Inferno

Im Kampf gegen den Killer-Virus


FilmClicks:
„Inferno“: Robert Langdon (Tom Hanks, li.) versucht, die Bedeutung eines Symbols zu entschlüsseln © Sony
DIE STORY: Im Dan-Brown-Thriller „Inferno“ muss Tom Hanks in der Rolle des Symbolisten  Robert Langdon schon zum dritten Mal die Welt retten. Ein Milliardär hat einen tödlichen Virus entwickeln lassen, den er nun seuchenmäßig freisetzen will. Denn, so die verquere Logik des Mannes: Um die Erde vor der Überbevölkerung zu bewahren, soll ein Großteil der Menschheit sterben.
Langdon hat es anfangs ungemein schwer, in den Fall hineinzufinden. Er erwacht nämlich in einem Krankenhaus in Florenz und kann sich an kein Ereignis der letzten 48 Stunden erinnern. Als eine Polizistin versucht, ihn in seinem Krankenzimmer zu erschießen, wird er von der jungen Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) gerettet.
Gemeinsam mit Sienna stolpert der Professor in eine internationale Verschwörung. Aber wo hat der Milliardär das Virus versteckt?  Langdon findet verschlüsselte Hinweise in den Höllen-Visionen des Dichters Dante. Doch kann er die zahlreichen Rätsel lösen, bevor es zu spät ist?

Rätselrallye durch Florenz: Robert Langdon & Sienna Brooks (Felicity Jones) © Sony

DIE STARS: Tom Hanks („Forrest Gump“), gerade 60 geworden, scheint in seinem neuen Lebensjahrzehnt Lust darauf zu haben, vom strahlenden Helden - wenn er das denn je war - so weit wie möglich abzurücken. In „Inferno“ gibt er den passionierten Rätsel-Löser und Klugscheißer Robert Langdon wie immer mit der angemessenen Ruhe und Gelassenheit. Aber noch nie musste er in der Dan-Brown-Filmreihe so viele Schläge und Blessuren einstecken wie dieses Mal.
An seiner Seite ist Hollywoods Schauspielerin der Stunde zu sehen: Die Engländerin Felicity Jones (demnächst auch im neuen „Star Wars“-Ableger  „Rogue One“ zu sehen). Sie stattet ihre  Ärztin Sienna Brooks mit viel Sympathie und Natürlichkeit aus. Ein großes Talent: ein  Gesicht, das von der Kamera geliebt wird.
Das Haupt-Trio des Films wird komplettiert vom Franzosen Omar Sy, der einen Beamten der Weltgesundheits-Organisation WHO spielt. Ganz anders als in seinen Komödien-Erfolgen wie „Ziemlich beste Freunde“ ist er hier sehr überzeugend als guter Schauspieler jenseits aller Gags zu sehen.
 
Irrfan Khan (re.) spielt als Harry Sims (alias der Provost) eine undurchsichtige Rolle © Sony

DIE KRITIK:
„Inferno“,  der vierte Roman von Dan Brown um Robert Langdon, war  im Jahr 2013 eine weltweite Sensation. Nicht, dass sich die Feuilletons vor Freude überschlagen hätten. Aber die Buchhändler waren entzückt, weil man ihnen wieder einmal ein Buch förmlich aus den Händen riss.
Die Dan-Brown-Fans liebten den Schmöker. Und natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das Gespann Ron Howard (er inszenierte schon die Langdon-Thriller „Sakrileg“ und „Illuminati“) plus Tom Hanks daran gehen würde, sich des Stoffes anzunehmen.
Es ist Ron Howard und Drehbuch-Autor David Koepp hoch anzurechnen, dass sie aus dem extrem geschwätzigen Roman – zu  jedem Bau in Florenz, Venedig und Istanbul fällt Dan Brown eine Geschichte ein – einen straff erzählten und mit zwei Stunden auch nicht zu langen Film gemacht haben.
Visuell verlässt der Regisseur zu Beginn seinen gewohnten Stil. Da Robert Langdon die Erinnerung verloren hat und völlig hilflos ist, setzt Howard in den ersten Minuten von „Inferno“ konsequent auf Wackelbilder, rasende Schnitte und Unschärfen, wie man sie aus den „Bourne“-Thrillern  von Paul Greengrass kennt. Außerdem hat Robert Langdon zahlreiche Visionen der Hölle, die sehr eindrücklich gefilmt sind, aber zarte Gemüter durchaus verstören können.
Wer „Inferno“ gelesen hat, könnte sich natürlich fragen, warum er sich jetzt den Film ansehen sollte. Ganz einfach: Weil Ron Howard und Dan Brown alte Füchse sind. Sie haben nicht nur, was bei Literatur-Verfilmungen ständig passiert, einige Figuren gestrichen. Es tauchen auch neue Figuren auf. Einige Personen bekommen eine Neudeutung und das Ende ist komplett neu.
Zu viel soll nicht verraten werden, aber die Filmemacher haben das Finale des Romans, das für Dan Brown ungewöhnlich offen und beinahe mutig war, zurückgeholt in einen Mainstream-Modus. Muss man nicht mögen. Macht den Film aber rund.
Die Handlung ist, wie schon bei „Illuminati“ und „Sakrileg“, geradlinig. Neben der für Brown-Bücher typischen Schnitzeljagd, bei der man viel über den Dichterfürsten Dante lernen kann, gibt’s verblüffende Überraschungen beim Personal. Mal ist einer böse, der vorher gut war. Mal sieht sich Robert Langdon getäuscht. Im neuen Film sogar so gewaltig, wie ihm das noch nie passiert ist.
Die zwei Stunden unterhalten sehr gut. Bis zum Ende bleibt offen, worauf die Geschichte eigentlich hinausläuft und wer in wessen Interesse in dieses mörderische Spiel eingreift. Anders als im Buch darf Robert Langdon von der großen Liebe träumen, die ihm Dan Brown vielleicht schon im September 2017 gönnt. Wenn sein neuer Roman erscheint.
 
IDEAL FÜR: Kinogänger, die klassische Spannungsfilme mit Sympathieträgern wie Tom Hanks, Felicity Jones und Omar Sy mögen.






Trailer
LÄNGE: 122 min
PRODUKTION: USA 2016
KINOSTART Ö: 13.10.2016
REGIE:  Ron Howard
GENRE: Thriller
ALTERSFREIGABE: ab 14


BESETZUNG
Tom Hanks: Robert Langdon
Felicity Jones: Sienna Brooks
Omar Sy: Christoph Bruder
Ben Foster: Bertrand Zobrist
Irrfan Khan: Harry Sims (der Provost)

Interview
„Hollywood vertraut mir“
Star-Regisseur Ron Howard berichtet im FilmClicks-Interview über seinen neuen Blockbuster, den Dan-Brown-Thriller „Inferno“. Und er erzählt, warum er sich in den letzten Jahren eine Auszeit vom Studio-System gönnte, die er für kleinere Filme wie das Niki-Lauda-Drama „Rush“ nützte. Mehr...