Die Wunderübung

Schritte in die friedliche Richtung


FilmClicks:
Aglaia Szyszkowitz und Devid Striesow als zerstrittenes Paar beim Therapeuten (Erwin Steinhauer) © Luna
DIE STORY:  „Die Wunderübung“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bühnen-Hits von Daniel Glattauer.
Der Plot: Den Eheleuten Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) ist im Lauf der Jahre die Liebe abhandengekommen. Die Zärtlichkeit und die Vertrautheit von einst sind verschwunden. Mittlerweile kann jeder harmlose Dialog zwischen den beiden einen wilden Streit auslösen.
Doch Joana und Valentin schaffen es (noch?) nicht, einander loszulassen und eigene Wege zu gehen. Um zu retten, was zu retten ist, haben sie sich zu einer Paartherapie angemeldet. Das Behandlungszimmer ist der Schauplatz des Films. Der Therapeut Harald (Erwin Steinhauer) hört und schaut sich die Wortgefechte seiner neuen Schützlinge erst einmal an. Er gibt Tipps; er leitet sie zu Rollenspielen und Übungen an. Kann das Wunder gelingen, das verkrachte Paar zu alter Harmonie zu geleiten?

Schatten und Licht: Valentin (Striesow) nickt ein, Joana (Szyszkowitz) träumt © Luna

DIE STARS: Der Wiener Regisseur Michael Kreihsl („Liebe möglicherweise“) und die aus Graz stammende Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz („Einsatz in Hamburg“) arbeiteten schon bei der Bühnen-Uraufführung von „Die Wunderübung“ zusammen. Die Produktion wurde zum großen Publikumserfolg an den Wiener Kammerspielen mit mehr als 90 Vorstellungen.
Für die Kinoversion holte Kreihsl den Berliner Devid Striesow ins Team, mit dem er schon „Liebe möglicherwiese“ drehte. Striesow, einer der führenden Schauspieler der deutschen Szene, macht immer wieder Abstecher zu österreichischen Produktionen – von Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“ bis zu Barbara Alberts „Licht“.
Erwin Steinhauer, der den Therapeuten spielt, ist seit Jahrzehnten ein Star des österreichischen Theaters und Films. Man sah ihn zuletzt in Produktionen wie „Die Toten von Salzburg“, „Thank You For Bombing“ oder „Das finstere Tal“.

Rolenspiele: Wem gebührt die güldene Krone? © Luna

DIE KRITIK: Wer kennt sie nicht: Die Paare, die so grandios miteinander zerstritten sind, dass sie offenkundig nicht miteinander leben können. Ohne einander allerdings auch nicht. Weil sie, wenn schon nicht in der Liebe, so doch im Streit immer wieder aneinander Halt finden.
Der freundlich-distanzierte Therapeut Harald betritt also vertrautes Gelände, als er er das streitbare Paar Joana und Valentin empfängt. Auf die Frage, was die beiden von der Therapie erhoffen, antwortet Valentin mit „Frieden“ und Joana mit „Schritten in die richtige Richtung“. Des Therapeuten Vorschlag zur Güte: Wie wär’s denn mit gemeinsamen Schritten in die friedliche Richtung?
„Die Wunderübung“ erzählt in 90 Minuten und in Echtzeit, wie schwer es den Eheleuten fällt, sich diesem simplen Vorschlag anzunähern. Michael Kreihsl hat ein Kino-Kammerspiel inszeniert, das kaum jemals den  Raum verlässt. Da Daniel Glattauers Text schöne Pointen bereithält, nutzen die drei Darsteller die Gelegenheit, zu glänzen,
Aglaia Szyszkowitz  porträtiert die Joana als ständig empörungsbereite Frau, die in allem, was ihr Gemahl sagt (und noch mehr in dem, was er nicht sagt) Verrat und Betrug wittert. Devid Striesow legt den Valentin als ermatteten Dulder an, der angesichts der Wortgewitter seiner Holden eine tiefe Sehnsucht nach Stille ausstrahlt (was Joana natürlich nur umsomehr auf die Palme bringt). 
Nebstbei: Der verschlossene Valentin, wie sein Darsteller Striesow ein Zugereister aus Deutschland, hat es sich offenbar in den Kopf gesetzt, den Therapeuten stets mit Herr Magister anzusprechen. Gleichzeitig tut er sich schwer damit, dem österreichischen Titel-Wahn zu folgen. Wie er sich müht und windet, dieses „Herr Magister“ hervorzustoßen, daraus macht Devid Striesow eine köstliche Nummer.
Erwin Steinhauer schließlich, als Magister und Therapeut, verfolgt die Wortgefechte seiner Patienten mit hellwacher Aufmerksamkeit, die er freilich gern hinter vorgetäuschter Distanz verbirgt. Da kann’s schon sein, dass er gleichmütig einen Snack löffelt, während Joana und Valentin einander neue seelische Wunden zufügen. Harald ist insofern ein neutraler Beobachter, als er für beide Kontrahenten Sympathien hegt. Und eine Trennung scheint ihm keinesfalls das passende Resultat für diese Paartherapie zu sein.
Regisseur Michael Kreihsl verdichtet die Schauspielkunst seines Trios mit hohem Tempo und feinem Rhythmusgefühl zu einer Komödie, in der die Pointen lange Zeit nur so dahinperlen.
Natürlich drängt sich der Vergleich auf zu einer ähnlichen Familienaufstellung; zu „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza (verfilmt von Roman Polanski). Da erweist sich aber dann doch, dass „Der Gott des Gemetzels“ mehr Überraschungen und Tiefgang zu bieten hat als „Die Wunderübung“. Das liegt nicht an Michael Kreihsl und seinem Cast; die holen alles aus der Glattauer-Story heraus, was drinsteckt. Aber Yasmina Rezas Text ist einfach noch eine große Prise abgedrehter, galliger und sarkastischer als die freundliche „Wunderübung“.
 
IDEAL FÜR: alle Paare, die neugierig darauf sind, wie es bei anderen Paaren konfliktmäßig so zugeht. Und natürlich für die Fans von „Die Wunderübung“, dem Theaterstück, und von den Büchern Daniel Glattauers. 






Trailer
LÄNGE: 91 min
PRODUKTION: Österreich 2018
KINOSTART Ö: 02.02.2018
REGIE:  Michael Kreihsl
ALTERSFREIGABE: jugendfrei


BESETZUNG
Erwin Steinhauer: Therapeut Harald
Devid Striesow: Valentin Dorek
Aglaia Szyszkowitz: Joana Dorek

News
Die Wunderübung
Daniel Glattauers Bühnen-Hit „Die Wunderübung“ kommt demnächst ins Kino. Regisseur Michael Kreihsl verfilmt die Paartherapie-Komödie mit Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow und Erwin Steinhauer in Wien. Mehr...
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