigt. Einer Vater-Sohn-Geschichte. Genau so eine Storyline hatte auch ich für ihn vorgesehen. Er hat dann doch absagen müssen, weil er nicht zweimal das Gleiche spielen wollte. Ich war davon so enttäuscht, dass ich auch erst alles stornieren wollte. Will Smith ist nicht zu ersetzen. Vor allem nicht durch einen jungen schwarzen Schauspieler. Deswegen habe ich ihn mit einer ganzen Generation junger Schauspieler ersetzt.
 
Sie gelten in Hollywood als „Master of  Disaster“. Hatten Sie schon von Klein auf Spaß daran, Dinge kaputtzumachen?
Als Kind war ich ein totaler Bücherwurm. Meine Mutter hat immer gesagt, jetzt leg das Buch hin, geh raus spielen. Bei den Filmen hat sich das dann einfach so entwickelt. Nehmen Sie meinen Film „Star Gate“, da wird viel geschossen mit Lasern etc, aber es gibt nicht so viel Kaputtmacherei. Die kam erst mit „Independence Day“. Bei diesem Film ging es mir vor allem darum, etwas Neues zu erzählen.  Ich sagte damals zu meinem Co-Drehbuchautor Dean Devlin, dass ich einen Film über eine Alien-Invasion machen will, der sich wie ein Katastrophenfilm anfühlt. Wir haben uns dann viele alte Katastrophenfilme aus den Siebzigern und Achtzigern angesehen, „Flammendes Inferno“ hat uns besonders gut gefallen. So einen Film sieht man nicht jeden Tag, weckt aber sofort das Interesse von Hollywood. Vor allem, wenn er erfolgreich ist.
 
Wie wichtig sind Ihnen politische Botschaften in ihren Filmen?
Sehr. Ich bin da eine Art Trickbetrüger und nutze Hollywood schamlos aus. Ich interessiere mich schon immer für die Umwelt, Klimaerwärmung. Mir war früh klar, dass wir dabei sind, unseren Planeten zu zerstören. Ich habe genau darüber ein Drehbuch geschrieben, „The Day After Tomorrow“. Auf dem Papier sah es aus wie „Independence Day“. Deswegen wurde es auch gekauft. Erst hinterher fiel dem Studio auf, dass der Film kein Happy End hat. Dass am Ende eine Eiszeit herrscht. Da war es dann aber zu spät. Das Skript war durch, und ich habe den finalen Schnitt. Da konnte mir keiner mehr reinreden.



Kritik
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