The Walk

Das wahre Leben ist auf dem Seil


FilmClicks:
„The Walk“: Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) auf dem Seil zwischen den Twin Towers © Sony
DIE STORY: „The Walk“ ist die Geschichte eines Spaziergangs – in 400 Metern Höhe, ohne Netz, auf einem Drahtseil. Der Franzose Philippe Petit balancierte am 6. August 1974 vom einen Zwillingsturm des New Yorker World Trade Center zum anderen, und dort oben gefiel es ihm so gut, dass er insgesamt 45 Minuten lang auf dem Seil blieb.
Als Petit endlich wieder festen Boden betrat, wartete schon die Polizei auf ihn, denn der Artist war bei seinem tollkühnen Drahtseilakt ohne Genehmigung unterwegs. Die Handschellen wurden ihm aber bald wieder abgenommen: Philippe Petit wurde zum Volksheld in New York, wo er bis heute lebt.
Regisseur Robert Zemeckis („Forrest Gump“) hat aus der wahren Geschichte nun ein 3D-Kinoabenteuer gemacht, in dem Joseph Gordon-Levitt als Philippe Petit zum Wolkenspaziergang antritt. Im Studio wurden die obersten zwei Stockwerke der Twin Towers nachgebaut. Der im Trickcomputer entstandene Abgrund unter dem Seil wirkt so täuschend echt, dass man beim Zuschauen schwindelig werden kann.

Philippe erläutert Annie (Charlotte Le Bon) seinen World-Trade-Center-Plan © Sony

DIE STARS: Der Kalifornier Joseph Gordon-Levitt, der seine Filmlaufbahn mit sieben Jahren begann, trat bisher mit „(500) Days of Summer“, „Inception“ oder „The Dark Knight Rises“ hervor. 2013 reüssierte er als Regisseur und Hauptdarsteller der grellen Sex-Komödie „Don Jon“.
Ben Kingsley adelt in „The Walk“ die wichtige Nebenrolle des alternden Artisten Papa Rudy,  der Philippe Petit wichtige Tipps für das (Über-)Leben auf dem Hochseil gibt. Die Franko-Kanadierin Charlotte Le Bon („Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät“; „Yves Saint Laurent“) sorgt als Gefährtin des Artisten Philippe für romantische Momente.
US-Regisseur Robert Zemeckis feierte 1984 seinen Durchbruch mit der Abenteuer-Romanze „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (mit Michael Douglas und Kathleen Turner). Danach ging’s für ihn direkt in den Hollywood-Olymp: Er war Co-Autor und Regisseur der drei „Zurück in die Zukunft“-Superhits und gewann 1995 den Regie-Oscar für „Forrest Gump“.

Papa Rudy (Ben Kingsley) führt Philippe in die Drahtseil-Kunst ein © Sony

DIE KRITIK:  „The Walk“ ist ein Dokudrama, das drei Elemente vereint: poetisches Märchen, Krimi und Abenteuer.
Das poetische Märchen steht am Beginn. Die Vorstellung des Lebenskünstlers Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt), das Erwachen seiner Träume vom Hochseilakt, die Ausbildung beim strengen Papa Rudy (Ben Kingsley) und die Begegnung mit seiner Flamme Annie (Charlotte Le Bon): All das wird so verspielt, luftig und heiter erzählt, als wollte Regisseur Robert Zemeckis eine Fabel auf die Leinwand setzen.
Wenn es dann ernst wird  mit dem Spaziergang zwischen den Zwillingstürmen in Manhattan, kommen die Thriller-Elemente.
Philippe Petit ging wohl mit Recht davon aus, dass die Behörden seinen Walk nie und nimmer genehmigen würden. Also lösten er und seine Helfer keine Fahrkarte für den Lift. Sie mussten wie Einbrecher heimlich einen Weg nach oben finden (am World Trade Center wurde noch gebaut). Nicht nur das: Sie mussten ihre komplette Ausrüstung mitschleppen. Allein das 75 Meter lange Stahlseil, das mittels Pfeil und Bogen den Weg von einem Turm zum anderen fand, wog 200 Kilo.
Der eigentliche Drahtseilakt ist dann der Höhepunkt des Films. Hier nutzt Robert Zemeckis alle verfügbaren Tricks des Kinos, um dem Zuschauer den Atem stocken zu lassen.
Der echte Spaziergang Philippe Petits ist gut auf Fotos und in der Dokumentation „Man on Wire“ festgehalten. „The Walk“ fügt noch eine Dimension hinzu. Der Film zeigt das Abenteuer aus der Vogelperspektive und in 3D – und das Kino entpuppt sich als perfekte Illusionsmaschine.

Die perfekte Illusion: Philippe Petit auf seinem „Walk“, von oben gefilmt © Sony

Obwohl man weiß, dass die Sache gut ausgeht, zittert man so vehement mit dem Artisten mit, als wären die Bilder authentisch und als würde Joseph Gordon-Levitt, der Darsteller, wirklich in Lebensgefahr schweben. Der Blick von oben auf die virtuellen Straßenschluchten von  New York kann Schwindelgefühle und schweißnasse Hände auslösen.
Wenn Gordon-Levitt/Petit dann endlich das Seil verlässt, nehmen das Märchen, der Krimi und das Abenteuer ein fabelhaftes Ende. „The Walk“ ist eine feine Parabel über Mut und Artistik, über den Sinn von, logisch gedacht,  sinnlosen menschlichen Unternehmungen. Denn das wahre Leben, finden viele Hochseil-Artisten, sei draußen auf dem Seil. Alles andere sei nur abwarten.
Obendrein ist der Film, in dem Robert Zemeckis ähnlich virtuos mit der 3D-Technik umgeht wie Philippe Petit mit seiner Balancierstange, eine Verneigung vor der Eleganz des World Trade Center. Die Twin Towers sind ja seit dem 9. September 2001 nur noch Erinnerung.  
 
IDEAL FÜR: Seil- und Traumtänzer, New-York-Fans und Freunde großer Kino-Abenteuer.






Trailer
LÄNGE: 123 min
PRODUKTION: USA 2015
KINOSTART Ö: 22.10.2015
REGIE:  Robert Zemeckis
GENRE: Abenteuer|Biografie


BESETZUNG
Joseph Gordon-Levitt: Philippe Petit
Ben Kingsley: Papa Rudy
Charlotte Le Bon: Annie