Autumn Blood

Ein Film, der nichts zu sagen hat


FilmClicks:
Das Mädchen (Sophie Lowe) ist das Opfer, das in „Autumn Blood“ von Männern gejagt wird © Thim Film
DIE STORY:  „Autumn Blood“ ist ein schon 2011 gedrehtes Drama mit viel Gewalt und wenig Sinn. Der Haupt-Schauplatz ist ein abgelegener Bergbauernhof in Tirol. Dort erscheint eines Tages ein bärtiger Mann, der Bürgermeister (Peter Stormare), und erschießt den Bauern. Dann geht er wieder.
Die Frau des Bauern lebt mit ihrer Tochter, dem etwa 16-jährigen Mädchen (Sophie Lowe), und ihrem Sohn, dem etwa zehnjährigen Jungen (Maximilian Harnisch), weiterhin auf dem Hof. Doch eines Tages wird sie vom Sohn, der seit der Ermordung des Vaters die Sprache verloren hat, tot in ihrem Bett gefunden. Die noch junge Frau ist offenbar sanft entschlafen.
Der Tod der Mutter ist nicht der einzige Schicksalsschlag, der die Geschwister an diesem Tag ereilt. Denn zur gleichen Stunde wird das Mädchen, das nach einem erfrischenden Bad in einem einsamen Bergsee nackt auf einem Felsen liegt, von einem Passanten, dem Fleischhauer (Gustaf Skarsgard), vergewaltigt.
Die Geschwister verheimlichen beide Ereignisse vor den Behörden. Sie begraben die Mutter und bleiben auf dem Hof. Eine Sozialarbeiterin (Annica Bejhed) wittert aber, dass da etwas nicht stimmt und will die Familie besuchen. Das wiederum passt dem Fleischhauer, der das  Mädchen vergewaltigt hat (er ist zudem der Sohn des mörderischen Bürgermeisters), gar nicht. Mit zwei Freunden und drei Gewehren eröffnet er die Jagd auf die Geschwister, um seine Straftat nicht ans Licht kommen zu lassen.
Bei der nun beginnenden Verfolgung verliert einer der Häscher sein Leben, als er von einem Felsen stürzt. Der zweite bringt sich durch inkompetentes Hantieren mit dem Gewehr selber um. Als der Fleischhauer die Geschwister schließlich stellt und das Mädchen erschießen will, steht die mittlerweile eingetroffene Sozialarbeiterin schützend vor ihr.
Gesprochen wird in dieser Tiroler Geschichte übrigens auf Englisch, aber nicht viel. Es gibt vielleicht fünf Minuten Dialog. Der Rest ist Schweigen, untermalt mit Musik.
 
Der Vergewaltiger und der Mörder: Gustaf Skarsgard und Peter Stormare © Thim Film

DIE STARS:
Der Schwede Peter Stormare wurde durch seine Rolle im Coen-Brothers-Hit „Fargo“ weltbekannt und hat seither eine ansehnliche Karriere hingelegt. Sein Landsmann Gustaf Skarsgard ist ein Sohn des großen Schauspielers Stellan Skarsgard. Die Darstellerin des Mädchens, die Australierin Sophie Lowe, spielte an der Seite von Naomi Watts und Robin Wright in „Adore“.
Der aus Kufstein stammende Regisseur Markus Blunder drehte Werbung und Musikvideos, bevor er mit „Autumn Blood“ seinen ersten Spielfilm inszenierte. Die Story stammt von Günther Aloys, einem Hotelier aus Ischgl. Als Drehbuchautor wird ein Stephen T. Barton genannt.
 
DIE KRITIK: Etwas Positives vorweg: „Autumn Blood“ ist visuell ein Knüller. Der Film schaut verdammt gut aus. Das ist der großartigen US-Kamerafrau Reed Murano zu verdanken, die schon Sundance-Hits wie „Frozen River“ oder „Kill Your Darlings“ brillant bebilderte.
Aber was nützt all der schöne Schein, wenn er nur dazu dient, eine tiefe innere Leere zu übertünchen?   Der Film interessiert sich nicht für seine Figuren. Er interessiert sich auch nicht für das, was die Zuschauer interessieren könnte: Wie kann es zu Beginn passieren, dass ein Mord geschieht, der keinerlei Konsequenzen für den Mörder hat? Warum ist in der Folge der Vergewaltiger interessiert daran, sein Opfer zum Schweigen (also: ums Leben) zu bringen, wenn in dieser seltsamen Tiroler Bergwelt Verbrechen eh unverfolgt und ungesühnt bleiben? Alles egal. Drehbuch und Regie haben das einzige Ziel, eine Menschenjagd zu inszenieren.
Dass „Autumn Blood“ fast ein Stummfilm ist, macht die Sache nicht besser, sondern noch schlimmer. Ihrer Sprache weitgehend beraubt, bleibt den Darstellern das Mienenspiel als einziges Ausdrucksmittel. Was zu groteskem Overacting führt, das gelegentlich unfreiwillig komisch wirkt.
Besonders peinlich ist die Schlusssequenz inszeniert. Da bettet sich das fliehende Mädchen in einer Höhle nackt zur Nachtruhe (wahrscheinlich, weil ihr zu heiß ist – die Berggipfel rundherum sind schon vom Schnee bezuckert. Ironie aus). Am nächsten Morgen flieht sie nackt weiter. Was nur den Grund haben kann, voyeuristische Instinkte zu bedienen. Schaurig. Diese chic ästhetisierte Menschenhatz ist an Hohlköpfigkeit kaum zu überbieten. „Autumn Blood“ ist ein Film, der seinen Figuren nicht zuhört und der selbst nichts zu sagen hat.
 
IDEAL FÜR: Filmfreunde, die miterleben wollen, wie es sich anfühlt, wenn ein richtig schlechter Film richtig gut aussieht.






Trailer
LÄNGE: 96 min
PRODUKTION: Österreich 2013
KINOSTART Ö: 05.12.2014
REGIE:  Markus Blunder
GENRE: Drama


BESETZUNG
Sophie Lowe: Das Mädchen
Gustaf Skarsgard: Der Fleischhauer
Peter Stormare: Der Bürgermeister