Das Glück der grossen Dinge

Ein Scheidungskind wird zum Spielball


FilmClicks:
„Das Glück der großen Dinge": Susanna (Julianne Moore) mit Tochter Maisie (Onata Aprile) © Polyfilm
DIE STORY: Die sechsjährige Maisie leidet in „Das Glück der großen Dinge" unter der Trennung der Eltern (Julianne Moore & Steve Coogan). Wie ein Spielball wird sie hin und her geworfen. Neue Freunde, die sie viel besser verstehen als Mutter und Vater, findet sie in den neuen Ehepartnern der Eltern. Am Ende des Films wird Maisie genug erlebt haben, um selbst ein Wort mitzureden, wer sie in Zukunft erziehen soll.      
DIE STARS: Julianne Moore als alternder Rockstar ist hinreißend, ihr neuer Gatte Alexander Skarsgard wie immer eine Augenweide, Steve Coogan als Ex-Ehemann spielt sehr solide. Die wahre Sensation des Films aber ist Onata Aprile. Wie das junge Mädchen das irre Geschehen um sie herum beobachtet und daran wächst, das bricht einem in manchen Szenen das Herz.     
KURZKRITIK: „Das Glück der großen Dinge“ ist ein sehr liebevoller Arthaus-Streifen, der scheinbar „nur“ vom Ende einer Ehe und dem darauf folgenden Neustart erzählt. In Wahrheit aber wird hier in lockerem, aber dennoch angemessen ernstem Ton ein Familien-Modell der Zukunft verhandelt. Vor einer Weile war das Wort Patchwork-Familie mal in aller Munde. Hier kann man perfekt sehen, wie man das dieses Modell leben kann. 
IDEAL FÜR: alle, denen „Kramer gegen Kramer“ damals zu schwerblütig war. Die Regisseure Scott McGehee und David Siegel schaffen es, trotz der sehr ernsten Faktenlage, dem Film viel Charme und einen Tupfer Leichtigkeit zu geben.
FilmClicks Kritik. Was macht man, wenn man sich entliebt hat? Wenn vom großen Glück nichts mehr da ist als das das Produkt der Liebe, das gemeinsame Kind? Diese Fragen klingen topaktuell. Sie haben aber die Filmer und Schriftsteller schon zu allen Zeiten beschäftigt. Der englische Autor Henry James, dessen Werke wie „The Wings of a Dove“, „The golden bowle“ oder „Portrait of a Lady“ schon oft den Weg auf die Leinwand fanden, schrieb bereits 1897 „What Maisie knew“. Die Geschichte von Maisie, die miterleben muss, wie die Trennung der Eltern verläuft, dass sich die Eltern selbst viel wichtiger nehmen als die Liebe zu ihrer Tochter.
 
Sehr behutsam wurde die Geschichte nun ins New York unserer Tage verfrachtet. Die Rocksängerin Susanna (Julianne Moore) ist in die Jahre gekommen und träumt noch einmal von einem Comeback. Der Kunsthändler Beale (Steve Coogan) hat Kontakte zu allen wichtigen Galerien und Künstlern dieser Welt. Doch wenn er seine Tochter Maisie (Onata Aprile) aus der Schule abholt, fragt er sie erst einmal, ob sie nicht zwei schöne starke Espresso trinken wollen. Die Mutter ist auch nicht viel besser. Sie beteuert immer wieder, wie sehr sie doch ihre Tochter liebe. Aber sie kann mit ihr nur wenig anfangen.
 
Wenn Susanna und Beale nicht mit ihren Karrieren zu tun haben, dann – bevorzugt am Abend – streiten sie lautstark miteinander. Das ist der Sound, zu dem Maisie versucht, in den Schlaf zu kommen. Die Situation scheint sich zu bessern, als Susanna und Beale beschließen, sich zu trennen.
 
Hoffnung keimt auf für Maisie, dass nun alles besser werden könnte. Aber ihre Eltern beginnen jetzt erst richtig den Rosenkrieg. Beide heiraten sehr schnell wieder. Beale praktischerweise Maisies Kindermädchen (Joanna Vanderham) und Susanna den deutlich jüngeren Barkeeper Lincoln (Alexander Skarsgard).

Eine innige Beziehung: Maisie mit ihrem Stiefvater Lincoln (Alexander Skarsgard) © Polyfilm

 
In diesem Chaos-Quartett versucht Maisie, eine neue Heimat zu finden. Aber die findet sie nicht bei Vater und Mutter, sondern eher bei den neuen Partnern.
 
Scott McGhee und David Siegels Film hat einen großen Vorzug. Er kommt unaufgeregt daher. Keine übertriebenen Schmerz- und Heulszenen. Alles in diesem Film ist auf Maisie ausgerichtet. Mit welcher Natürlichkeit Onata Aprile nicht nur ihre Szenen, auch die großartigen erwachsenen Kollegen an die Wand spielt, das hat Seltenheitswert. So eine starke Kinder-Schauspielleistung hat es 2013 noch nicht gegeben. Auch die erwachsenen Schauspieler halten das Niveau hoch. „Das Glück der großen Dinge“ ist ein Film, der einen nachdenklich und auch ein bisschen glücklich in den harten Alltag entlässt. Viel mehr kann man von Kino nicht erwarten.                       





Trailer
LÄNGE: 103 min
PRODUKTION: USA 2012
KINOSTART Ö: 12.07.2013
REGIE:  Scott McGehee, David Siegel
GENRE: Drama
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Julianne Moore: Susanna
Steve Coogan: Beale
Alexander Skarsgard: Lincoln