Über-Ich und Du

Ziemlich beste Freunde


FilmClicks:
Der Psychologe Curt Ledig (André Wilms) und der Ganove Nick Gutlicht (Georg Friedrich) © Thim Film
DIE STORY: Die Komödie „Über-Ich und Du“ handelt von zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die etwas brauchen – und die einander dabei finden.
Der jugendliche Lebenskünstler - um nicht zu sagen: Kleingauner - Nick Gutlicht (Georg Friedrich) braucht einen versteckten Platz, an dem er vor den finanziellen Forderungen seiner Gläubiger sicher ist.
Der alternde, zunehmend vergessliche  und berühmte Psychologe Curt Ledig (André Wilms) braucht einen Beschützer, der verhindert, dass er aus seiner bayerischen See-Villa quasi abgeschoben und bei einer seiner Töchter in Verwahrung genommen wird.
Durch einen nicht ganz sauberen Trick landet Nick in Curt Ledigs Villa und wird vom Alten kurzerhand als Betreuer eingestellt. Bald findet Ledig heraus, dass Nick an seinen kostbaren Büchern interessiert ist. Aber nicht, um sie zu lesen, sondern, um sie zu verkaufen. „Ein interessanter Fall“, erkennt der Psychologe, dessen professionelles Interesse an seinem Betreuer erwacht.
Bald werden die beiden Therapeut und Therapierter, aber sie werden auch Freunde. Wobei es Ledig nicht zu stören scheint, dass er von Nick gelegentlich ins Schurkenreich mitgenommen  wird – Hauptsache, ihm bleibt das Ausgedinge bei den Töchtern erspart. Allerdings vergisst der Alte in seinem neuen Leben mit dem neuen Freund mehr und mehr, dass er der Öffentlichkeit noch eine wichtige Botschaft schenken wollte: Eine (selbst-)kritische Bestandsaufnahme über sein Verhalten während der Nazi-Zeit.
 
DIE STARS: Der Erz-Wiener Georg Friedrich erhielt im März beim Grazer Diagonale-Festival den Großen Schauspielpreis. In „Über-Ich und Du“ wurde er in seinem Paradefach als Strizzi besetzt – allerdings ist sein Nick ein besonders liebenswerter Strizzi. Der Elsässer André Wilms, hier als Curt Ledig zu sehen, spielte 2011 in Aki Kaurismäkis Tragikomödie „Le Havre“ eine seiner unvergesslichsten Rollen. Die Oberösterreicherin Maria Hofstätter, die zuletzt in Ulrich Seidls „Paradies: Glaube“ begeisterte, hat als Gangster-Lady einen hinreißenden Kurzauftritt, in dem sie trotz eines weichen Kosenamens (Mutter)  große Härte ausstrahlt.
 
DIE KRITIK: „Du bist die ärgste Promenadenmischung zwischen einer Kanal- und einer Leseratte“, bekommt Nick Gutlicht (Georg Friedrich) einmal von einer Antiquarin zu hören, die trotz dieses Urteils nur zu gern das Bett mit ihm teilt. „No romance without finance“, gibt Nick zurück und dreht seiner Geliebten noch rasch um viel Geld ein altes Buch an, bevor es in die Horizontale geht.
Auf diesem feinsinnigen Niveau schwebt der Humor der Komödie von Benjamin Heisenberg, der „Über-Ich und Du“ (wie zuvor schon „Schläfer“ und „Räuber“) als deutsch-österreichische Koproduktion gedreht hat. Das blitzgescheite Pointengeflecht dreht sich im ersten Stock um Psychologie und Analyse, im Erdgeschoss um Alltagsprobleme, und obendrein gibt’s auch noch Ausflüge in die Unterwelt, wo der berühmte Seelenklempner Curt Ledig (André Wilms) schmerzhaft lernen muss, dass Streitigkeiten zwischen Ganoven nicht mit Argumenten, sondern mit der Faust ausgetragen werden.
Der Film lebt von seinen schillernden Dialogen und verblüffenden Wendungen, aber natürlich auch vom famosen Spiel des Ensembles. Und da vor allem von der Chemie zwischen dem rauen Georg Friedrich und dem elegant-versponnenen André Wilms, die aus unterschiedlichen Welten kommen, im Lauf der Geschichte aber  zu Buddys werden. So ist „Über-Ich und Du“ der Glücksfall eines klugen Films, der große Themen abhandelt und zugleich mit viel Witz die Lachmuskeln massiert.
 
IDEAL FÜR: Filmfreunde, die Unterhaltung auf hohem Niveau lieben.   
       






Trailer
LÄNGE: 94 min
PRODUKTION: Deutschland / Österreich 2014
KINOSTART Ö: 15.05.2014
REGIE:  Benjamin Heisenberg
GENRE: Komödie
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Georg Friedrich: Nick Gutlicht
André Wilms: Curt Ledig
Maria Hofstätter: Mutter