Tulpenfieber

Gefährliche Liebschaften


FilmClicks:
„Tulpenfieber“: Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) und seine Frau Sophia (Alicia Vikander) © Thimfilm
DIE STORY: „Tulpenfieber“. Während im Amsterdam des 17. Jahrhunderts die Spekulation mit Tulpenzwiebeln blüht, bricht im Haus des reichen Kaufmanns Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) das Liebesfieber aus.
Cornelis will sich mit seiner jungen Frau Sophia (Alicia Vikander) porträtieren lassen, was sich als schlechte Idee erweist. Denn Sophie und der fesche Maler Jan van Loos (Dane DeHaan) beginnen eine leidenschaftliche geheime Affäre.
Jan und Sophia würden nun gern zusammenleben, doch sie wissen nicht recht, wie sie das anstellen sollen. Als Maria (Holliday Grainger), das ledige Dienstmädchen im Hause Sandvoort, schwanger wird, kommt Sophia auf eine kühne Idee, die sie der Zweisamkeit mit ihrem Geliebten näherbringen soll.

Verliebt: Der Maler Jan van Loos (Dane DeHaan) und Sophia (Alicia Vikander) © Thim

DIE STARS: Das Ensemble strahlt nur so vor großen Namen. Neben den Oscar-Preisträgern Christoph Waltz („Inglourious Basterds“) und Alicia Vikander („The Danish Girl“) agieren die jungen Spitzenkräfte Dane DeHaan (als Maler) und Cara Delevingne (als leichtes Mädchen). Kurz nach „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ treten sie also schon wieder gemeinsam in einem Film auf.
Judi Dench (M in etlichen „James Bond“-Thrillern) spielt eine strenge Ordensfrau, Zack Galifianakis („Hangover“) einen schlagkräftigen Trinker.

Tulpenhandel: An der Börse entstehen und verschwinden große Vermögen © Thim

DIE KRITIK: Das Drehbuch zu „Tulpenfieber“ stammt vom britischen Star-Autor Tom Stoppard, der 1999 für „Shakespeare In Love“ den Oscar gewann. Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen sind unübersehbar. Hier wie dort spielen sich vor einer herrlich üppigen historischen Fassade höchst dramatische Ereignisse ab, in denen es immer wieder um die Liebe geht.
„Tulpenfieber“ könnte genauso gut „Liebesfieber“ heißen. Die Spekulation mit Tulpenzwiebeln, die in Holland bis 1637 riesige Vermögen entstehen und wieder verschwinden ließ, liefert nur die Grundierung für das Dreiecks-Drama um die schöne Sophia, ihren (zu) alten Mann und ihren jungen Lover.
Immerhin liefern die Szenen über den chaotischen Tulpenhandel schöne Parallelen zur Gier und zum Spekulations(un)wesen unserer Tage, die ja definitiv nicht dem Allgemeinwohl dienen.
Im Wesentlichen aber handelt der Film (Romanvorlage: Deborah Maggoch) davon, wie sehr bei den Menschen der Kopf aussetzen kann, wenn es um Liebesdinge geht.
Der kühle Kaufmann Cornelis Sandvoort ist, was seine Frau betrifft, absolut blind – er bemerkt überhaupt nicht, wie ihm Sophie große Hörner aufsetzt. Sophie wiederum schmiedet einen gefährlichen Plan, weil sie, koste es was es wolle, mit ihrem jungen Galan Jan zusammenleben will.
Als Sophia nämlich von der Schwangerschaft ihres Dienstmädchens Maria erfährt, will die Kaufmannsfrau so tun, als würde sie selbst ein Kind erwarten. Um dann, wenn Maria ihr Baby zur Welt bringt, ihren eigenen Tod im Kindbett vorzutäuschen.
Der gutherzige Cornelis freut sich darauf, endlich Vater zu werden - und kriegt wieder einmal nicht mit, wie sehr er hintergangen wird.
Der Maler Jan will derweil mit Tulpen-Spekulationen das Geld verdienen, das ihm und Sophia eine Existenzgrundlage bieten soll. Außerdem muss er natürlich am Tag der Geburt darauf schauen, die scheintote Sophia wieder aus dem Sarg zu befreien.
Regisseur Justin Chadwick („Mandela - der lange Weg zur Freiheit“) lässt auf der Leinwand ein malerisches Amsterdam entstehen, in dem Luxus und Schmuddeligkeit enge Nachbarn sind. Die Schauspieler agieren bravourös.
Christoph Waltz etwa nutzt voll Subtilität die Gelegenheit, einmal etwas anderes zu spielen als seine Paraderolle des charmanten, aber bedrohlichen Schurken. Sein Cornelis ist ein heiterer und freundlicher Mann, der nicht nur lieben, sondern auch verzeihen kann.
Alicia Vikander porträtiert in vielen Schattierungen eine junge, lebenshungrige Frau, die gegen ihren betagten Gemahl im Grunde nichts einwenden kann - gäbe es da nicht den feurigen Künstler, für den ihr Herz entflammt. Bis in die kleinsten Rollen ist der Film hervorragend gespielt.
So bekommt man für sein Eintrittsgeld einen hochsoliden und opulenten Film, der einen in jeder Szene neugierig macht, was als Nächstes geschieht. Die letzte Prise an Kino-Magie allerdings fehlt:  „Tulpenfieber“ ist ein spannender Film, der sein Publikum beeindruckt, aber nicht verzaubert.
 
IDEAL FÜR: Freunde luxuriös besetzter Kostümfilme.






Trailer
LÄNGE: 105 min
PRODUKTION: USA / Großbritannien 2017
KINOSTART Ö: 24.08.2017
REGIE:  Justin Chadwick
GENRE: Drama|Romanze


BESETZUNG
Christoph Waltz: Cornelis Sandvoort
Zach Galifianakis: Gerrit
Judi Dench: Abtissin
Dane DeHaan: Jan van Loos
Alicia Vikander: Sophia
Cara Delevingne: Annetje