Teheran Tabu

Sex, Lügen und Doppelmoral


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„Teheran Tabu“: Ein visuell großartiger Film, der starke Frauen in den Mittelpunkt stellt © Filmladen
DIE STORY: Der Animationsfilm „Teheran Tabu“ verwebt mehrere Geschichten, die in der Gegenwart in der iranischen Hauptstadt spielen.
Ein junges Pärchen hatte Sex und muss nun die Jungfräulichkeit der jungen Dame ärztlich wieder herstellen lassen. Eine Mutter arbeitet als Prostituierte. Aber sie weiß nicht, wohin mit ihrem kleinen Sohn. Also nimmt sie ihn mit zur Arbeit. Und der Richter eines islamischen Revolutionsgerichts tut nach außen so, als wäre er ein integerer Mann. Aber in Wahrheit nutzt er die Schwäche von Menschen schamlos aus.

Ein Teheran-Tabu: Das Thema Sex spielt eine wichtige Rolle © Filmladen

DIE STARS: Der im Iran geborene, aber nun in Deutschland lebende Filmemacher Ali Soozandeh macht Teheran zum Star seines Films. Zwar möchte man nicht dort leben. Zu sehr weichen Sein und Schein nach unserem mitteleuropäischen Verständnis voneinander ab. Und der Film konnte auch nicht in Teheran - wo er nicht gezeigt werden darf - gedreht werden.
Soozandeh hat mit dem Rotoskopie-Verfahren gearbeitet. Zunächst ließ er Schauspieler in einem Studio in Wien vor Green Screens spielen. Danach hat er das Filmmaterial übermalt. Entstanden ist ein sehr ungewöhnlicher Animationsfilm, der den Zuschauer mitnimmt auf eine packende Reise ins Teheran von heute.

Der Film, in Wien gedreht, zeigt das Teheran von heute © Filmladen

DIE KRITIK: „Teheran Tabu“, eine deutsch-österreichische Koproduktion (Little Dream, Köln & Coop99, Wien) ist mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten Filme dieses Kinojahres. Visuell erinnert das Drama an ähnlich hergestellte Vorbilder wie „Persepolis“ oder „Waltz With Bashir“. Inhaltlich erzählt Regisseur Ali Soozandeh über die Verlogenheit und die Doppelmoral der iranischen Gesellschaft von heute. Er zeigt eine Welt, die immer noch den Mann weit über die Frau stellt, der ihre Rechte beschneiden darf, wie er möchte.
Männer kommen in diesem Film nicht gut weg. Der eine verbietet seiner Gattin das Arbeiten, weil Familie und Nachbarn denken könnte, er wäre nicht in der Lage, seine Familie zu ernähren. Der andere lässt sich gerade im Auto von einer Prostituierten oral befriedigen. Als er jedoch sieht, wie seine unverheiratete Tochter händchenhaltend durch die Stadt läuft, rastet er aus. Und ein dritter lässt Frauen im Stich, als er am nötigsten gebraucht wird.
Und die Frauen? Noch sind sie diejenigen, die unterdrückt werden, die leiden. Aber sie sind auch diejenigen, die am ehesten einen realistischen Blick für die Lage haben. Die immer wieder die Spannung des Films durch bitterbösen Humor aufbrechen. Den Frauen - so das Fazit des Films - gehört die Zukunft. Noch aber trauen sie sich in extrem rückschrittlichen Ländern wie dem Iran nicht. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

IDEAL FÜR: Erwachsene Kinogänger, die den anderen, den anspruchsvollen Animationsfilm schätzen.






Trailer
LÄNGE: 96 min
PRODUKTION: Deutschland / Österreich 2017
KINOSTART Ö: 30.11.2017
REGIE:  Ali Soozandeh
GENRE: Animation|Drama
ALTERSFREIGABE: ab 16


BESETZUNG
Elmira Rafizadeh: Pari
Zar Amir Ebrahimi: Sara
Negar Mona Alizadeh: Donya
Arash Marandi: Babak

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