Learning To Drive

In der Fahrschule des Lebens


FilmClicks:
„Learning To Drive“: Fahrlehrer Ben Kingsley und seine Schülerin Patricia Clarkson © Thimfilm
DIE STORY: Die bittersüße New Yorker Tragikomödie „Learning To Drive“ nimmt die Fahrschule als Sinnbild für die Schule des Lebens.
Der Plot: Als die arrivierte Literaturkritikerin Wendy (Patricia Clarkson) von ihrem Mann verlassen wird (erraten: er hat eine Jüngere), beschließt sie notgedrungen, ihr Dasein in neue Bahnen zu lenken. Unter anderem will sie endlich den Führerschein machen, um ihre Tochter Tasha (Grace Gummer) im abgelegenen Vermont zu besuchen.
Gemeinsam mit dem aus Indien stammenden Fahrlehrer Darwan (Ben Kingsley) setzt sie sich ans Steuer. Die Fahrstunden werden zum Diskurs, in dem Wendy viel über asiatische Gelassenheit lernt. Aber auch Darwan, der der indischen Minderheit der Sikhs angehört, hört aufmerksam zu. Und er entdeckt, dass der amerikanische Lebensstil durchaus seine attraktiven Seiten hat.
 
DIE STARS: Der britische Topstar Ben Kingsley, Sohn eines indischen Vaters, spielt nicht zum ersten Mal einen Inder. Seine berühmteste Arbeit in diesem Metier war die Titelrolle in „Gandhi“, die ihm den Oscar einbrachte.
Patricia Clarkson ist in Hollywood oft die erste Wahl für die zweite Reihe. Sie hat mit ihrem bravourösen Spiel schon etliche kleinere Rollen geadelt – zum Beispiel, an der Seite von Kevin Costner, in „April Burns“. Dafür erhielt sie 2004 eine Oscar-Nominierung. Selbstverständlich in der Kategorie der besten Nebendarstellerin.
Grace Gummer, die in „Learning To Drive“ die Nebenrolle als Tochter von Patricia Clarkson spielt, ist im wirklichen Leben die Tochter von Meryl Streep.
Die spanische Regisseurin Isabel Coixet  wurde 2003 mit dem Krebs-Drama „Mein Leben ohne mich“ weltbekannt.

Kingsley & Clarkson: West-östliche Fahrgemeinschaft in New York © Thimfilm

DIE KRITIK: In einer Episode aus „Learning To Drive“ erzählt Ben Kingsley als Fahrlerer Darwan eine kleine Geschichte über das Kochen. Seine Schülerin Wendy (Patricia Clarkson) hört aufmerksam zu. Als Darwan endet, fragt sie: „Und die Pointe?“ – „Keine Pointe“, antwortet er. Schnitt.
Dieses „Keine Pointe“ umreißt treffend das Problem von „Learning To Drive“. Man begegnet hier zwei exzellenten Darstellern, die Menschen aus sehr verschiedenen Kulturen spielen und die voneinander lernen. Doch die  Protagonisten des Films sind  zu weit voneinander entfernt, als dass die Funken sprühen könnten. Die Folge: Immer wieder keine Pointe.
Gewiss, manchmal wird man mit feinen Dialogen verwöhnt. Wendy lernt Darwan als Taxifahrer kennen, in dessen Wagen sie ein Kuvert vergisst. Als er ihr den Umschlag nach Hause bringt, verweigert er ein Trinkgeld: „Ich helfe gern.“ Helfen? In New York? Wendy schüttelt fassungslos den Kopf. „Sie können kein New Yorker sein.“
Da Darwan nicht nur Taxler, sondern auch Fahrlehrer ist, wird aus den beiden ein Gespann. Und sie merkt, wie er mit seiner besonnenen Art etwas Ruhe in ihr von der Scheidung gepeinigtes Herz träufelt.
Ein sinnliches Knistern kann zwischen den beiden freilich nicht entstehen. Er ist tief verwurzelt in der indischen Sikh-Tradition – was unter anderem dazu führt, dass er eine Frau heiratet, die er erst am Tag vor der Hochzeit kennenlernt. Sie wiederum hat im Grunde erst mal genug von den Männern. Trotzdem lässt sie sich eines Abends vom öligen Charme eines Bankers becircen. Die Folge: Ein One-Nighter mit lustlosem, schlechtem Sex.
„Learning To Drive“ basiert auf einem Essay, das im edlen US-Magazin „New Yorker“ erschien. Mag sein, dass diese wahre Geschichte als Reportage große Kraft entwickelte. In Isabel Coixets Film bleiben die Erlebnisse der west-östlichen Fahrgemeinschaft jedoch erstaunlich blass, obwohl sich die beiden Stars die Seele aus dem Leib spielen.
Gesamteindruck: Die „Fahrstunden fürs Leben“ sind vor allem mit Binsenweisheiten gefüllt („ich weiß besser als Sie, was Sie können“). Als Fest für die großen Schauspieler Patricia Clarkson und Ben Kingsley ist der Film jedoch ein Genuss.
 
IDEAL FÜR: New-York-Fans mit und ohne Führerschein.
 






Trailer
LÄNGE: 87 min
PRODUKTION: USA 2015
KINOSTART Ö: 07.08.2015
REGIE:  Isabel Coixet
GENRE: Drama|Komödie
ALTERSFREIGABE: ab 6


BESETZUNG
Patricia Clarkson: Wendy
Ben Kingsley: Darwan
Grace Gummer: Tasha