La La Land

Große Träume und große Liebe


FilmClicks:
Tiefe Blicke und Jazzmusik: Ryan Gosling und Emma Stone in „La La Land“ © Studiocanal
DIE STORY: Sieben Golden Globes und dazu die Position als Oscar-Topfavorit: Das Musical „La La Land“ landet mit dem größtmöglichen Rückenwind bei uns im Kino. FilmClicks schließt sich allen Hymnen über die heiter-melancholische Song-and-Dance-Revue aus Hollywood an. „La La Land“ ist (auch) für uns der Film des Jahres.
Autor/Regisseur Damien Chazelle folgt den Wegen zweier ambitionierter Künstler aus L. A., die in der Traumfabrik noch ganz hinten am Fließband stehen.
Die Jungschauspielerin Mia (Emma Stone) ist zwar schon in einem Hollywood-Studio angekommen – aber nicht vor der Kamera. Sie verdient ihre Dollars in einer Cafeteria des Warner-Studios und marschiert ansonsten hoffnungsfroh von einer Audition zur anderen, um diese dann hoffnungslos, weil abgewiesen, wieder zu verlassen.
Sebastian (Ryan Gosling) wiederum ist ein Pianist von großem Format und mit einem klaren Blick auf den Jazz, den er über alles liebt.  Sein Problem: Beides – seine Virtuosität und der Jazz – ist nicht gefragt.  Mal muss er in einem Restaurant kitschige Weihnachtslieder spielen. Oder er bekommt einen Job in einer Band, die mit seinem Talent nichts anzufangen weiß.
Vom Drehbuch  werden Mia und Seb irgendwann mit Karrieresprüngen belohnt. Und mit einer großen Liebe, auch wenn beide ahnen, dass ihrer Verbindung keine Ewigkeit geschenkt sein mag.

„La La Land“ ist (auch) eine Verbeugung vor klassischen Musikfilmen © Studiocanal

DIE STARS: Emma Stone, 28, ist eine der jungen Senkrechtstarterinnen in Hollywood. Ihr glorioses Talent adelte Arthaus-Hits wie Woody Allens „Irrational Man“ oder „Birdman“ (Oscar-Nominierung), aber auch Blockbuster wie „The Amazing Spider-Man“.
Ryan Gosling, 36, steht in Hollywood und bei den Fans ähnlich hoch im Kurs wie seine Filmpartnerin Emma Stone. Das Spektrum des Kanadiers reicht von Komödien wie „Crazy. Stupid. Love.“ bis zu Thriller-Hits wie „Drive“. Demnächst werden wir ihn in der Fortsetzung des Klassikers „Blade Runner“ sehen.
Filmemacher Damien Chazelle, der am 19. Jänner seinen 32. Geburtstag feiert, ist der aktuelle Wunderknabe des US-Kinos. „La La Land“ ist erst sein dritter Spielfilm. Sein zweiter, das mit drei Oscars belohnte Drama „Whiplash“, erzählt seine eigene Geschichte: Jene eines begeisterten Jazz-Musikers, der an der Härte der Ausbildung zu zerbrechen droht. Chazelle gab seine Karriere als Jazzer auf und wandte sich dem Film zu. Prima Idee in diesem Fall.

Der Film beginnt mit einer sensationellen Tanzszene auf einer Autobahn © Studiocanal

DIE KRITIK: Alles beginnt in einem Stau. „La La Land“ lenkt den ersten Blick auf einen überfüllten Highway in Los Angeles. Auf einmal steigt eine Frau aus ihrem Auto und fängt an, zu singen und zu tanzen. Andere tun es ihr nach. Und ehe man sich’s versieht, ist man mitten drin in einer höllisch swingenden Revue-Nummer für hundert Tänzer und hundert Autos und eine verstopfte Autobahn; minutenlang gefilmt in einer einzigen Kamerafahrt ohne erkennbaren Schnitt. Allein für diese Sequenz hätte der Film schon einen Academy Award verdient.
Die Protagonisten Sebastian (Ryan Gosling) und Mia (Emma Stone) kommen schon in dieser Eröffnungsszene ins Bild. Laut hupend fährt er an ihr vorbei. Doch kennenlernen werden sie einander erst später.
Was nun so richtig beginnt, ist ein  hinreißender Film über die Möglichkeit und die Unmöglichkeit der Liebe; über die Liebe zu Menschen und jene zur Kunst, und da wieder konkret zum Film und zur Jazzmusik.
Anfangs konfrontiert der Film seine Protagonisten mit dem Scheitern. Mia, die Schauspielerin, läuft Gefahr, durch die ständigen Abweisungen bei den Auditions ihr Selbstvertrauen zu verlieren. Seb, der Pianist, wird mit dem Rausschmiss bedroht, wenn er in einer Bar jene Musik spielt, die er am meisten liebt.
Emma Stone und Ryan Gosling, die in jeder Hinsicht  großartig spielen, sind in diesen Sequenzen  über zerplatzende Träume besonders gut. Das ist vermutlich kein Wunder, denn hinter fast jedem Star steckt eine Biografie, die reich ist an kleinen Niederlagen. Beide machen aber auch die Hartnäckigkeit glaubhaft, trotz aller frustrierenden Momente nicht aufzugeben. Oder zumindest fast nie aufzugeben.
In einer beschwingten Nacht treffen die beiden aufeinander. Und entbrennen füreinander. Der Moment, wenn sich ihre Hände erstmals berühren; wenn beide wissen, dass sich ihr Leben von nun an für immer verändert hat – das ist Kino-Magie pur.
Da „La La Land“ ein Musical ist, müssen die Darsteller immer wieder singen und tanzen. Der Film, der in der Gegenwart spielt, verbeugt sich in diesen Szenen vor dem üppigen Stil der Fünfziger-Jahre-Musikfilme.
Allerdings sind Emma Stone & Ryan Gosling nicht Ginger Rogers & Fred Astaire, sondern Schauspieler, die den Sprung hinüber zur Musik wagen, so gut es halt geht. Der Effekt: Die beiden verdienen nicht nur für ihr brillantes Spiel großen Applaus, sondern auch für die Bereitschaft, ihre Schwächen vor der Kamera zu zeigen.
Damien Chazelle inszeniert dieses beschwingte und zugleich tiefgründige, heitere und melancholische Spiel in bunten Farben, mit perfektem Rhythmus und coolen Pointen. Obendrein zeigt „La La Land“, was für eine herrliche, lebendige und aufregende Musik der Jazz ist. Bei diesem Film fangen auch Jazz-Verächter irgendwann an, mit den Fingern zu schnippen.
 
IDEAL FÜR: alle, die das Kino der Träume und großen Gefühle lieben.






Trailer
LÄNGE: 128 min
PRODUKTION: USA 2016
KINOSTART Ö: 12.01.2017
REGIE:  Damien Chazelle
GENRE: Komödie|Musikfilm|Romanze
ALTERSFREIGABE: jugendfrei


BESETZUNG
Emma Stone: Mia
Ryan Gosling: Sebastian
J. K. Simmons: Bill
John Legend: Keith