Die Kommune

Liebe, Freundschaft und Krise


FilmClicks:
„Die Kommune“: Ein großes Haus in Kopenhagen, bewohnt von vielen Freunden © Polyfilm
DIE STORY: Die Tragikomödie „Die Kommune“ spielt in den 1970er Jahren. Die TV-Journalistin Anna (Trine Dyrholm) und ihr Mann, der Architekt Erik (Ulrich Thomsen), ziehen in ein altes Haus in Kopenhagen, das Erik geerbt hat. Da es zu groß für die Familie allein wäre, laden sie etliche Freunde mit ihren Kindern ein, um das Haus gemeinsam zu bewohnen.
Zuerst sieht alles nach einer großen, nicht enden wollenden Party und nach viel Eintracht aus. Aber dann lernt Erik die wesentlich jüngere Emma (Helene Reingaard Neumann) kennen. Anna hält es für eine gute Idee, dass Erik mit seiner Geliebten in die Kommune zieht. Was natürlich nicht lange gut gehen kann.    
 
Zu Beginn schaut das Leben in der Kommune wie eine große Party aus © Polyfilm

DIE STARS: Dieser Film hat viele wunderbare Schauspieler, wie Ulrich Thomsen oder Helene Reingaard Neumann (im wahren Leben die Gattin von Regisseur Thomas Vinterberg). Aber über allem thront tragisch und erhaben wie eine Shakespeare-Gestalt die superbe Trine Dyrholm.
In etlichen Filmen (wie zu Beginn ihrer Karriere in Vinterbergs „Festen“) hat sie schon geglänzt. Doch wie sie diese Anna spielt, zerbrechlich und naiv am Anfang, zu Tode betrübt mittendrin und wild entschlossen am Ende: Jeder Zuschauer dürfte ihr für dieses grandiose Schauspiel seine Zuneigung schenken. Bei der Berlinale bekam sie nicht nur den meisten Applaus, sondern auch den Silbernen Bären.   
 
Das Ende einer Beziehung: Anna (Trine Dyrholm) und Erik (Ulrich Thomsen) © Polyfilm

DIE KRITIK: Der dänische Filmemacher Thomas Vinterberg, 46, hat in seinem Leben schon eine Menge mitgemacht. Die meisten Filmfreunde dürften ihn als Mitbegründer der Dogma-Bewegung (gemeinsam mit Lars von Trier) kennen. Aber auch in seinem Privatleben muss einiges losgewesen sein.
Von zwei Episoden erzählt er in „Die Kommune“, einem sehr warmherzigen Film, der nichts von den Bitterkeit und der Wut seines bisher besten Werks „Das Fest“ hat. Vinterberg ist als Kind in einer Kommune aufgewachsen und er hat – wie sein Held Erik im Film – seine Familie zurückgelassen und sein Glück mit einer wesentlich jüngeren Frau gesucht.
Vinterberg legt den Film wie eine Lagerfeuer-Geschichte an, bei der sehr locker und leicht davon erzählt wird, wie es ist, wenn sich verschiedene Menschen entschließen, für eine Weile unter einem Dach zu leben. Im Interview mit FilmClicks schilderte er seine Erinnerungen an die Kommune seiner Eltern so: „Ich habe zuerst alles genossen. Es war eine Zeit des gegenseitigen Gebens, des Wohlwollens. Aber immer wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben, kommen irgendwann die Dämonen zum Vorschein. Das ist der Punkt, an dem es dann hässlich wird.“
Dieser Punkt, an dem alle Leichtigkeit den Film verlässt, hat mit der Entscheidung von Erik zu tun, sich mit seiner Studentin Emma einzulassen. Eigentlich würde gern er die Kommune verlassen. Aber seine Frau Anna meint – was sie später bereut – dass sie stark genug sei, die neue Frau in der Kommune zu ertragen. Anna zerbricht beinahe an dieser Konstellation, bevor sie am Ende neue Wege geht.
„Die Kommune“ ist nicht nur fein gespielt und exakt beobachtet. Der Film zeigt auch Spätgeborenen, wie unfassbar ungesund Erwachsene damals gelebt haben. Es wird in jeder Szene geraucht und getrunken, was das Zeug hält. „Als ich den Film den Menschen zeigte, die mir als Vorbild gedient hatten“, so Thomas Vinterberg, „meinten sie, ich hätte übertrieben. Aber zum Glück hatte ich Fotos, die das Gegenteil belegten. Der Mensch vergisst nur unglaublich schnell!“
Fazit: „Die Kommune“ berichtet von Geschehnissen in den 1970er Jahren. Aber eigentlich ist die Tragikomödie eine Art Appell, dass wir uns heute mal schön überlegen sollten, warum viele von uns das Gefühl haben, einsam in einer eiskalten Welt zu leben.
                   
IDEAL FÜR: alle, die sich gern Fotoalben anschauen und in der Vergangenheit schwelgen, egal ob die Zeit schön oder schlecht war. Sie ist nunmal vorbei und zumindest kann man von ihr lernen. 






Trailer
LÄNGE: 111 min
PRODUKTION: Dänemark 2016
KINOSTART Ö: 22.04.2016
REGIE:  Thomas Vinterberg
GENRE: Drama|Komödie
ALTERSFREIGABE: ab 16


BESETZUNG
Trine Dyrholm: Anna
Ulrich Thomsen: Erik
Helene Reingaard Neumann: Emma
Fares Fares: Allon
Lars Ranthe: Ole
Julie Agnete Vang: Mona