Kinders

Die heilende Kraft der Musik


FilmClicks:
„Kinders“: Wiener Volksschulkinder machen Musik und erzählen ganz hinreißend über ihr Leben © Golden Girls
DIE STORY:  „Kinders“ ist eine wunderbare Dokumentation über Kinder aus Wien und die heilende und stärkende Kraft der Musik.
Im Zentrum stehen Wiener Volksschüler, oft aus schwierigen Lebensverhältnissen, die in einem Projekt namens Superar zu singen oder ein Instrument zu spielen beginnen. Das Ziel ist es, die verborgenen Potenziale der Kinder und ihre Kreativität zu fördern.
Die Wiener Regisseure Arash und Arman T. Riahi, die Riahi Brothers, begleiteten die Kids mehr als ein Jahr lang. Sie haben als Protagonisten ausgesprochen originelle Kinder gefunden, die viel zu erzählen haben. Und die, je länger der Film dauert, auch immer besser (und lustvoller) musizieren.

Der Schauplatz ist egal - die Freude am Spiel ist entscheidend! © Golden Girls

DIE STARS: Die Brüder Arash und Arman T. Riahi – geboren im Iran und seit ihrer Kindheit in Wien – haben sich als Produzenten (mit ihrer Firma Golden Girls) und als Regisseure eine starke Position in der österreichischen Filmszene geschaffen. Mit der Doku „Everyday Rebellion“ etwa gewannen sie 2014/15 zehn internationale Auszeichnungen. Sie haben „Kinders“ unter dem Namen The Riahi Brothers gemeinsam inszeniert und produziert. Koproduzent des Films ist ServusTV.
Superar Austria ist eine Initiative, gegründet von den Wiener Sängerknaben, dem Wiener Konzerthaus und der Caritas, in der Kinder kostenlos in den Fächern Chor und Orchester unterrichtet und gefördert werden. Superar betreut derzeit 1200 Kinder in ganz Österreich.

Das Orchester der Kinder spielt von Probe zu Probe besser © Golden Girls

DIE KRITIK: „Mein Hauptgefühl ist Wut“, sagt das Mädchen. „Und ich hasse es, zu singen.“
Aussagen wie diese stehen am Anfang der Doku „Kinders“. Die meisten Kids, die hier vorgestellt werden, haben jeden Grund, wütend zu sein oder auch traurig oder sehnsuchtsvoll. Die einen verloren als Migranten ihre Heimat, die anderen wichtige Bezugspersonen wie den Vater, und es ist auch ein Mädchen dabei, das in seinen jungen Jahren schon eine Krebserkrankung überwunden hat.
Sie alle gehen in Wien nicht nur zur Schule (übrigens mit bemerkenswert guten Deutschkenntnissen), sondern sie gehen auch zum Musizieren zu Superar. Der Film begleitet sie dabei – und hält den erstaunlichen Wandel fest: Wie aus anfänglicher Ablehnung des Musikunterrichts schön langsam Begeisterung wird. Wie die verschlossenen Kids mehr und mehr Freundschaften schließen. Und schließlich: Wie aus den krächzenden und dahingekratzten Tönen des Beginns mit der Zeit wunderschöne Musik entsteht.
„Kinders“ erinnert manchmal an berühmte Musik-Spielfilme wie „Fame“ oder auch an die Casting Shows im Fernsehen: Hier wie dort werden Talente gesucht. Nur geht’s bei Superar nicht darum, im Rampenlicht zu stehen. Sondern darum, dass die Kinder ihre eigenen Talente entdecken. Und dadurch fröhlicher und selbstbewusster werden. Letzteres bringt sie nicht nur in der Musik voran, sondern auch beim Lernen und ganz generell bei ihrem Zugang zum Leben.
Die Regisseure, die Riahi Brothers, haben während des langen Drehs unendlich viel Material gesammelt, das sie höchst subtil montierten: Gelegentlich wirkt ihre Doku so aufregend wie ein Spielfilm.
Viele der Kids stammen aus Migrantenfamilien, und es ist – ein wichtiger Nebenaspekt des Films – einfach schön, zuzuschauen, wie natürlich die Integration in der Schule funktioniert. Da bemerkt man, dass Multi Kulti ein richtiger Schatz sein kann, auch wenn es natürlich Probleme mit unterschiedlichen Mentalitäten gibt, die nicht verschwiegen werden. Etwa dann, wenn ein muslimischer Mini-Macho seine Schwester in die Schranken weist, die mit ihren Freundinnen beim Kinder-Clubbing tanzen will.
„Kinders“ zeigt die Kinder in der Schule, bei ihren Familien und bei Superar-Sommercamps. Im Finale ist man zu Gast bei einem großen Festkonzert der Schüler im Wiener Konzerthaus, und da wird so herzerwärmend (und gut) musiziert, dass es eine wahre Pracht ist.
Manche Kids sind unterwegs aus dem Musikprogramm wieder ausgestiegen. Doch alle haben sich weiterentwickelt. Und einigen gelang sogar ein großer Sprung.
Ein trauriger Zuwandererbub etwa, der zu Beginn des Films vorwiegend mit seinem Stofftier spricht, ist dank seiner glockenhellen Stimme nun bei den Wiener Sängerknaben. Und das wütende Mädchen vom Beginn hat keine Zeit mehr, das Singen zu hassen: „Sie übt für ihre Karriere als Sängerin.“ Na dann viel Glück!
 
IDEAL FÜR: alle Musikliebhaber und für Filmfreunde, die Geschichten voller positiver Energie lieben. 






Trailer
LÄNGE: 95 min
PRODUKTION: Österreich 2016
KINOSTART Ö: 11.11.2016
REGIE:  Arash T. Riahi, Arman T. Riahi
GENRE: Dokumentation



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