Life Guidance

Unter der Knute des Kapitalismus


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„Life Guidance“: Fritz Karl als aufbegehrender Bürger, der „optimiert“ werden soll © Stadtkino Wien
DIE STORY: „Life Guidance“ – man stelle sich vor: Das ganze Land steht unter der Knute des Kapitalismus und die Menschen werden fortwährend „optimiert“. In einer solchen, nicht allzu fern wirkenden dystopischen Umgebung legt die österreichische Regisseurin Ruth Mader ihren neuen Film an.
Es ist eine verstörende Welt, in der Alexander Dworsky (Fritz Karl) lebt. Als Teil der Mittelschicht genießt er ein lichtdurchflutetes Designer-Eigenheim, nicht jedoch, ohne dafür seinen Willen, seine Identität und seine Bedürfnisse an den absoluten Kapitalismus abgegeben zu haben. Doch in ihm, einem Leistungsträger, regt sich Widerstand.
Langsam beginnt er, die Mechanismen der Gesellschaft, die sich in arme „Minimumbezieher“, Mittelschicht und Reiche aufteilt, zu durchschauen. Just in diesem Moment tritt die Agentur „Life Guidance“ auf den Plan – eine Agentur, die unglücklich gewordene Mittelständler wieder zurück auf den rechten Weg bringen soll, betont freundlich zwar, aber dann doch mit einigem angsteinflößenden Nachdruck. Schließlich soll Alexanders „Optimierung“ schnell vonstatten gehen.
 
Schöne kühle Welt: „Life Guidance“ spielt in der Zukunft, doch die wirkt sehr real © Stadtkino

DIE STARS: Fritz Karl brilliert in der Hauptrolle eines stoischen, aber hellwachen Mitglieds der Besserverdiener, der erstmals Zweifel an der Art und Weise der Lebensführung unter völliger Kontrolle des Kapitalismus hegt. Sein Spiel überzeugt durch eine gekonnt eingesetzte, sparsame Mimik und dadurch, dass er die Zuschauer scheinbar an seinem Innenleben teilhaben lässt. Eine großartige Performance!
 
Schöne Uniformität: Der Individualismus wird den Menschen ausgetrieben © Stadtkino

DIE KRITIK: Ruth Mader hat ihre filmische Dystopie an Orwells „1984“ angelehnt, bleibt aber im gezeigten Umfeld stark in hiesigen Lebenswelten verwurzelt. Weshalb „Life Guidance“ ein sichtbar österreichisches Outfit hat, das die Dystopie ihrer Geschichte umso unangenehmer macht, weil sie uns einfach näher liegt als ein Film, der beispielsweise in den USA spielt. So wird die Bedrohung für heimische Zuschauer noch entrischer und effektiver.
Gemeinsam mit Martin Leidenfrost, mit dem sie das Drehbuch schrieb, serviert Mader einen streng beobachteten Blick in eine (sehr) nahe Zukunft, in der Sicherheit und Überwachung mehr zählen als Freiheit und Selbstbestimmung. Getrieben vom krisen- und terrorgebeutelten Europa sind die Zustände, die im Film herrschen, schon beinahe europaweit Realität und „Life Guidance“ ist eigentlich gar kein Blick mehr in die Zukunft. Umso drastischer und mahnender wirkt dieses von Kamerafrau Christine A. Maier überaus elegant gefilmte Drama.
 
IDEAL FÜR: Fans des Austro-Kinos ebenso wie für Arthaus-Kinogänger – sie bekommen hier einen österreichischen Film als Dystopie aus der Zukunft.
 






Trailer
LÄNGE: 102 min
PRODUKTION: Österreich 2017
KINOSTART Ö: 12.01.2018
REGIE:  Ruth Mader
GENRE: Drama|Science Fiction


BESETZUNG
Fritz Karl: Alexander Dworsky
Katharina Lorenz: Anna Dworsky
Florian Teichtmeister: Gregor Fainmann
Udo Samel: Grundherr

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