Eine fantastische Frau

Wenn das Andere an der Tür klopft


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„Eine fantastische Frau“: Marina (Daniela Vega) und Orlando (Francisco Reyes) sind ein Paar © Polyfilm
DIE STORY: Das Transgender-Drama „Eine fantastische Frau“ ist die Geschichte von  Marina (Daniela Vega), die bis vor kurzem noch Daniel hieß. Aber nun lebt sie als Frau in Santiago de Chile. Hat mit dem Unternehmer Orlando (Francisco Reyes) einen - wenn auch wesentlich älteren - Mann fürs Leben gefunden.
Als Orlando überraschend stirbt, kommt es zum Eklat mit seiner Familie. Orlandos Ex-Frau und sein Sohn machen Marina das Leben zur Hölle. Sie soll aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Sie soll alles abgeben, was der Meinung der Familie nach ihr nicht gehört. Erst ist Marina schockiert ob so viel Chauvinismus und Rassismus. Dann beginnt sie, sich zu wehren.

Die Newcamerin Daniela Vega beeindruckt in der Rolle der Marina © Polyfilm

DIE STARS: Das Drama „Eine fantastische Frau“ wird vor allem von einer Schauspielerin getragen - der Newcomerin Daniela Vaga. Sie spielt die Transgender-Frau Marina mit bewundernswerter Hingabe. Innerlich ist sie zerrissen, welche Rolle sie künftig in der Gesellschaft spielen will. Statt langsam ihren Platz zu finden, muss sie in einen Kampf mit der Familie ihres verstorbenen Freundes eintreten, in dem es nur Verlierer geben kann.

Nach dem Tod von Orlando steht Marina in jeder Hinsicht im Gegenwind © Polyfilm

DIE KRITIK: Der chilenische Filmemacher Sebastián Lelio hatte schon vor vier Jahren mit dem hinreißenden Film „Gloria“ unter Beweis gestellt, dass er starke Frauen unglaublich gut in Szene setzen kann. In „Eine fantastische Frau“ setzt er diese filmische Reise fort. Und er hat dafür auf einigen Festivals Preise abgeräumt (zum Beispiel den Silbernen Bär fürs beste Drehbuch bei der Berlinale).
„Eine fantastische Frau“ ist kein Film, den man eben so mal leicht wegguckt. Denn er legt mit Absicht seinen Finger in eine gesellschaftliche Wunde. Was passiert, wenn wir mit ungewohnt fremden Lebensentwürfen  konfrontiert werden? Wenn dieses andere Wesen nicht nur an unserem Leben teilnimmt, sondern auch Anspruch auf etwas hat, das wir unser Eigen nennen? 
Im Film hat der Familienvater Orlando seine Frau und seine erwachsenen Kinder zurückgelassen, um künftig mit der deutlich jüngeren Transgender Marina zusammenzuleben. Als Orlando stirbt, werden aus den offenen Fragen der Familie bald Forderungen. Die Andere soll auf keinen Fall etwas vom Erbe bekommen. Dazu ist Orlandos Nachfahren jedes Mittel - auch reichlich Gewalt - recht.
Der Zuschauer sucht in „Eine fantastische Frau“ lange nach Menschen, die man mag, denen man die Daumen drückt. Ständig ist Marina von besitzergreifenden Idioten umgeben, die hin und wieder schon wie die reinen Klischees wirken.
Nur Marina bleibt als Sympathieträgerin, die den Kampf um ihr Ich letzten Endes gewinnt. Nach einer komplett sinnlosen Schlacht. Aber wer weiß schon, wie man selbst reagiert, wenn das/die/der Andere an unsere Tür klopft und etwas möchte?
 
IDEAL FÜR: Arthaus-Kinogänger, die gern bewegenden Schicksalen zusehen.






Trailer
LÄNGE: 104 min
PRODUKTION: Chile 2017
KINOSTART Ö: 06.10.2017
REGIE:  Sebastián Lelio
GENRE: Drama
ALTERSFREIGABE: ab 16


BESETZUNG
Daniela Vega: Marina
Francisco Reyes: Orlando

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