Der letzte Tanz

Die große Erni liebt noch einmal


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„Der letzte Tanz“ : Daniel Sträßer und Erni Mangold © Stadtkino Wien
DIE STORY: „Der letzte Tanz“ beginnt als Kriminalstück und wandelt sich zu einer Geschichte zärtlicher Zuneigung: Der Zivildiener Karl (Daniel Sträßer) wird von der Polizei verhaftet, weil er angeblich eine alte, wehrlose und entmündigte Frau sexuell missbraucht haben soll. Seine Mutter (Marion Mitterhammer) ist fassungslos, ihr sind aber die Hände gebunden. Karl wandert in Untersuchungshaft.
Im zweiten Teil des Films erzählt eine Rückblende, wie es zu dem schwerwiegenden Vorwurf kam: Karl, der mit seiner Schul-Liebe liiert ist, beginnt seinen Zivildienst in einem Altenheim. Dort lernt er die störrische Demenzpatientin Frau Eckert (wunderbar: Erni Mangold) kennen. Karl ist bald der einzige, den Frau Eckert als Pfleger akzeptiert. Während sie die Schwestern der Station fortwährend mit Zickereien ärgert, blüht sie in den Stunden, in denen Karl im Heim ist, regelrecht auf. Er interessiert sich für Frau Eckert und ihr Leben, spielt ihr Opernmusik am MP3-Player vor und liest für sie aus Büchern. Dem Pflegepersonal kommt diese „Beziehung“ reichlich seltsam vor, weshalb man für Karls Versetzung votiert. Schließlich erwischt man Karl beim Sex mit Frau Eckert. Auf sein Gerichtsurteil wartend, versteht der junge Mann die Welt nicht mehr.

Berührende Begegnung: Der Zivi Karl (Daniel Sträßer) und die Patientin Frau Ecker (Erni Mangold) © Stadtkino Wien

DIE STARS: Erni Mangold ist mit 87 Jahren nicht nur die Grand Dame des österreichischen Theaters (mit regelmäßigen Auftritten unter anderem im Theater in der Josefstadt), sondern auch die wohl dienstälteste Schauspielerin des Landes. Sie spielte seit den 50er Jahren in unzähligen Filmen, doch „Der letzte Tanz“ ist etwas Besonderes: Die späte Hauptrolle brachte ihr bei der Diagonale in Graz dieses Jahr den Preis als beste Darstellerin - „eine Ehre, die ich noch nie für einen Film bekam“, freute sich Mangold. Daniel Sträßer zählt zu den Rising Stars im Ensemble des Wiener Burgtheaters.
 
DIE KRITIK: Regisseur Houchang Allahyari („Welcome to Vienna“) hat mit „Der letzte Tanz“ einen thematisch schwierigen Stoff aus der eigenen Feder umgesetzt. Allahayri, selbst im Hauptberuf Psychiater (und lange Zeit in einem Gefängnis beschäftigt), berichtet nicht nur vom Alltag der Justiz, sondern auch vom Zustand des Pflegewesens in Österreich.
Das Tabuthema „Sex im Alter“ behandelt er hier sehr behutsam und sachte, nicht jedoch ohne Nachdruck. Seine Bilder wechseln vom kalten Schwarzweiß der ersten Filmhälfte, als Karl in U-Haft sitzt, zu einer farbenfrohen Frühlings-Stimmung, wenn er von der Beziehung zwischen Karl und Frau Eckert berichtet. Diese simple Idee ist wirkungsvoll, und doch wirkt sie wie ein Bruch in der Dramaturgie, deren harmonischer Fortgang dadurch etwas gestört scheint.
Dennoch: „Der letzte Tanz“ ist gut gespieltes Austro-Kino von gesellschaftspolitisch hoher Relevanz. Zu Recht gebührte Allahyari dafür heuer im März der Große Diagonale Preis in der Kategorie Spielfilm. Für Erni Mangold ist es eine dankbare, wundervolle Altersrolle, in der sie als liebenswürdige Demenz-Kranke brilliert. Und sie hat, mit 87 Jahren, darin ihre allererste Sexszene.

IDEAL FÜR: Freunde des österreichischen Films und die zahlreichen Anhänger von Theater- und Film-Legende Erni Mangold.






Trailer
LÄNGE: 96 min
PRODUKTION: Österreich 2013
KINOSTART Ö: 11.06.2014
REGIE:  Houchang Allahyari
GENRE: Drama


BESETZUNG
Erni Mangold: Frau Ecker
Daniel Sträßer: Karl

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