Sieben Minuten nach Mitternacht

Ein Monster, das Heilung bringt


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„Sieben Minuten nach Mitternacht“: Conor (Lewis MacDougall) spricht mit dem Monster © Studiocanal
DIE STORY: „Sieben Minuten nach Mitternacht“ handelt von einem zwölfjährigen Jungen namens Conor (Lewis MacDougall), dem das Leben schwere Lasten aufbürdet.
Conors Mutter (Felicity Jones) ist unheilbar an Krebs erkrankt; sein Vater (Toby Kebbell) hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Der Junge soll deshalb bei seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) wohnen, mit der er überhaupt nicht zurechtkommt. Und in der Schule? Dort wird Conor von den harten Jungs der Klasse gemobbt.
Eines Nachts, der Knabe sitzt noch am Schreibtisch und malt, gibt’s lautes Getöse von draußen. Ein hoher Baum verwandelt sich in eine monströse Figur und beginnt zu sprechen: Vom nun an, sagt das Monster, werde es drei Nächte hintereinander kommen, punkt sieben Minuten nach Mitternacht, und Conor eine Geschichte erzählen. Danach soll Conor ihm, dem Baum-Wesen, seine eigene Geschichte erzählen.
Der Junge fürchtet sich nicht vor dem Monster – ganz im Gegenteil, er sehnt sein Kommen herbei. Denn irgendwie bringt die Kreatur ein wenig Frieden in sein aufgewühltes Leben, das von der Angst um die Mutter bestimmt ist.
Was ist Realität, wo beginnt die Phantasie? Natürlich ist das Baummonster (mag es nun erträumt sein oder echt) dazu da, den gepeinigten Jungen zu beruhigen. Und ihm den Weg in die Zukunft zu weisen.

Innie Zuneigung: Conor mit seiner todkranken Mutter /Felicity Jones) © Studiocanal
                                                                                                
DIE STARS: Der spanische Regisseur J. A. Bayona  („The Impossible“) engagierte für die Hauptrolle des zwölfjährigen Conor den schottischen Kinderdarsteller Lewis MacDougall, der zuletzt in „Pan“ zu sehen war.
Die Parts der Frauen in dieser Verfilmung des Jugend-Bestsellers von Graham Ness sind mit den Oscar Nominees Felicity Jones („Rogue One: A Star Wars Story“; „Inferno“) und Sigourney Weaver („Alien“, „Avatar“) sehr prominent besetzt. Wer sich wundern sollte, dass im Film manchmal Fotos von Liam Neeson zu sehen sind: Neeson spricht in der Originalfassung das Monster.

Schwieriges Verhältnis: Conor mit seiner Großmutter (Sigourney Weaver) © Studiocanal

DIE KRITIK: Eine Geschichte über Todesbedrohung und Verlustängste, die in der Welt eines Zwölfjährigen spielt: „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist von gemütlicher Kino-Unterhaltung Lichtjahre entfernt. Hier geht’s nicht um Träume, sondern um ein ausgewachsenes Trauma, das sich in der Gestalt des Monsters materialisiert.
Man kann den Film und den ihm zugrunde liegenden Roman als Fantasy-Märchen interpretieren, bei dem ein Monsterwesen quasi zum natürlichen Inventar gehört. Aber „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist wohl eher als psychologisches Drama mit großem Tiefgang zu verstehen.  Die sehr realen Sorgen und Panikattacken eines Knaben werden auf das Monster projiziert, das die Funktion eines Bltzableiters, aber zugleich auch die eines Welt-Erklärers hat.
Der Film ist ausgesprochen düster geraten, wurde von Regisseur J. A. Bayona  jedoch sehr phantasievoll inszeniert. Wenn etwa das Monster seine Geschichten erzählt (die märchenhaft sind und nicht frei von Grausamkeit), dann wechselt die Bildsprache vom Spielfilm zu spröder und zugleich eindringlicher Animation.   
Die Verwandlung des Baums zum Monster geschieht stets in knorriger Pracht, und im Finale des Films sieht man eine spektakuläre Spezialeffekt-Szene, in der die Welt in einem großen Loch zu versinken scheint.
Sehr realistisch und zärtlich sind hingegen die Szenen, in denen Conor und seine dahinsiechende Mutter noch eine gemeinsame Zeit verbringen. Felicity Jones spielt die todgeweihte Frau mit viel Wehmut und zerbrechlicher Kraft.
Kraft braucht auch das junge Zielpublikum für diesen Film. Viele Heranwachsende, die in einem intakten Umfeld leben und denen Tod und Krankheit nur als abstrakte Begriffe bekannt sind, werden den Film wohl einigermaßen verstört verlassen. Denn auch, wenn die Story starke Elemente der Hoffnung bereithält – was hier erzählt wird, ist eine große Tragödie.
 
IDEAL FÜR: Fantasy-Fans und für Leser des Romans, auf dem „Sieben Minuten nach Mitternacht“ basiert.  






Trailer
LÄNGE: 109 min
PRODUKTION: USA 2016
KINOSTART Ö: 05.05.2017
REGIE:  J.A. Bayona
GENRE: Drama|Fantasy
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Lewis MacDougall: Conor
Felicity Jones: Conors Mutter
Sigourney Weaver: Conors Großmutter
Toby Kebbell: Conors Vater
Geraldine Chaplin: Schulleiterin
Liam Neeson: Das Monster (Stimme OV)

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