Big Game

Der US-Präsident in der Tiefkühltruhe


FilmClicks:
Der US-Präsident (Samuel L. Jackson) und Freund Oskari (Onni Tommilla) fahren mit Kühltruhe Boot © Ascot Elite
DIE STORY: „Big Game“ ist ein vollkommen durchgeknallter Action-Thriller mit Samuel L. Jackson, der weit, weit  im Norden im finnischen Hochgebirge spielt. Wie der Blick in den Atlas beweist, gibt es in Finnland kein Hochgebirge. Doch das macht nichts. Gedreht wurde in Bayern, und der Satz „das gibt es doch gar nicht“ zieht sich von der ersten bis zur letzten Minute durch den ganzen Film.
Der Plot: Der 13jährige Jung-Finne Oskari (Onni Tommilla) muss eine Mutprobe bestehen. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen, soll er eine Nacht in der Wildnis verbringen und tunlichst ein Tier erlegen. Zwar macht Oskari als Jäger keine Beute, doch eine Trophäe bringt er trotzdem heim. William Alan Moore, den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika (Samuel L. Jackson).
Der Präsident, unterwegs in seinem Jumbo Air Force One, wird nämlich über Finnland zum Ziel eines terroristischen Raketenangriffs, überlebt jedoch in seiner Rettungskapsel. Die landet direkt neben dem verdutzten Oskari. Wie sich der Finnen-Bub und der (auf einmal gar nicht mehr) mächtigste Mann der Welt nun der Terroristen erwehren, wird in ernsthafter Blödsinnigkeit derart absurd geschildert, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Noch ist die Welt in Ordnung: Präsident Moore (Jackson) in der Air Force One © Ascot Elite

DIE STARS: Den kleinen Finnen Onni Tomilla, der in „Big Game“ als Oskari dem US-Präsidenten aus der Patsche hilft, kennt man bei uns noch nicht, was aber das Vergnügen an seinem Spiel nicht schmälert. Den großen Samuel L. Jackson, der zahlreiche wunderbare Filme von „Pulp Fiction“ bis „Django Unchained“ adelte, kennt man umso besser –  hier lässt er sich mit weltmännischer Gelassenheit auf das schrille Geschehen ein.
Der finnische Autor/Regisseur Jalmari Helander, bislang vorwiegend in seiner Heimat aktiv, holte für die Nebenrollen einige sehr namhafte internationale Mimen an Bord – unter ihnen Victor Garber („Argo“), Jim Broadbent („Harry Potter“) und Felicity Huffman („Desparate Housewives“).

Ein Luftschiff mit wenig Komfort: Der Präsident und Oskari an der Tiefkühltruhe © Ascot Elite

DIE KRITIK: Kunst ist eine Form von Behauptung, die mit der Realität nichts zu tun haben muss, sagt man. Wenn das zutrifft, ist „Big Game“ ganz große Kunst. Denn was hier alles wider besseren Wissens behauptet wird, das geht auf keine Kuhhaut. Auf der Leinwand ist es aber sehr schön anzuschauen.
Ein Beispiel: Besitzt die Air Force One, die Boeing 747 des US-Präsidenten, eine Rettungskapsel nach Art der Apollo-Raumschiffe, die abgeworfen werden kann? Das ist offiziell streng geheim, aber vermutlich nicht. Besitzt sie einen Schleudersitz für die zwei Piloten (nicht aber für den Flugingenieur und den Präsidenten)? Definitiv nicht. In „Big Game“ besitzt sie beides.
Noch ein Beispiel: Mal angenommen, der US-Präsident ist in eine Tiefkühltruhe eingesperrt, die an einem Helikopter hängt. Ein Junge, nennen wir ihn Oskari, springt mit einem großen Satz auf die Tiefkühltruhe, um den Präsidenten zu retten. Was können die Heli-Piloten tun, um den Knaben wieder los zu werden? Zum Beispiel im Tiefflug über einen Wald donnern, damit der Helfer abgeschüttelt wird? Das würde für alle Beteiligten tödlich enden, sobald sich das Trageseil um den ersten Baum wickelt. In „Big Game“ findet es - ohne Todesfälle - trotzdem statt. Und die Kühltruhe mutiert später noch zum Rettungsboot für den Präsidenten und seinen Begleiter.
Es sind Details und Szenen wie diese, die dem Actionreißer „Big Game“ sein ganz spezielles Flair verleihen. Autor/Regisseur Jalmari Helander reiht eine Absurdität an die nächste, ohne jemals eine Miene zu verziehen. Auch die Darsteller erhöhen den Scherzfaktor des Dramas, indem sie sich jedes Lachen verbeißen.
Als Zuschauer verfolgt man die Geschichte vom Finnen-Knaben und dem US-Präsidenten mit ungläubigem Vergnügen. Das Spiel von Samuel L. Jackson ist wie immer eine reine Freude. Die sehr knorrigen und sehr hinterwäldlerischen Finnen agieren so knorrig und so hinterwäldlerisch, wie man es sich nur ausmalen kann.
Amerikas Staatsmacht wird durch erste Kräfte wie Victor Garber, Jim Broadbent und Felicity Huffman in der CIA-Zentrale repräsentiert, während der Deutsche Mehmet Kurtulus als aalglatter Attentäter für Bombenstimmung sorgt.   
In Summe ergibt das eine schaurig schöne Mixtur aus Satire und Action, die durch herzhafte Intrigen noch zusätzliche Würze bekommt.  Action-Fans werden also gut bedient. Und  jene Zeitgenossen, die von einem Film auch tiefe Weisheiten erwarten, ebenso. Die werden mit der (möglicherweise nicht mehr ganz neuen) Erkenntnis beglückt, dass man es mit Mut und Freundschaft weit bringen kann im Leben.
Sollte man beim Verlassen des Kinos jedoch empört ausrufen, „das kann doch alles nicht wahr sein“ - dann wäre Regisseur Jalmari Helander wohl der erste, der grinsend antwortet: „Stimmt!“
 
IDEAL FÜR: Samuel-L.-Jackson-Fans und für Action-Freunde, die es genießen, wenn sich ein Film selbst auf die Schaufel nimmt - und das Publikum gleich mit.






Trailer
LÄNGE: 90 min
PRODUKTION: Finnland / Deutschland /Großbritannien 2015
KINOSTART Ö: 18.06.2015
REGIE:  Jalmari Helander
GENRE: Action|Thriller
ALTERSFREIGABE: ab 14


BESETZUNG
Samuel L. Jackson: US-Präsident William Alan Moore
Onni Tommilla: Oskari
Jorma Tommila: Tapio
Ray Stevenson: Morris
Mehmet Kurtulus: Hazar
Victor Garber: Vizepräsident
Jim Broadbent: Herbert
Felicity Huffman: CIA-Direktorin

Interview
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