Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt

Auf Tour mit dem Tross des Wahnsinns


FilmClicks:
„Magical Mystery“: Der wunderbare Charly Hübner steht im Mittelpunkt des Films © Thimfilm
DIE STORY: „Magical Mystery“ mag mal irgendwas Legendäres in den 1960er Jahren gewesen sein. Aber der Film, der auf Sven Regeners gleichnamigem Roman beruht, spielt 1995. Da will der Musiklabel-Besitzer Ferdi (Detlev Buck) den Geist der Beatles-Ära ins Techno-Zeitalter retten. Mit einer neuen „Magical Mystery Tour“.
Sein Plan: Eine Bande von DJs soll quer durch Deutschland fahren, überall auflegen und massenhaft Liebe verbreiten. Um diesen Tross des Wahnsinns zusammenzuhalten, braucht Ferdi die Hilfe seines alten Kumpels Karl Schmidt (Charly Hübner). Der sitzt aber seit dem Mauerfall in einer drogentherapeutischen Einrichtung in Hamburg.
Für seine alten Freunde jedoch kommt Karl nach Berlin. Und nimmt den Job des Fahrers und Betreuers an. Er ist der perfekte Mann dafür, da er weder Drogen nehmen darf noch Alkohol anrühren. So wandert der Techno-Zirkus von Stadt zu Stadt und Karl Schmidt hat alle Hände von zu tun, damit „Magical Mystery“ nicht im Chaos endet.   

Auf geht's! Charly Hübner chauffiert seine DJs durch die Lande © Thim
 
DIE STARS: „Magical Mystery“ hat eine wunderbare Mannschaft. Motor des Ganzen ist der fabulöse Charly Hübner, der wie ein Zirkusdirektor seine Truppe zusammenhält. Die Haare lang wie ein Hippie, der Körper in gemütlichen Arbeitsklamotten – dieser Karl Schmidt hat ein Gemüt wie ein Pferd. Und er ist sehr glücklich, dass er nach den Jahren in der Drogen-WG Menschen findet, die ihn so nehmen, wie er ist.
Zur DJ-Truppe von „Magical Mystery“ gehören so außergewöhnliche Schauspieler wie Detlev Buck und Marc Hosemann oder Jacob Matschentz. Als Entdeckung des Films darf Annika Meier gelten, die bisher im Theater in Berlin zu sehen war und hier für ihre erste große Rolle als Karl Schmidts Love Interest gleich beim Filmfest von München ausgezeichnet worden.             
 
„Magical Mystery“ spielt in der Techno-Welt © Thim

DIE KRITIK:
Es ist schon beinahe ein Wunder, dass „Magical Mystery“ als Film eigenständig funktioniert. Der Untertitel „die Rückkehr des Karl Schmidt“ deutet darauf hin, dass es diesen Karl schon mal gegeben hat. Er ist Teil des ganz und gar grandiosen „Herr Lehmann“-Universums von Sven Regener.
Herrn Regener kennen Menschen mit gutem Musikgeschmack natürlich als Kopf der Band Element of Crime. Aber schon seit ein paar Jahren haut er einen zauberhaften Roman nach dem nächsten raus. Die Bücher sind entweder im hohen Norden Deutschlands verortet oder aber in Berlin. „Magical Mystery“ spielt mittendrin in diesem Zyklus.
Regisseur Arne Feldhusen, der seine Finger schon bei so schönen Projekten wie „Tatortreiniger“ oder „Stromberg“ im Spiel hatte, erzählt den Film so, dass alle Seiten viel Vergnügen haben. Wer sich mit Sven Regeners Büchern auskennt, der fühlt sich gleich zu Beginn sehr wohl und kann Kleinigkeiten erkennen, an denen er oder sie Spaß hat. Wer noch nie etwas von Regener gelesen hat, kommt auch sehr gut zurecht.
Zu Beginn wird Karl Schmidt vorgestellt. Warum er in diese Drogen-WG gezogen ist und wieso er keine guten Erinnerungen an den Mauerfall hat, das kann man in „Herr Lehmann“ nachlesen oder auf DVD schauen (Detlev Buck spielte damals den Karl Schmidt).
Auf jeden Fall hat Karl dieses Phänomen namens Techno komplett verpennt. Seinen Freunden aus Berliner Zeiten erging es ganz anders. Sie wollten mit ihrem Label Bumm Bumm Records verstören und aufrühren. Aber dann holte sie der Zeitgeist ein und sie wurden mit Geld für ihre Musik zugeschüttet.
„Magical Mystery“ ist eine sehr liebevolle Zeitreise geworden. Man muss diese Techno-Mucke nicht unbedingt mögen. Aber sie gehört nun mal in die Zeit hinein. Viel wichtiger sind jedoch die Charaktere, die einem im Laufe des Filmes immer mehr ans Herz wachsen. Der Humor wohnt eher bei Loriot als bei Bully. Was dem Film eine herrlich abgefahrene Note gibt. Noch nie war die Beerdigung eines Hamsters derart absurd. Und am Ende, wenn der verrückte Tross wieder in Berlin ankommt, ist dies nur ein Abschied auf Zeit. Denn Sven Regener denkt sich regelmäßig neue Abenteuer aus.  
 
IDEAL FÜR: Menschen, die sich gern an die trubeligen 90er Jahre erinnern und Kinogänger, die lakonisch erzähltes Kino mögen.






Trailer
LÄNGE: 111 min
PRODUKTION: Deutschland 2017
KINOSTART Ö: 31.08.2017
REGIE:  Arne Feldhusen
GENRE: Komödie|Musikfilm
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Charly Hübner: Karl Schmidt
Detlev Buck: Ferdi
Marc Hosemann: Raimund
Annika Meier: Rosa
Bjarne Mädel: Werner Maier

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