Triple 9

999: Bei Notruf Mord


FilmClicks:
„Triple 9“: Eine Mafia-Chefin (Kate Winslet) erpresst einen Polizisten (Chiwetel Ejiofor) © Wild Bunch
DIE STORY: Hinter dem Wort „Triple 9“ verbirgt sich der Notruf der amerikanischen Polizei, wenn ein Kollege niedergeschossen wird. In so einem Fall strömen alle verfügbaren Cops zu dem Ort, von dem der Code 999 abgesetzt wurde.
Im Thriller „Triple 9“ wollen sich in Atlanta die korrupten Bullen um Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) diese Situation zunutze machen. Sie werden von Irina Vlaslov (Kate Winslet), der örtlichen Chefin der Russenmafia, erpresst. Der Auftrag: Sie sollen einen aberwitzigen Coup durchziehen. Der Plan sieht vor, dass der Polizei-Neuzugang Chris Allen (Casey Affleck) ins Visier der Gangster gerät. Allen soll erschossen werden, um „Triple 9“ auszulösen.

Der Polizist Chris Allen (Casey Affleck, re.) ermittelt bei den ganz harten Jungs © Wild Bunch

DIE STARS: In beinahe jeder Szene dieses düsteren Mafia-Krimis stolpert irgendein Star durchs Bild (ohne automatisch den Film voranzutreiben, aber schmücken tun sie ihn alle).
Den mit Abstand besten Part hat Kate Winslet („Titanic“) geangelt. Ihre eiskalte Mafia-Lady (in der Synchro hat sie leider ihren herrlichen russischen Akzent verloren), die in der einen Sekunde scherzt, um in der nächsten Morde zu befehlen, ist ganz großes Schauspiel-Kino.
Da kann gerade mal noch Woody Harrelson („Natural Born Killers“) als Polizeichef auf der anderen Seite des Gesetzes mithalten. Alle anderen Stars – von Casey Affleck („Gone Baby Gone“) bis zu Gal Gadot („Batman v Superman“) – spielen eigenartig schaumgebremst. So mäandert dieser Film vor sich hin und geht leider ein wenig am Zuschauer vorbei.

Polizeichef Jeffrey Allen (Woody Harrelson) inspiziert einen Tatort © Wild Bunch

DIE KRITIK: So, wie die große Stadt Atlanta in „Triple 9“ geschildert wird, möchte man nur ungern in der Südstaaten-Metropole leben. Der Thriller ist ein schwieriger Stoff. Zwar ist Regisseur John Hollcoat („The Road“) auf solche Herausforderungen abonniert. Aber hier hat er sich doch ein bisschen zu viel vorgenommen.
Gleich zu Beginn sieht man einen furios gefilmten Banküberfall, der beinahe schief geht. Wären die Täter gefasst worden, es hätte sich wohl nur wenig an der Situation geändert. Denn hier sind korrupte Polizisten am Werk, die mit Ex-Kollegen Einbrüche begehen.
Sie tun dies einerseits, weil sie ihr nicht gerade üppiges Gehalt aufbessern wollen. Zum anderen aber auch, weil Irina Vlaslov (Kate Winslet), die örtliche Chefin der Russenmafia, den Polizisten Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) erpresst. Der ist mit Irinas Schwester Elena (Gal Gadot) verheiratet und hat ein Kind. Sollte Michael nicht kooperativ sein, so Irinas Ansage, würde er seine Familie nie wiedersehen.
Noch trister wird das Bild der korrupten Stadt, wenn der Film für einige Szenen ins Haus von Irina schwenkt. Die Mafia-Lady erpresst nicht nur die örtliche Polizei. Sie dealt auch noch mit dem FBI. Wer hier nach einem Zipfel Gerechtigkeit sucht, der müsste ganz schnell wegziehen.
Regisseur John Hillcoat erzählt seinen Film in einem ruhigen Fluss. Alles deutet auf eine Katastrophe hin. Irina bekommt irgendwann von ihrem in Haft sitzenden Mann die Anweisung, einen Gegenstand aus einem extrem gesicherten Haus zu stehlen.
Die Männer um Michael Atwood ziehen los, wissen aber ganz genau, dass sie nur dann eine Chance haben, wenn sich die gesamte Polizei der Stadt weit weg von diesem Objekt befindet. Also soll, wie eingangs erwähnt, ein Kollege sterben, um den Notruf 999 absetzen zu können.
Natürlich läuft der Showdown darauf hinaus, ob der letzte Coup gelingt und wie man die böse Frau Irina der Gerechtigkeit zuführen kann. Doch der Regisseur mag sich nicht mit einem simplen Thriller-Finale begnügen. Er breitet die Handlungsstränge noch einmal neu aus – und stolpert dabei über die vielen Figuren des Films, die einander nun gegenseitig im Weg stehen. Das Publikum stolpert mit.

IDEAL FÜR: Fans von düsteren Polizei-Dramen. Aus der Ferne grüßt Michael Manns Meisterwerk „Heat“. Aber von diesen Regionen bleibt „Triple 9“ meilenweit entfernt.






Trailer
LÄNGE: 116 min
PRODUKTION: USA 2016
KINOSTART Ö: 05.05.2016
REGIE:  John Hillcoat
GENRE: Thriller
ALTERSFREIGABE: ab 16


BESETZUNG
Chiwetel Ejiofor: Michael Atwood
Kate Winslet: Irina Vlaslov
Casey Affleck: Chris Allen
Woody Harrelson: Jeffrey Allen
Anthony Mackie: Marcus Belmont
Gal Gadot: Elena Vlaslov
Aaron Paul: Gabe Welch