Arrival

Aliens in rätselhafter Mission


FilmClicks:
„Arrival“: Die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) geht daran, Kontakt mit den Aliens aufzunehmen © Sony
DIE STORY: Im Science-Fiction-Drama „Arrival“ bekommt die Erde mal wieder Besuch von Außerirdischen. Über Nacht machen zwölf Raumschiffe in unterschiedlichen Gegenden unseres Planeten Station.
Schnell wird klar, dass diese Wesen nicht sofort auf Kampf aus sind. Doch irgendetwas wollen sie von uns Erdlingen. Was aber, ist schwer herauszubekommen. Denn niemand spricht ihre Sprache. Bis es der Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams) ´gelingt, mit den Ankömmlingen Kontakt aufzunehmen und Stück für Stück hinter den Grund ihrer Ankunft zu kommen.
Aber hat sie auch genug Zeit? Die Hardliner drängen bereits darauf, militärisch gegen die Aliens vorzugehen.

Colonel Weber (Forest Whitaker) instruiert Louise Banks (Amy Adams) © Sony

DIE STARS: Amy Adams („American Hustle“) darf wieder einmal zeigen, dass sie zu den Ausnahmetalenten ihrer Generation gehört. Ihr Spiel ist wunderbar leicht und zögerlich, aber in den entscheidenden Momenten voller Kraft.
Jeremy Renner („The Avengers“) fügt hier als Wissenschaftler seiner Karriere eine neue Facette hinzu. Er spielt einen Grübler, der sich lange nicht sicher ist, worauf und auf wen er sich da einlässt: das steht ihm gut. Forest Whitaker („Ghost Dog“) muss niemandem mehr irgendwas beweisen. Seinen rumpeligen Offizier mit dem Herzen am rechten Fleck spielt der große Stoiker des amerikanischen Films grandios.
Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve erlebt dank seiner hochklassigen Thriller „Prisoners“ (2013) und „Sicario“ (2015) einen steilen Aufstieg in Hollywood. Derzeit dreht er mit „Blade Runner 2049“  die Fortsetzung des Klassikers von Ridley Scott.

Amy Adams und Jeremy Renner recherchieren am Computer © Sony

DIE KRITIK: Wenn man so möchte, ist „Arrival“ das intelligente Gegenstück zu Filmen wie „Independence Day“. Was Regisseur Dennis Villeneuve in „Arivval“ entfacht, das geht ganz eindeutig schwer am Science-Fiction-Mainstream vorbei.
Gewiss, auch hier kommen Aliens zur Erde. Aber sie schießen nicht gleich. Und ihre Raumschiffe sind auch nicht wie in „Independence Day“ Tausende Quadratkilometer groß. Sie gleichen eher wunderschönen schwarzen Lava-Steinen - wer näher kommt, könnte denken, sie seien gemauert.
Zwölf Exemplare dieser Raumgleiter sind auf der Welt gelandet. Bei den Menschen erzeugen sie Angst – aber auch Verwirrung. Denn diese Raumschiffe tun in den ersten Stunden überhaupt nichts. Erste Befragungen der staatlichen Stellen nach dem Grund des Besuchs ergeben keinen Sinn: Die Aliens sprechen keine Sprache, die etwas mit dem zu tun hat, was wir unter Sprache verstehen. Es brummt und grummelt und zischt ein wenig.
An dieser Stelle kommt Amy Adams als Linguistin Dr. Louise Banks ins Spiel. Sie soll herausfinden, was die Außerirdischen wollen, gemeinsam mit dem Wissenschaftler Ian Donelly (Jeremy Renner). Forest Whitaker als Colonel Weber überwacht ihre Arbeit und drängt ständig darauf, dass Fortschritte erzielt werden müssen. Auch der Offizier steht unter Druck: Unter anderem überlegt China, ob man nicht militärisch aktiv werden müsste.
 „Arrival“ hat einen beinahe meditativen Fluss. Die Musik ist sehr atmosphärisch. Louise Banks, die Linguistin, hat ständig Visionen von ihrer Tochter, die sie gleich zu Beginn des Films zu Grabe tragen muss. Die Bilder sind zum Teil sehr dunkel gehalten, im Inneren des Raumschiffs wieder extrem klar und in den Visionen betörend schön.
Man darf nicht zu viel von diesem Puzzle zwischen Menschen und Außerirdischen verraten, das von der Idee her eher Christopher Nolans „Interstellar” zuzuordnen ist als Stanley Kubricks „2001“.
Ohne, wie es im Neudeutschen so unschön heißt, zu spoilern: Ja, die Aliens haben eine Mission und Louise steht im Mittelpunkt der Geschichte (Fans werden möglicherweise an „Contact” mit Jodie Foster denken). Nein, der Film ist nicht linear erzählt und erst mit den letzten Bildern versteht man den Sinn der ganzen Sache. Und ja, auch Regisseur Denis Villeneuve musste sich den Hollywood-Zwängen beugen und am Ende mehr erklären, als dem Film gut tut. Aber das ist nur ein winzig kleiner Schönheitsfehler.
Mit „Arrival“ bekam das Kinojahr 2016 jedenfalls seinen großen, klugen Science-Fiction-Film, der mit sehr guten Oscar-Chancen weit ins Jahr 2017 hineinstrahlen dürfte.
Vielleicht ist das Werk ja so entstanden: Der Filmemacher Denis Villeneuve hatte einen Traum. In dem unterhielten sich seine Kollegen Terrence Malick, Stanley Kubrick und Christopher Nolan über ein gemeinsames Science-Fiction-Projekt. Alle drei hatten die vorzüglichsten Ideen. Am Ende aber gingen sie unverrichteter Dinge wieder auseinander. Kubrick war zufrieden, denn er hatte mit „2001“ die Latte schon verdammt hoch gelegt. Malick war es dann doch zu viel, einen Film mit Handlung zu drehen. Und Nolan war zerknirscht, weil er seine Chance mit „Interstellar“ versemmelt hatte. Diesen Traum im Kopf - so könnte es gewesen sein - machte sich Villenevue an die Arbeit und blieb die ganze Zeit über bei seinen Vorbildern.
 
IDEAL FÜR: Freunde der intelligenten Science Fiction.






Trailer
LÄNGE: 117 min
PRODUKTION: USA 2016
KINOSTART Ö: 24.11.2016
REGIE:  Denis Villeneuve
GENRE: Science Fiction
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Amy Adams: Dr. Louise Banks
Jeremy Renner: Ian Donnelly
Forest Whitaker: Colonel Weber
Michael Stuhlbarg: Agent Halpern