Hatice Akyün


Der Weg zum Film: „Ich bin nicht Drama - mein Leben ist lustig“

17.06.2014
Interview:  Peter Beddies

Hatice Akyün ist die Autorin von „Einmal Hans mit scharfer Soße“ © Goldmann/André Rival

Die deutsch-türkische Autorin Hatice Akyün schreibt, seit sie 16 Jahre alt ist. Eigentlich als Journalistin für „Spiegel“ und „Emma“ und „Tagesspiegel“. Aber seit ihrer Erzählung „Einmal Hans mit scharfer Soße“ (im Jahr 2005) veröffentlicht die Berlinerin auch immer wieder Bücher. Die Story vom „Hans mit scharfer Soße“ wurde verfilmt und läuft jetzt erfolgreich im Kino. Für den Film wie für Hatice Akyüns Texte gilt: Ihr Fach ist die locker leichte, immer etwas satirische Beobachtung des Lebens. Und der Clash der türkischen und deutschen Kultur.




FilmClicks: Neun Jahre vergingen vom Buch bis zur Verfilmung von „Einmal Hans mit scharfer Soße“. Warum hat es so lange gedauert?

Hatice Akyün: Weil ich mir vom Film nicht das vorgestellt hatte, was zum Beispiel Produzenten wollten.
 
Wieso war das eine vom anderen so weit entfernt?
Sie dürfen nicht vergessen, dass mein Buch 2005 erschienen ist. Ich hatte festgestellt, dass ein Leben wie meines, als türkischstämmige deutsche Frau, in den Medien überhaupt nicht vorkam. Da war von so vielen Konflikten die Rede, die ich alle nicht kannte. Unterdrückte Kopftuchfrauen, die vor Zwangsheiraten davonrannten. Ich habe mich in all den Geschichten nicht wieder gefunden. Also habe ich mich hingesetzt und ein Buch über mein Leben in Deutschland geschrieben. Zum Beispiel über die Frage, warum ich denn nicht den richtigen Kerl fürs leben finde.
 
Wann gab es die ersten Film-Angebote?
Das hat keine vier Wochen gedauert. Aber die Zeit war damals in der Art, dass man von einer Schriftstellerin wie mir sehr viel Konflikt erwartete. „Gegen die Wand“ von Fatih Akin hatte die Berlinale gewonnen, und so einen Film wollte man nun auch von mir. Aber ich bin nicht so. Ich bin nicht Drama, ich bin Unterhaltung, mein Leben ist lustig.
 
Da hat es wahrscheinlich einige frustrierende Besprechungen mit den Filmleuten gegeben.
Allerdings. Am schlimmsten war eine Besprechung mit einem Produzenten, der gern wollte, dass meine Figur im Film ein Kopftuch trägt und das dann im Laufe der Story – als Akt der Befreiung – abnimmt. Da habe ich ihm nur gesagt, dass er offenbar Freiheit mit Freizügigkeit verwechselt. Generell war damals den Produzenten zu wenig Konflikt in meinem Buch. Also habe ich alle Angebote ausgeschlagen.
 
Was hat sich seitdem verändert?
Dass man das, was ich damals schon war, heute als das hinnimmt, was es ist: als Normalität. Was man im Film sieht, ist eine Frau, die in Deutschland lebt, aber dennoch eine türkische Tochter ist und das nicht so ganz abschütteln kann.
 
Wer wird sich im Film wieder erkennen?
Hoffentlich viele Menschen. Die Türken werden sicher sagen, dass ihre Familie genau so ist und für alle anderen wird es eine Art Bildungsreise sein. Wobei auch die sehen werden, dass die verhandelten Probleme nicht so weit von ihren entfernt sind. Aber man kann auch viel lernen über eine andere Kultur.

„Einmal Hans mit scharfer Soße“: Das Buch © Goldmann

Im Film können wir Hatice bei der Suche nach Hans begleiten. In Ihren Büchern sind Sie schon weiter.
Ja, in meinen Büchern findet Hatice den Mann ihrer Träume in „Ali zum Dessert“. Das war auch so ein spezieller Moment meinem Leben. Statt Hans traf ich dann meinen Ali, der genau so war wie ich, nur als Mann. Und das fand ich schon sehr erstaunlich.
 
Und dann gibt es noch das Buch „Ich küss Dich, Kismet“ aus dem letzten Jahr.
Das war auch eine interessante Erfahrung. Ich war mittlerweile von meinem Mann getrennt. Keine große Dramatik. Wir hatten uns einfach auseinander gelebt. Irgendwann hatte ich mir dann gedacht, dass ich mal nach Istanbul gehen sollte und versuchen sollte, dort zu leben. Also habe ich mir meine Tochter geschnappt und wir sind nach Istanbul gezogen. Allerdings stellte ich dort nach ein paar Monaten fest, dass ich mir sehr deutsch fühlte. Außerdem fing meine Tochter an, im Kindergarten den anderen Kindern deutsche Lieder beizubringen. Da wusste ich, dass es Zeit wird, wieder nach Deutschland zu gehen und die Erlebnisse aufzuschreiben.
 
Und nun, ist die literarische Reise Ihrer Hatice zu Ende?
Nein, das würde ich nicht sagen. Ich empfinde mich immer noch mehr als Journalistin als eine Schriftstellerin. Ich muss all das, was ich beschreibe, auch selbst erlebt haben. Momentan muss ich erst mal wieder leben, um etwas schreiben zu können. Aber es verspricht, spannend zu werden. Denn seit einiger Zeit bin ich mit einem Schweizer zusammen. Was meine kleine Schwester Fatma gar nicht versteht. Sie meint, dass ich erst einen Hans mit scharfer Soße gesucht habe und nun bei einem Geißen-Peter gelandet bin. Das Leben bietet einem halt die schönsten Geschichten.
 
 



Kritik
Einmal Hans mit scharfer Soße
 „Einmal Hans mit scharfer Soße”, die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers der deutsch-türkischen Autorin Hatice Akyün, pendelt witzig und lehrreich zwischen den Kulturen. Mehr...