Chroniken der Unterwelt - City of Bones

Dämonen sterben zu Klängen von Bach


FilmClicks:
Lily Collins (l.) alsSchattenjägerin im Kampf gegen das Böse © Constantin

DIE STORY: Die 15jährige Clary Fray (die fast zehn Jahre ältere Lily Collins überzeugt) muss in „City of Bones“ eines Tages feststellen, dass sie gar kein Mensch ist. Sie hat von ihren Eltern die Eigenschaften einer Schattenjägerin geerbt. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie Wesen der Nacht wie Vampire, Dämonen und andere sehen kann und bekämpfen muss. Als ihre Mutter verschwindet, entbrennt der Kampf um ein legendäres magisches Artefakt.
DIE STARS: Der Film gehört ganz eindeutig der Tochter von Phil Collins, Lily Collins. Mit welcher Natürlichkeit sie akzeptiert, dass sie künftig kein normaler Teenager mehr sein wird, dass sie eigentlich in einer Parallelwelt zu Hause ist, das erwärmt einem das Herz. Und da die Gute nur richtig betörend sein kann, wenn es einen starken Bösewicht gibt, langt Jonathan Rhys Meyers ordentlich zu.   
KURZKRITIK: Es gehört ordentlich viel Mut dazu, dieser Tage eine weitere Fantasy-Reihe auf den Weg zu bringen. Nach Erfolgen wie „Potter“ und „Twilight“ sowie zahlreichen Flops à la  „Eragon" ist die Zeit sicher nicht mehr fern, in der der Fan müde abwinkt und nicht noch mehr Dämonen, Monster oder Untote will. Dieses Mal aber ging die Sache noch mal gut. Der Film hat jede Menge interessante Figuren, die Dämonen sind zur Abwechslung mal nicht bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht. Natürlich ist die Story um einen Kelch, der wieder mal die absolute Macht verspricht, hanebüchener Quatsch. Aber da Lily Collins ein unglaublicher Sympathieträger ist und es zum ersten Mal den zarten Ansatz einer schwulen Liebesgeschichte gibt, muss man diesen Film mögen. Wenigstens ein bisschen.
IDEAL FÜR: junge Menschen, die sich gern fremde Welten träumen und selbst gern mal Heldentaten vollbringen würden. Und – im Gegensatz zum strunzdoofen „Twilight“ – kann man hier auch als begleitender Erwachsener bedingt seine Freude haben.
FilmClicks Kritik. Es gibt Ideen, die sind derart abwegig, dass man die Filmemacher einfach mal dafür loben muss, dass sie exakt darauf gekommen sind. In den sehr unterhaltsamen zwei Stunden und zehn Minuten von „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ist das eine Szene in der Mitte, wenn der junge Schattenjäger Jace Wayland (Jamie Campbell Bower drängt sich als Robert-Pattinson-Nachfolger förmlich auf)  am Piano sitzt und allen Ernstes die legendären „Goldberg Variationen“ spielt.

Kurz darauf erklärt er Clary (Lily Collins), dass es einen guten Grund gab, warum Johann Sebastian Bach diese Melodie genau so und nicht anders geschrieben hat. Weil Bach nämlich ein Schattenjäger gewesen sei und weil sich mit dieser Musik – Beleg folgt später eindrucksvoll im Film – Dämonen verjagen lassen. Zudem hängt direkt neben dem Klavier eine Schwarz-Weiß-Fotografie des Pianisten und Bach-Bewunderers Glenn Gould. Wie der zu den Schattenjägern steht, hat Regisseur Harald Zwart zwar nicht mehr in den Film einbauen können. Aber Dämonen mit Bach zu töten, diese Idee ist einfach großartig.
 
Wäre der gesamte Film mit solchen Ideen voll gepackt, es bestünde Grund zum Jubeln. Aber ganz so großartig sind „Die Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ leider nicht geworden. Dem Projekt liegt eine extrem erfolgreiche Romanreihe der Autorin Cassandra Clare zugrunde. In diesen Chroniken geht es um Clary und wie sie ihren Weg in der Schatten- und Magiewelt geht. Wem sie vertrauen kann und wem nicht. Im Grunde genommen eine Variation alter Geschichten und Mythen – neu aufgekocht.

Angenehm fällt gerade beim literarischen Erstling und nun beim ersten Film einer geplanten Reihe auf, dass der Ton ein völlig anderer ist als bei der „Twilight“-Saga, die thematisch nicht weit entfernt ist. Hier jedoch ist zum einen das Tempo wesentlich höher. Es wird eine Geschichte erzählt und nicht ständig darauf gewartet, wann Bella und Edward denn nun endlich mal den ersten Sex haben. Außerdem sind die Kids etwas rüpeliger und nicht so furchtbar anständig. Leider verzettelt sich Harald Zwart irgendwann in seinem Geflecht von Guten und Bösen, von magischen Dingen und der Alltäglichkeit eines Teenagers.
 
Lily Collins verdient eine Extra-Erwähnung. Man sollte mit Prognosen immer sehr vorsichtig sein. Aber hier könnte sie heranwachsen, die nächste Julia Roberts. Die beiden hatten ja bei „Spieglein, Spieglein“ schon miteinander zu tun. Die kleine Collins hat eine Eigenschaft, die man wohl erben muss und nicht erlernen kann. Wenn die im Film einen Raum betritt, dann hebt sich die Temperatur um ein paar Grad, es wird lichter und freundlicher. Und dabei hat sie in diesem Film nicht mal viel zu lachen. Nicht auszudenken, was das wird, wenn sie auch das beherrscht. Der nächste Auftritt von Fräulein Collins ist schon gebucht. Demnächst beginnen die Dreharbeiten zum zweiten Teil der „Chroniken der Unterwelt“.
 





Trailer
LÄNGE: 130 min
PRODUKTION: USA 2013
KINOSTART Ö: 29.08.2013
REGIE:  Harald Zwart
GENRE: Fantasy
ALTERSFREIGABE: ab 12


BESETZUNG
Lily Collins: Clary
Jonathan Rhys Meyers: Valentine