Der Nussknacker und die vier Reiche

Clara im Wunderland


FilmClicks:
„Der Nussknacker und die vier Reiche“: Clara (Mackenzie Foy, r.) und die Zuckerfee (Keira Knightley) © Disney
GESAMTEINDRUCK: „Der Nussknacker und die vier Reiche“ ist ein großer Familienfilm im Disney-Stil, der mit gigantischen Schauwerten prunkt und der seine Story (sehr frei) von berühmten Künstlern bezieht: von E.T.A. Hoffmann und Pjotr Iljitsch Tschaikowski.
 
DIE STORY: Die junge Clara (Mackenzie Foy), die unter dem frühen Tod ihrer Mutter leidet, betritt durch einen Zauber ihres Onkels Drosselmeyer (Morgan Freeman) eine wundersame Parallelwelt, die vier Reiche. Dort will sie den Schlüssel zu einem geheimnisvollen Schmuckstück finden, das ihr von der Mutter hinterlassen wurde. Clara gerät aber bald zwischen die Fronten eines Konflikts, in den die exzentrische Zuckerfee (Keira Knightley) und die düstere Mutter Ginger (Helen Mirren) verstrickt sind. Als kämpferische Friedensfreundin greift Clara ein, um wieder für Eintracht in den Zauberreichen zu sorgen. Dabei findet sie den Schlüssel, der ihr einen neuen Blick auf das Wesen der Mutter und auf ihren eigenen Lebenspfad eröffnet.

Helen Mirren glänzt als düstere Mutter Ginger © Disney

DIE STARS:  Die 18-jährige Kalifornierin Mackenzie Foy machte sich als Murphy Cooper in Christopher Nolans Science-Fiction-Drama „Interstellar“ einen Namen. Ihre wichtigsten Partnerinnen in „Der Nussknacker“ stammen aus England: Keira Knightley (Oscar-Nominierung für „Stolz und Vorurteil“) und Helen Mirren (Oscar für „Die Queen“) sind einander auf der Leinwand in herzlicher Abneigung verbunden.
Zur Gilde der Oscar-Gewinner zählt auch Morgan Freeman („Million Dollar Baby“), dessen Rollenname Onkel Drosselmeyer daran erinnert, dass die Geschichte vom Nussknacker einen deutschen Ursprung hat.

Bei Hofe: Clara und Philip, der Nussknacker (Jayden Fowora-Knight) © Disney

DIE KRITIK: Die Erzählung „Nussknacker und Mäusekönig“ von E.T.A. Hoffmann und das Ballett „Der Nussknacker“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Diese zwei Klassiker der europäischen Kultur  bilden das Fundament zum neuen Hollywood-Blockbuster aus dem Hause Disney. Natürlich haben die Filmleute heftig an den Handlungssträngen gezogen und etliche Details neu strukturiert. Doch dabei entstand ein Plot, der jedes Kind fesseln wird und viele Erwachsene auch (vorausgesetzt, sie schalten im Kino ihren persönlichen Märchen-Modus ein).
Wenn es die junge Hauptfigur Clara nach einem verhaltenen Film-Auftakt in die zauberischen vier Reiche verschlägt, dann erinnert das ein wenig an „Alice im Wunderland“, nur mit frischem Personal.
Als erstes begegnet Claire einer trickreichen Maus, die ihr den ersehnten Schlüssel wegschnappt und ihn um keinen Preis wieder hergeben will. Bei der zuckersüßen Zuckerfee darf erstmal gelacht werden (Keira Knightley liefert als Prototyp einer megazickigen Zicke eine Prachtleistung ab). Der monströse Mäusekönig hingegen, dessen Körper aus Tausenden Mäusen zu bestehen scheint, lädt zum Fürchten ein. Und die finstere Mutter Ginger (Helen Mirren strahlt mehr Kälte aus als jeder Gefrierschrank) residiert zwar auf einem verspielten Rummelplatz, hat aber rein gar keine spielerischen Vergnügungen zu bieten.
Und wo bleibt der Nussknacker aus dem Filmtitel? Der steckt in der Uniform eines Hauptmanns, hört auf den Namen Philip (Jayden Fowora-Knight) und ist bemüht, der kleinen Clara das Dasein im Zauberreich so stressfrei wie möglich zu gestalten. Was nicht leicht ist, denn es wird intrigiert und taktiert und gekämpft und Krieg geführt (von einer Armee aus riesigen Zinnsoldaten!), dass es nur so kracht.
Regisseur Lasse Hallstrom („Gottes Werk und Teufels Beitrag“) dirigiert das große Ensemble mit sicherem Händchen für starke Effekte. Die DarstellerInnen, voran Keira Knightley, agieren mit dem Mut zur großen Geste. Die junge Mackenzie Foy liefert - mal trotzig, mal verschreckt, mal entschlossen - eine feine Talentprobe ab.
Das sensible Schauspiel, das gelegentlich an Schmalz & Kitsch anstreift, ohne darin zu ertrinken, wird optisch wie akustisch auf edle Weise umrahmt. Für den guten Ton sorgt vor allem die „Nussknacker“-Ballettmusik von Tschaikowski, die Filmmusik-Komponist James Newton Howard in seinen Soundtrack integriert hat. Und für die Optik sorgt eine Ausstattungsabteilung, die in Höchstform agiert.
Natürlich gibt es starke Momente aus dem Trickcomputer, aber „Der Nussknacker und die vier Reiche“ arbeitet erkennbar mit vielen handgefertigten Kulissen und Kostümen. Wenn dann die Bühnenmaschine auf vollen Touren ächzt und zittert und rumort, beginnt man immer wieder zu staunen. Um einen Vergleich mit der Spielzeugwelt zu bemühen: Dieser Film arbeitet mit echtem Holz und kunstvoll modelliertem Metall anstatt mit billigem Plastik. Chapeau!
 
IDEAL FÜR: Freunde opulenter Ausstattungsfilme, die an einer märchenhaften Geschichte ihrer Freude haben.






Trailer
LÄNGE: 100 min
PRODUKTION: USA 2018
KINOSTART Ö: 01.11.2018
REGIE:  Lasse Hallström
GENRE: Abenteuer|Familie/Kinder|Fantasy
ALTERSFREIGABE: ab 6


BESETZUNG
Mackenzie Foy: Clara
Keira Knightley: Zuckerfee
Helen Mirren: Mutter Ginger
Jayden Fowora-Knight: Philip, der Nussknacker
Morgan Freeman: Onkel Drosselmeyer