Wenn ich bleibe

Die Liebe, das Cello und der Tod


FilmClicks:
„Wenn ich bleibe“: Crossover der Gefühle mit Chloe Grace Moretz (Cello) & Jamie Blackley (Gitarre) © Warner Bros.
DIE STORY: Die Schicksals-Romanze „Wenn ich bleibe“ folgt dem alten Motto „Das Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht“.
Der Schlagzeuger-Vater der kleinen Mia hatte sicher mal geplant, er könnte seinem Töchterchen die Liebe zur Rockmusik vererben.  Doch die kleine Mia entdeckte das Cello und die Klangwelt von „unserem Lieblings-Melodienmacher aus Österreich“, Franz Schubert.
Jetzt, als Teenager, plant Mia (Chloe Grace Moretz) eine Profikarriere als Cellistin und bewirbt sich um die Aufnahme bei der berühmten Juilliard School of Music in New York. Da läuft ihr gänzlich ungeplant ein junger Mann namens Adam (Jamie Blackley)  über den Weg, der – obzwar Rockmusiker! – ihr Herz betört. Und während sie noch darüber nachsinnt, ob sie der Liebe oder der Kunst folgen soll, schlägt das Schicksal zu.
Bei einem Autounfall verliert Mia ihre Eltern und fällt selbst ins Koma. Das Mädchen macht eine Nahtod-Erfahrung:  Sie verlässt ihren Körper und schaut von außen zu, was rundherum geschieht.  Es liege an Mia selbst, ob sie weiterleben wolle oder nicht, raunt eine Krankenschwester der Koma-Patientin zu. Wie wird sie sich entscheiden?

Geisterhaft: Chloe Grace Moretz wandelt als Koma-Patientin über die Leinwand © Warner Bros.

DIE STARS: Die 17-jährige Chloe Grace Moretz hat für ihr Alter schon ganz schön Karriere gemacht. Sie war das rabiate Hit-Girl in „Kick-Ass“,  sie betörte das Publikum in Martin Scorseses „Hugo Cabret“. Demnächst wird sie im Arthaus-Drama „Sils Maria“ von Olivier Assayas neben Juliette Binoche und Kristen Stewart zeigen, was für eine formidable Schauspielerin sie ist. Die Rolle als Cellistin und Koma-Schmerzensmädchen im schnulzigen „Wenn ich bleibe“ bietet da viel weniger Gelegenheit, zu glänzen. Doch offenkundig hat sie für die Rolle Cello gelernt: Es sind erkennbar immer wieder Chloes eigene Hände, die das Instrument bedienen.
Die resolute Mireille Enos („World War Z“)  setzt als Mias Mutter ein paar erfrischende Kontrapunkte zur Gefühlsduselei des Films. Alt-Star Stacy Keach spielt einen trauernden Großvater, der Brite Jamie Blackley (Adam) steht noch am Beginn seiner Karriere.Von Regisseur R. J. Cutler war man bisher eher kritische Dokumentationen („The World According To Dick Cheney“) gewohnt als Herz-Schmerz-Geschichten.
 
DIE KRITIK: Das Koma-Drama „Wenn ich bleibe“ passt zum aktuellen Kinotrend, auch das junge Publikum schon sehr direkt mit dem Thema des Sterbens zu konfrontieren. In der Krebs-Romanze „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat das kürzlich eindrucksvoll geklappt. „Wenn ich bleibe“ erreicht diese Qualität nicht.
Die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Gayle Forman hat über weite Strecken den Charakter einer beliebigen Teenie-Romanze (seichte Dialoge und scheue Küsse). „Wenn ich bleibe“ hebt sich vorwiegend dadurch von ähnlichen Filmen ab, dass die Hauptfigur Klassik liebt statt Pop (bei Besuchen im Rock-Biotop fühlt sie sich „wie ein Fisch auf dem Mars“).
Wenn dann der Autounfall passiert, kommt natürlich eine herbere Note ins Spiel. Doch die Umsetzung überzeugt nicht. Die ins Koma gefallene Mia stolpert fortan wie ein blasser Geist durchs Bild – für alle unsichtbar, außer fürs Kinopublikum. Zum Finale hin ertrinkt der Film in einer Flutwelle aus Schmalz. Und anders als „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ wagt dieser Film keine konkrete Auseinandersetzung mit dem Tod. Da rettet sich die Story lieber mit einem anderen alten Motto: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.
 
IDEAL FÜR: junge KinobesucherInnen, die Schicksalsdramen lieben.






Trailer
LÄNGE: 107 min
PRODUKTION: USA 2014
KINOSTART Ö: 18.09.2014
REGIE:  R. J. Cutler
GENRE: Drama|Romanze
ALTERSFREIGABE: ab 8


BESETZUNG
Chloe Grace Moretz: Mia Hall
Mireille Enos: Kat
Jamie Blackley: Adam
Stacy Keach: Gramps