Free Lunch Society - Komm Komm Grundeinkommen

Ein Honorar dafür, dass man lebt


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„Free Lunch Society“: Wie wär's, wenn jeder Bürger jeden Monat Geld bekäme, ohne arbeiten zu müssen? © Filmladen
DIE STORY: „Free Lunch Society“ ist eine sehr informative und zugleich äußerst unterhaltsame Doku aus Österreich über das Debattenthema, allen Bürgern ein bedingungsloses Grundeinkommen zu gewähren.
Der Film ist reich an verblüffenden Informationen – zum Beispiel, wenn man erfährt, dass schon vor Jahrzehnten  US-Präsidenten wie Lyndon B. Johnson und auch Richard Nixon dieser Idee sehr positiv gegenüberstanden. Und in Alaska, noch ein Beispiel, gibt es seit vielen Jahren die Einrichtung, dass jeder Bürger jedes Jahr einen (meist vierstelligen) Dollarbetrag bekommt, der aus den Erdöl-Einkünften des Staates finanziert wird.
Regisseur Christian Tod holte in der ganzen Welt Stimmen ein, die das Für und Wider des Grundeinkommens erörtern. Allerdings bekommt man mehr das Für zu hören – erstaunlicherweise häufig aus dem Mund eher konservativer Denker. Zu den Gesprächspartnern der Filmemacher gehören etwa der deutsche Unternehmer Götz Werner (DM Drogeriemärkte), der französische Ökonom Emmanuel Saez und der libertäre US-Politikwissenschaftler Charles Murray.
Auch Captain Picard aus der Kultserie „Startrek“ debattiert mit. Der sprach schon vor vielen Jahren in einer Folge, „Wir sind im 24. Jahrhundert. Materielle Nöte existieren nicht. Sie können sich weiterentwickeln, Ihr Wissen vergrößern. Genießen Sie es!“

Die Diskussion ist eröffnet: Nachdenken über das Grundeinkommen © Filmladen

DIE STARS: Der österreichische Dokumentarfilmer Christian Tod ist studierter Volkswirt. Über die Herangehensweise an „Free Lunch Society“ sagt er: „Ich beschloss, meinen nächsten Film dem Grundeinkommen zu widmen und dafür eine Sprache zu finden, die meine unterschiedlichen Prägungen synthetisiert: Punk, Wissenschaft und Science Fiction.“

Götz Werner, Chef der DM Drogeriemärkte, befürwortet das Grundeinkommen © Filmladen

DIE KRITIK: Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger – auf den ersten Blick klingt diese Idee völlig utopisch. Gewiss, wohl jeder könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass jeden Monat ein Scheck ins Haus flattert, den man einfach so bekommt. Ohne Arbeit. Quasi als Honorar dafür, dass man lebt.
Natürlich existieren unzählige Einwände gegen so eine Idee. Der Filmtitel bezieht sich auf das amerikanische Sprichwort „There is no such thing like a free lunch“ – salopp übersetzt: Im Leben bekommt man nichts umsonst.
Aber es hat in der Vergangenheit schon einige Male lokal begrenzte Experimente gegeben, in Kanada zum Beispiel, das Grundeinkommen auszuprobieren. Eine der wichtigsten Erkenntnisse damals, so der Film: Nur ein geringer Teil der Leute nutzte den Geldregen dazu, die Erwerbsarbeit einzustellen. Nicht wenige aber verlegten sich auf Tätigkeiten, die mehr mit ihren Interessen zu tun hatten als ihr angestammter Job.
Ein wichtiger Aspekt. Denn, so DM-Chef Götz Werner im Film: „Menschen neigen dazu, Macht ausüben zu wollen. Deswegen haben sie eine innere Abneiguing gegen das Grundeinkommen. Sie können den Menschen nicht mehr mit seinem Arbeitsplatz und dessen Verlust bedrohen.“
Schön und gut, aber: Wie soll das bedingungslose Grundeinkommen bezahlt werden? Hier bleibt „Free Lunch Society“, und das ist eine der Schwächen des Films, nebulos. Es werden keine konkreten Finanzierungsmodelle vorgestellt. Vermutlich wären Teile der Sozialausgaben von heute, die ja auch ein Grundeinkommen sein können, in so einem Budget mit drin.
Aber  einige Wissenschaftler stellen die plausible These auf, dass uns langfristig gar nichts anderes überbleibt, als die Menschen nicht nur für die Arbeit zu bezahlen. Denn wenn die Prognosen stimmen, werden ja in den nächsten Jahrzehnten unermesslich viele Jobs an Computer und Roboter übergeben – aber die Menschen sind dann weiterhin da. Die brauchen dann die Mittel, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Und die Konzerne brauchen Kunden, die ihre Produkte bezahlen können.
Ganz egal, was die Zukunft bringen wird: „Free Lunch Society“ ist ein packender Film, der zum Nachdenken anregt und zum Diskutieren. Und ein bisschen auch zum Träumen.
 
IDEAL FÜR: Filmfreunde, die wissen wollen, wie es langfristig mit ihren Finanzen weitergehen könnte – und die neugierig sind auf unkonventionelle Gedanken.






Trailer
LÄNGE: 95 min
PRODUKTION: Österreich / Deutschland 2017
KINOSTART Ö: 05.05.2017
REGIE:  Christian Tod
GENRE: Dokumentation
ALTERSFREIGABE: jugendfrei



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