Wonder Wheel

Ein schwerblütiges Leichtgewicht


FilmClicks:
Justin Timberlake und Kate Winslet haben in Woody Allens „Wonder Wheel“ eine heiße Affäre © Warner Bros.
DIE STORY: Woody Allen erzählt im Drama „Wonder Wheel“, seinem 47. Film, eine Story aus dem New Yorker Vergnügungspark Coney Island, deren Protagonisten ein eher unvergnügliches Dasein führen.
Im Zentrum steht die nicht mehr ganz junge Ginny (Kate Winslet), die einst eine möglicherweise vielversprechende Karriere als Schauspielerin begann, mittlerweile jedoch ihre Dollars als Kellnerin in einem Muschelrestaurant verdient. Ginny ist in einer längst erstarrten Ehe mit dem Karussellbesitzer Humpty (Jim Belushi) verbunden, der zu Beginn der Geschichte wenig Zeit hat, sich um seine Frau zu kümmern.
Humptys flatterhafte Tochter Carolina (Juno Temple), die einen Mafioso erst geheiratet und nun wieder verlassen hat, taucht nämlich überraschend auf und bracht väterliche Fürsorge und auch väterlichen Schutz (die Mafia ist nicht bekannt dafür, abtrünnige Ehefrauen ohne Widerstand ziehen zu lassen).
Bei einem Strandspaziergang lernt Ginny den Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake) kennen. Es entwickelt sich eine heiße Affäre, die in Ginny Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft weckt. Doch dann begegnet Mickey der zauberhaften Carolina…

Der Karussellbesitzer Humpty (Jim Belushi) bemerkt die Affäre seiner Frau nicht © Warner

DIE STARS: Wie bei Woody Allen üblich, bietet der unermüdliche Kino-Magier ein erlesenes Ensemble auf. Kate Winslet und Justin Timberlake gehören zu den Topstars in Hollywood; Jim Belushi und Juno Temple sind Spitzenkräfte aus der zweiten Liga der Film-Prominenz.

Riesenrad mit Nervenkitzel-Garantie: Das „Wonder Wheel“ in Coney Island © Dang Apricot

DIE KRITIK: Seit 1920 dreht sich in Coney Island, weit draußen vor der Skyline von Manhattan, das „Wonder Wheel“:  Ein äußerlich sehr harmlos wirkendes Riesenrad, das seinen Fahrgästen freilich starken Nervenkitzel und auch Panikmomente bescheren kann. Weil die meisten Gondeln nicht fix verankert sind, sondern in Schienen laufen, hat man während der Fahrt manchmal das Gefühl, man werde ungebremst aus der Umlaufbahn in die Luft geschleudert.
Dass Woody Allen seinen neuen Film nach diesem Riesenrad benannte, hat viel Symbolkraft. Wenn seine Heldin Ginny ihrem Galan Mickey begegnet, erlebt sie erst den Nervenkitzel der großen Leidenschaft. Dort mischt sich allerdings bald die Panik ein, den neuen Lover wieder zu verlieren. Und als das tatsächlich passiert, fühlt sich die unglückliche Frau wie im freien Fall. Nur, um schließlich festzustellen, dass sich das Rad ihres Lebenskreises weiterdreht. So, als wäre (trotz aller Abenteuer) gar nichts geschehen.
Diese Abfolge der Emotionen, die vielen Menschen vertraut vorkommen mag, ist freilich ein wenig banal – und darin liegt ein Problem von „Wonder Wheel“, dem Film. Trotz brillanter Darsteller und hinreißender Bilder (Kamera: Vittorio Storaro, der einst „Apocalypse Now“ drehte) schafft es Woody Allen nicht, die Alltäglichkeit seines Plots in ein großes Filmkunstwerk zu verwandeln.
Der Regisseur hat „Wonder Wheel“ in den 1950er Jahren positioniert und als Melodram (nicht als Komödie!) angelegt. Zu Beginn sitzt man in einem typischen Allen-Film: Blitzende Dialoge, groteske Situationen. Doch je schwerer die Romanze zwischen Ginny und Mickey wird, umso leichtgewichtiger gerät paradoxerweise der Film.  
An den Darstellern liegt das nicht. Vor allem Kate Winslet spielt sensationell. Ihre Ginny – sinnlich, unglücklich und wunderschön – ist ein emotionaler Vulkan. Mit unzähligen Facetten schildert sie die Sehnsüchte und Hoffnungen, die Ängste und die Resignation ihrer Figur. Großes Kino. Auch Justin Timberlake, Jim Belushi und Juno Temple füllen ihre Charaktere mit vielen Zwischentönen. Sie sind weit mehr als nur Stichwortgeber für die Hauptfigur.
Die Darsteller können allerdings nicht verhindern, dass die Spannungsbögen der Story immer kleiner werden. Die Verantwortung dafür ist wohl bei WoodyAllen persönlich zu suchen. Anders als bei seinem meisterlichen Frauendrama „Blue Jasmine“, mit dem er 2014 Cate Blanchett zum Oscar führte, gelingt es ihm diesmal nicht, das Publikum bis zum Finale zu fesseln.
In „Blue Jasmine“ nutzte Allen den Kunstgriff, seinem Drama starke Parellelen zu Tennessee Williams‘ Meisterwerk „Endstation Sehnsucht“ einzubauen. In „Wonder Wheel“ verlässt er sich auf die eigene Phantasie. Doch die Figuren sind diesmal zu trivial und ihren Aktionen zu vorhersehbar, um große Kunst entstehen zu lassen.
 
IDEAL FÜR: Kate-Winslet-Fans, Justin-Timberlake-Fans und natürlich für Woody-Allen-Fans.






Trailer
LÄNGE: 102 min
PRODUKTION: USA 2017
KINOSTART Ö: 12.01.2018
REGIE:  Woody Allen
GENRE: Drama
ALTERSFREIGABE: ab 10


BESETZUNG
Kate Winslet: Ginny Rannell
Jim Belushi : Humpty Rannell
Justin Timberlake: Mickey Rubin
Juno Temple: Carolina

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