Die beste aller Welten

Eine heile Welt in einer kaputten Welt


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„Die beste aller Welten“: Adrian (Jeremy Miliker) und seine Mutter Helga (Verena Altenberger) © Polyfilm
DIE STORY: „Die beste aller Welten“ liegt im Debütfilm von Adrian Goiginger am Stadtrand von Salzburg, in Liefering. Dort lebte der Regisseur als Kind mit seiner Mutter. Die Geschichte dieser beiden wird nun im Kino erzählt.
Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) wächst in einem Umfeld der Extreme auf. Von seiner Mutter Helga (Verena Altenberger) bekommt er alle Liebe, Unterstützung und Solidarität, die sich ein Junge nur wünschen kann – allerdings nicht immer.
Denn Helga ist ein Junkie. Sie taucht regelmäßig in den Dämmerzustand ab, wenn sie sich den nächsten Schuss Heroin gesetzt hat. Und sie lebt mit ihrem Partner Günter (Lukas Miko) in einem Freundeskreis anderer Junkies, die treffsicher die Negativspirale in Gang setzen, wenn jemand aus der Gruppe (zum Beispiel Helga) den Ausweg sucht.
Adrian schaut den Erwachsenen mit großen Augen beim wilden Leben zu und denkt sich seinen Teil. Er ist, wenn es um schrille Aktionen geht, selbst kein Kind von Traurigkeit. Schließlich ist es sein Berufsziel, Abenteurer zu werden. Aber wenn er sich mit seinen Aktivitäten mal wieder schwer in die Nesseln setzt, ist stets seine Mutter zur Stelle, die den Knaben wieder aus der Bredouille rauszieht.
Mutter und Sohn leben unter der ständigen Bedrohung, dass der freundliche Herr Hütter vom Jugendamt (Michael Fuith) ihrer Zweisamkeit ein Ende bereitet angesichts der problematischen äußeren Umstände. Als sich ein Dealer, genannt der Grieche (Michael Pink), in Helgas Wohnung den Goldenen Schuss setzt und stirbt, weiß die Frau, dass es für sie nun ums Ganze geht, wenn sie vermeiden will, von Adrian getrennt zu werden.

Wunderbares Duo: Verena Altenberger und Jeremy Miliker als Mutter und Sohn © Polyfilm

DIE STARS: Der erst 26-jährige Salzburger Autor/Regisseur Adrian Goiginger hat mit „Die beste aller Welten“ einen grandiosen Erstling vorgelegt, wie er nur wenigen Regisseuren gelingt. Bei Festivals von der Berlinale bis zur Diagonale wurde er für seinen Film gefeiert und auch mit Preisen bedacht.
Die Salzburger Schauspielerin Verena Altenberger erzielte mit einer kleinen Rolle in Stefan Ruzowitzkys Thriller „Die Hölle“ große Wirkung. In der Titelrolle der RTL-Serie „Magda macht das schon“ zeigt sie derzeit, dass sie auch Komödie kann. Für den Part der  liebenden und leidenden, mutigen und depressiven Mutter in „Die beste aller Welten“ erhielt sie den Schauspiel-Preis der Diagonale 2017.
Der junge Jeremy Miliker aus St. Johann im Pongau erweist sich als Kinderdarsteller-Talent, wie man es in den USA gelegentlich, in Europa aber nur höchst selten findet. Mit unglaublicher Natürlichkeit und Frische schenkt er dem kleinen Adrian so viel Authentizität, als würde er den Buben nicht spielen, sondern selbst Adrian sein.

Junkies unter sich: Das Leben mit der Sucht wird beinhart geschildert © Polyfilm

DIE KRITIK: „Wegen dir ist meine Kindheit im Arsch“, sagt der kleine Adrian im Film einmal ganz ernsthaft zu seiner Mutter Helga. Aber in Wahrheit handelt „Die beste aller Welten“ vom genauen Gegenteil.
Dieser Glücksfall von einem Film porträtiert eine junge Frau, die es trotz einer denkbar schlechten Ausgangslage – Drogensucht, Depression, Hoffnungslosigkeit – schafft, ihrem Sohn  eine fantastische und zärtliche Mutter zu sein. Und es geht um einen Jungen, der zwar schon sehr früh mit den Schattenseiten der Existenz konfrontiert wird, doch von seiner Mutter so viel Liebe und positive Kraft mitbekommt, dass ihm seine Kindheit im Rückblick eben als die beste aller Welten erscheint.
Adrian Goigingers Drama ist beinhart, wenn es um die Schilderung der Drogenabhängigkeit geht. Er zeigt, wie die Junkies alles Denken und Fühlen dem Heroin unterordnen, das sie ganz akut brauchen oder demnächst brauchen werden oder zum Verkauf verstecken. Er zeigt auch, wie komplett ichbezogen sich die Junkies vom sozialen Zusammenleben entfernen. Es wird hysterisch gebrüllt und gekeift, gestritten und gesoffen.
Manchmal gesellt sich zur Hemmungs- auch die Verantwortungslosigkeit. In der schlimmsten Szene des Films versucht einer der Junkies, den siebenjährigen Adrian mit Wodka abzufüllen. Der wehrt sich nach Kräften, hätte aber letztlich keine Chance gegen den viel stärkeren Mann – würde nicht in der letzten Sekunde seine Mutter ins Zimmer kommen, die den Wodka-Typen mit furienhafter Wut aus der Wohnung vertreibt (in die er später freilich wieder zurückkommen darf).
Verena Altenberger spielt diese Helga grandios mit ultrarealistischer Brutalität und Zärtlichkeit. Statt eines Make Up trägt sie die Flecken im Gesicht, die für Junkies typisch sind. Ihre Augen sind stumpf, ihre Handlungen bisweilen erratisch.
Helgas größter Traum wäre  es, sich von der Droge zu lösen. Doch sie weiß genau, dass sie das (noch) nicht schafft. So bekommen ihre Augen – und ihr Leben – nur dann Glanz, wenn es um den Buben geht. Sie beschützt und unterstützt ihren Sohn mit allen Kräften, zu denen sie fähig ist. Zugleich ist der Sohn aber auch ein Rettungsanker für sie, der sie davor bewahrt, komplett in der Selbstzerstörung zu versinken.
Jeremy Miliker gibt dem kleinen Adrian so viel Elan, Charme, Phantasie und (gelegentlich dumme) Ideen, als würde er schon sein ganzes junges Leben lang vor der Kameras stehen. Das Zusammenspiel von Verena Altenberger und Jeremy Miliker funktioniert traumwandlerisch. Die Zärtlichkeit und gegenseitige Zuneigung dieses Mutter-Sohn-Gespanns schenkt dem Film die entscheidende Dimension, die das Drama zum wahren Kino-Ereignis macht.
So kann man Autor/Regisseur Adrian Goiginger und dem ganzen Team nur gratulieren zu einem rundum gelungenen Film, der zeigt, wie viel heile Welt auch in einer kaputten Welt zu erblühen vermag.
 
IDEAL FÜR: alle, die sich von einer schlimmen und zugleich wunderschönen Familiengeschichte berühren lassen wollen.






Trailer
LÄNGE: 103 min
PRODUKTION: Österreich 2017
KINOSTART Ö: 08.09.2017
REGIE:  Adrian Goiginger
GENRE: Drama
ALTERSFREIGABE: ab 14


BESETZUNG
Verena Altenberger: Helga Wachter
Jeremy Miliker: Adrian Wachter
Lukas Miko: Günter Goiginger
Michael Pink: Grieche
Michael Fuith: Herr Hütter

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